Wunderbares Chaos in Dar es Salaam

Dar es Salaam

Dar es Salaam

Ich bin vor ein paar Stunden in Dar es Salaam in Tansania angekommen und bin jetzt schon begeistert von der Stadt, obwohl ich eigentlich noch gar nichts davon gesehen habe. Aber der erste Eindruck ist berauschend. Auf den Straßen ist eine ungeheure Energie zu spüren, hunderte Menschen laufen hier herum. Die Märkte haben spät abends noch geöffnet und die Einwohner Dar es Salaams sitzen an den Straßenrändern in Cafés und Bars herum.

Mir wird gleich bewusst, warum mir das viele Leben so gefällt – weil mir genau das in Nairobi, wo ich ja während meiner Afrika-Reise die meiste Zeit verbringe, fehlt. Nairobi ist eine fast schon zweigeteilte Stadt – da gibt es das Viertel, in denen die „Reichen“ leben, und auf der anderen Seite die Viertel, in denen man fast nur Menschen der untersten Einkommensschicht findet. Damit unterscheidet sich Nairobi stark von Städten wie Dar es Salaam, aber auch Addis (Äthiopien), Hargeisa (Somaliland) oder Kigali (Ruanda), wo sich die Einkommensschichten mischen. Einer der Gründe dafür ist die Kolonialzeit, in der es in Nairobi die „racial segregation“ gab, also eine Einteilung der Stadt nach ethnischer Zugehörigkeit. Ein bestimmter Stadtteil war für die Kolonialherren vorgesehen, ein anderer für Bewohner asiatischer Abstammung und wieder ein anderer Teil für Kenianer.

Das SOS-Kinderdorf Dar es Salaam

Das SOS-Kinderdorf Dar es Salaam

Heute hat jede reiche Gegend ihren sehr armen Nachbarn: An die wohlhabenden Viertel „Langata“ oder „Southlands Estates“ grenzt zum Beispiel Kibera, das größte von über 100 Slumgebieten in Nairobi, in dem zwischen 500.000 bis 700.000 Menschen leben. Auch das ist sicherlich ein Grund dafür, dass die Kriminalitätsrate, über die ich Euch ja schon berichtet habe, in Nairobi so hoch ist. Als Europäerin und Zugehörige der Mittelklasse geht es deshalb nicht anders, als in einer der wohlhabenderen Gegenden zu wohnen. Man lebt hinter Mauern, die zwar die Kriminalität draußen halten, aber leider auch die Unbeschwertheit und das Lebendige. Ein Kollege sagte, dass ich mir das Leben dann eben nach Hause holen muss. Und natürlich hat er Recht, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass man abgeriegelt von einem Teil der Gesellschaft lebt.

Ich bin auch nach fünf Monaten in Ostafrika immer noch dabei, mir ein Bild von dem Leben in den verschiedenen Städten zu machen. Aber so langsam wird mir bewusst, dass mir das chaotische Dar es Salaam, das Nebeneinander von Arm und Reich in Addis Abeba und auch die Einfachheit Hargeisas in Nairobi ein wenig fehlt. Ich bin kein Mensch, der viel Ruhe ertragen kann, ich liebe den Lärm der Großstadt und das Durcheinander auf den Straßen – so wie hier, in Tanzanias Hauptstadt, und ich freu mich auf die nächsten zwei Wochen! Dar es Salaam, here I come.

Mehr Infos zu SOS-Kinderdörfer in Dar es Salaam findet ihr hier.

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