Bin ich reich?

In den Augen der Kenianer bin ich reich. Ich konnte bis jetzt noch niemanden der unteren oder untersten Einkommensschicht davon überzeugen, dass ich hier in Kenia wohl zur „upper class“ gehören würde, aber nicht in Deutschland.

Viele der Menschen, mit denen ich spreche, stellen sich vor, dass ich in einem großen Haus lebe, ein schönes Auto fahre und mir so ziemlich alles leisten kann. Tatsächlich arbeitet zwar mein Mann bei einem deutschen Autohersteller, aber wir besitzen kein Auto. Unsere Wohnung  in München ist kleiner als die, in der ich in Nairobi wohne, und auch für mich ist Nairobi nicht unbedingt günstig. Wenn ich das erzähle, sagen sie meistens nicht viel dazu. Sie können es nur schwer glauben

Wie auch? Die Weißen, die man in Nairobi sieht, fahren oft ein großes Auto, gehen in teuren Läden einkaufen, können sich eine Haushalthilfe, eine Köchin und eine Wäscherin leisten – darin unterscheidet sich der Mzungu, wie der Weiße hier genannt wird, aber nicht vom wohlhabenden Kenianer, der reichen Inderin oder dem gut verdienenden Araber oder Chinesen.

Wenn ich in den Nakumat gehe, zugegebenerweise einer der teureren Supermärkte in Kenia, dann muss auch ich angesichts der Preise schlucken. Wie sich dann ein Kenianer das Leben in Nairobi leisten kann? Sehr schlecht!

Und die Lebensmittelpreise steigen stetig an. Hat im September ein Kilo Zucker noch 120 kenianische Schilling gekostet (das entspricht zur Zeit ca. 1,10 Euro), so stieg der Preis im November auf 240 an. Ich frage einen Bekannten, der nur wenig Geld verdient, wie er damit umgeht? „Wir sparen und versuchen weniger zu essen.“ Wenn ich das höre, fühle ich mich elend! Aus seiner Sicht gesehen, bin ich natürlich eine reiche Frau. Er hat ja recht: Ich muss keine Angst haben, genug zu Essen zu bekommen, kann mir gute Kleidung, eine nette Mietwohnung, einen Urlaub leisten, kann essen gehen, wenn ich möchte, und muss mir keine finanziellen Sorgen machen.

Habe ich manchmal Schuldgefühle, wenn ich etwas kaufe, was sich der Durchschnittsbürger in Kenia nie im Leben leisten kann? Auf jeden Fall! Wie komme ich damit zurecht? Oft nur schwer!

Zwar spende ich Geld, arbeite für die SOS-Kinderdörfer, die sich für Menschen, die in Armut leben, einsetzen und lebe kein Luxusleben in Deutschland, aber dennoch habe ich ein schlechtes Gefühl, wenn ich sehe, wie viel Menschen es hier nicht gut haben.
Ich versuche ein wenig, diese Ungerechtigkeit auszugleichen, könnte aber auch noch viel mehr tun – das ist das Dilemma und für mich immer ein Teil des Lebens in einem Entwicklungsland. Ganz nüchtern betrachtet: Es ist nicht fair, dass ich solch ein Glück hatte, in guten Verhältnissen in Deutschland aufzuwachsen. Auch deswegen arbeite ich bei den SOS-Kinderdörfern, damit sich an dieser Ungerechtigkeit etwas ändert.

3 Antworten auf Bin ich reich?

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