Begegnung mit Minister Dirk Niebel in Mogadischu

Entwicklungsminister Dirk Niebel übergibt in Mogadischu einen Spendenscheck sowie Hilfsgüter für die SOS-Kinderdörfer in Somalia.

Entwicklungsminister Dirk Niebel übergibt in Mogadischu einen Spendenscheck sowie Hilfsgüter für die SOS-Kinderdörfer in Somalia.

Noch bevor ich den Flug nach Mogadischu  antrat, um dort im Namen der SOS-Kinderdörfer Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zu treffen, gaben mir meine somalischen Kollegen Ratschläge, die mich nicht gerade beruhigten:  Man müsse zu unterscheiden lernen, sagten sie, zwischen Schüssen, die in die Luft gehen, in Wände oder eben, naja, woanders hin. Für meine Kollegen gehört die Gefahr zum Alltag und ihr Humor hilft ihnen, damit umzugehen.

Wir landeten bei strahlendem Sonnenschein und es sah aus, also ob wir fast im Meer landeten. . Die Landebahn ist nämlich so nahe ans Ufer gebaut, dass man denkt, man würde auf dem Wasser landen. Es sah wunderschön aus, aber spätestens, wenn man den Flughafenkomplex verlässt, holt einen die Realität wieder ein. Unser Wagen, der mit getönten Scheiben versehen ist, wurd von einem Pick-Up-Truck mit offenem Verdeck begleitet. Auf dem Pick-up saßen sieben schwer bewaffnete Männer, die mich zu meiner Unterkunft begleiteten. Kurz vor der Einfahrt zum „Hotel Peace“ sprangen die privaten Sicherheitsmänner aus dem Wagen, hielten ihre Gewehre schussbereit und bildeten ein Spalier, um unseren Wagen in die Einfahrt passieren zu lassen. Im Eingang befand sich ein weiterer Wachmann mit Gewehr hinter einer Sackbarrikade. Das Haus, in dem ich wohnte, hat Wachtürme. Zwar sah ich die Sicherheitsleute nicht, aber ich wußte, dass sie da waren. Und das war auch gut so.

Dringend benötigt: Minister Niebel brachte den SOS-Kinderdörfern medizinische Ausrüstung für das SOS-Medizinische Zentrum in Mogadischu.

Dringend benötigt: Minister Niebel brachte den SOS-Kinderdörfern medizinische Ausrüstung für das SOS-Medizinische Zentrum in Mogadischu.

Das größte Problem vor allem für UN- oder NGO-Mitarbeiter aus Europa, den USA oder anderen Teilen der Welt, ist die Gefahr des Kidnappings. Meine Kollegen scherzen, dass ich mindestens eine Million US-Dollar wert bin. „Dollars on legs“ werden wir genannt. Als ich unser SOS-Medizinisches Zentrum im Norden Mogadischus besuchte, musste ich eine kugelsichere Weste tragen und wurde von unserem Fahrer begleitet, der hinten in seiner Jeans eine Pistole versteckt hatte.

Dann am Samstag traf ich also Minister Dirk Niebel. Ich hatte die Ehre, einen Scheck sowie Hilfsgüter für die SOS-Kinderdörfer in Somalia entgegen nehmen zu dürfen. Minister Niebel brachte den SOS-Kinderdörfern dringend notwendige medizinische Ausrüstung für das SOS-Medizinische Zentrum. Die Lieferung wurde von unseren Kollegen vor Ort schon sehnsüchtig erwartet, da hiermit Leben von Frauen und Kindern verbessert, verlängert und gerettet werden können. In meinem nächsten Eintrag möchte ich euch gerne mehr von dieser wichtigen Einrichtung erzählen. Nur schon vorab: Die Hilfe des BMZ ist dringend notwendig und die SOS-Kinderdörfer sind Minister Niebel für sein Vertrauen in unsere Organisation sehr dankbar!

Schnappschuss durch die Windschutzscheibe: Fahrt durch Mogadischu, eskortiert von Schwerbewaffneten.

Schnappschuss durch die Windschutzscheibe: Fahrt durch Mogadischu, eskortiert von Schwerbewaffneten.

Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie man in einer Stadt überleben kann, in der man ständig Angst vor Anschlägen haben muss. Ganz ehrlich: Ich kann es mir nicht vorstellen! Denn meine Kollegen verbringen ja nicht nur wie ich drei Tage in Mogadischu, sondern zum Teil ihr ganzes Leben. Sie haben keine bewaffneten Wachleute um sich, wenn sie zur Arbeit gehen. Sie fahren mit ihrem eigenen Auto, laufen oder nehmen einen Bus.

Immerhin, seit August 2011 hat sich die Situation ein wenig beruhigt in Mogadischu, aber nur in manchen Stadtteilen und eben auch nur momentan. Trotzdem sieht man viele Zeichen der  Hoffnung:  Straßenzüge, die jahrelang umkämpft waren, sind wieder begehbar. Häuser werden neu aufgebaut und renoviert. Kleine Cafés eröffnen in Gebieten, in die sich noch Anfang letzten Jahres kein Mensch traute. Daneben gibt es natürlich immer noch die komplett zerstörten, zerbombten Häuser, Torbögen oder Statuen, von denen man erahnen kann, dass sie vor 1991 einmal wunderschön gewesen sein müssen.

Wir alle hoffen, dass sich die Situation weiterhin entschärft und dass die Kinder in Mogadischu ein Leben in Frieden kennen lernen und zur Schule gehen können. Und dass sie vergessen, wie sich Schüsse, die in Mauern gehen, von denen unterscheiden, die in die Luft oder auf Menschen abgefeuert werden!

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