Ohne Frühstück in die Schule

Victoriasee

Victoriasee

Von Kisumu geht unsere Reise weiter zu einem kleinen Fischerdorf, das etwa zwei Stunden von der Stadt Mbita entfernt liegt. Etwa 600 Fischerfamilien leben hier, direkt am Ufer des Victoriasees. Die Menschen sind sehr arm und ernähren sich fast ausschließlich von einem kleinen, silbrig-schimmernden, fast durchsichtigen Fisch, Omena genannt. Die Fische werden getrocknet und in einer Soße gekocht und anschließend gegessen. So gut der Fisch auch sein mag, wenn man sich ausschließlich davon ernährt, hat man zwangsweise Mangelerscheinungen!

Fischerdorf Mbita am Victoriasee in Kenia

Fischerdorf Mbita am Victoriasee in Kenia

Man kann das an den Kindern vor Ort leider sehen. Sie sind sehr dünn, manche wahrscheinlich unterernährt, und viele haben Anzeichen von Krankheiten.

Meine Kollegin spricht drei Mädchen an und fragt sie, ob die Kinder aus dem Ort zur Schule gehen. „Ja!“, sagen die Mädchen, aber sie müssen sehr lange dorthin laufen. Die meisten ziehen ohne Frühstück los und müssen vier, fünf oder noch mehr Kilometer zurücklegen. Mittags laufen sie den Weg wieder zurück, bevor sie daheim ihr Essen bekommen – oft die erste Mahlzeit des Tages.

Omena-Fisch

Omena-Fisch

Die SOS-Kinderdörfer planen eine Studie, um noch genauer über die Situation vor Ort und die Probleme der Bewohner Bescheid zu wissen. Auf dieser Basis werden meine Kolleginnen und Kollegen entscheiden, welche Unterstützung die Menschen benötigen, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Bereits jetzt liegen uns die Ergebnisse einer Kinderrechtsanalyse vor. Demnach ist die Gegend um Mbita die ärmste in diesem Teil Kenias.

Ich gehe mit viel Traurigkeit von diesem kleinen Fischerdorf fort, aber mit ebenso viel Hoffnung, weil sich SOS-Kenia entschieden hat, in diesem oder einem nahe gelegenem Dorf bald tätig zu werden!

Frauen beim Trocknen von Omena-Fisch

Frauen beim Trocknen von Omena-Fisch

Bis die SOS-Familienhilfe tatsächlich anläuft, wird es einige Zeit dauern. Und bis sich die Lebensverhältnisse der Kinder und Familien ändern werden, noch länger. Oft wünsche ich mir in so einem Fall, es könnte schneller gehen, aber heute bin ich einfach froh, dass die SOS-Kinderdörfer hier tätig werden! Ein erster Schritt – und weitere werden folgen.

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