1.Lektion: 200 indonesische Kinder beim Namen nennen

Gruppenfoto mit KindernIst es wirklich schon so lange her? Zum Start dieses Weblogs möchte ich kurz von meiner Ankunft hier erzählen.

Todmüde bin ich am 6. September 2012 am Flughafen von Maumere aus dem Flieger gestiegen. Ein Erzieher des SOS-Kinderdorfs hat mich abgeholt, ins Kinderdorf gebracht und gleich herumgeführt. Mütter wie Kinder waren sehr freundlich, aber auch schüchtern. Ich sprach ja noch kein Indonesisch. Überall wurde ich als Saudara, Geschwisterkind, aus Deutschland vorgestellt. In den folgenden Tagen begrüßten mich die Kinder alle mit der Frage „Saya siapa?“ – „Wer bin ich?“ Eine ganz schöne Herausforderung – 200 indonesische Kinder beim richtigen Namen nennen zu können!
Von Anfang an wurde ich zur Kamis ceria, dem gemeinsamen Baden und Spielen am Strand, und zum Pertemuhan remaja, der wöchentlichen Versammlung, mitgenommen. So wurden wir schnell vertrauter miteinander.

Nach etwa zwei Wochen Eingewöhnungszeit habe ich dann begonnen, meinen Teil beizutragen. Ich wollte Englisch-Unterricht und  Taekwondo-Training geben. Für mich war es das erste Mal, dass ich in die Lehrer-Rolle schlüpfte, und so dauerte es eine Weile, bis ich die richtige Unterrichtsstruktur gefunden hatte. Inzwischen hat sich das alles gut eingespielt. (Mehr davon später.)

Nach etwa einem Monat fragte mich eines der Kinder, ob ich mit zu seinem Kampung, dem “Heimatdorf“, kommen möchte. Ich nahm die Einladung ohne zu zögern an, hatte dann aber doch Bedenken, ob ich nicht stören würde.
Das Gegenteil war der Fall: Die meisten Menschen auf Flores leben unter einfachsten Bedingungen, aber teilen, was sie haben, mit Freuden. Sie sind viel offener als ich es gewohnt war. Ich habe dort zwei Tage verbracht und wirklich bewundernswerte Menschen kennengelernt. Bis heute bekomme ich immer wieder solche Einladungen. Wann immer ich kann, nehme ich sie an.

Ganz ehrlich: Vor meiner Ankunft im SOS-Kinderdorf Flores hatte ich sowohl Erwartungen, als auch Ängste. Nach einem halben Jahr muss ich sagen: Meine Ängste erwiesen sich als unbegründet und meine Erwartungen wurden vollends übertroffen!

3 Antworten auf 1.Lektion: 200 indonesische Kinder beim Namen nennen

  1. Thomas Dreier sagt:

    Hallo Henry,

    viel Erfolg und weiterhin Freude bei Deinen Begegnungen und Aufgaben!

    Herzliche Grüße aus Bonn
    Thomas Dreier

  2. Johanna Wüthrich-Dreier sagt:

    Hallo Henry
    Deine Eltern haben mir den Hinweis auf deinen Blog geschickt. Es bereitet mir grosse Freude, über deine Erfahrungen zu lesen. Ich wünsche dir weiterhin eine gute Zeit.
    Herzlichen Gruss
    Hanna

  3. Astrid Dreier sagt:

    Lieber Henry, die Schilderung des Lebens in so einem mir ganz fremden Teil der Welt ist sehr lebendig und anschaulicher, als es je ein Zeitungsbericht sein könnte. Besonders berührt hat mich Nonas Schicksal. Ich bin gespannt auf den nächsten Blog.
    Alles Liebe Großmutti

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