Sahiba, ein wunderschönes Kleid und eine furchtbare Tat

Ein Mädchen im Kinderdorf Kisumu

Ein Mädchen im Kinderdorf Kisumu

Mit einer ganzen Gruppe von Leuten war ich in Kisumu im Westen Kenias unterwegs, nicht weit entfernt vom Victoriasee. Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland sowie Ostafrika waren dabei, außerdem Vertreter einer anderen Nichtregierungsorganisation und einer Stiftung. Die Gegend ist wunderschön, die Reise war sehr positiv. Ich habe interessante Projekte anderer Organisationen gesehen und ein neues SOS-Kinderdorf, das im nächsten Monat eröffnet wird. Die ersten Kinder wohnen bereits dort.

Die Geschichten der Kinder, die im Kinderdorf leben, sind oft sehr traurig, das ist die Realität unserer Arbeit. Aber was mir meine Kollegin Mercy von einem Mädchen erzählte, das vor kurzem zu uns gekommen ist, hat mich besonders mitgenommen – wahrscheinlich auch, weil Mercy die Geschichte selber so bedrückt hat.

Kinderdorf Kisumu

Kinderdorf Kisumu

Nennen wir das Mädchen einfach Sahiba. Als Mercy sie traf, ging es ihr augenscheinlich gut, sie lachte und  spielte. Mercy wollte von ihr wissen, ob sie sich noch an ihre Eltern erinnern könne und was ihr besonders im Gedächtnis geblieben sei. Sahiba erzählte von einem wunderschönen Kleid, dass ihre Mama ihr geschenkt hatte. Mercy fragte weiter, ob Sahiba das Kleid malen möchte, und Sahiba hat sich daran gesetzt und gezeichnet. Sahiba hat also ein wunderschönes Kleid gemalt und als Mercy sie fragte, wann sie es denn bekommen habe, antwortete Sahiba: „Zwei Wochen, bevor mein Papa meine Mama umgebracht hat!“

Sicht vom Kinderdorf Kisumu

Sicht vom Kinderdorf Kisumu

Kaum war der Satz raus, brach Sahiba in Tränen aus. Sie hat Mercy die furchtbare Geschichte erzählt – was ihr Vater getan hatte und dass es zwei Wochen gedauert habe, bis jemand darauf aufmerksam wurde. Die Nachbarn haben den Geruch bemerkt, der aus der Wohnung kam. Der Vater hatte die Leiche von Sahibas Mutter einfach unter das Bett gelegt und den Kindern verboten, irgendjemandem davon zu erzählen.

Der Vater ist jetzt im Gefängnis und Sahiba lebt im SOS-Kinderdorf. Ich frage mich, wie man solche Erlebnisse verkraften kann und nicht daran zu Grunde geht. Im SOS-Kinderdorf erhält Sahiba psychotherapeutische Behandlung und viel Unterstützung und Liebe, aber selbst damit wird es ein langer und schwerer Weg für sie. Ich hoffe sehr, dass Sahiba das, was sie erlebt hat, verkraften kann. Ich weiß nicht, ob ich das jemals könnte, aber ich wünsche es ihr sehr!

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