Plastikmüll ins Meer werfen kostet 1000 $ – oder nichts!

Ich hatte letztes Wochenende frei und habe mich kurzentschlossen entschieden, Sansibar zu besuchen.  Von Tansanias Hauptstadt Dar es Salaam aus erreicht man Sansibar innerhalb von zwei Stunden mit der Fähre. Mit meinem Ticket bekam ich gleich eine ganze Verbotsliste ausgehändigt: Wird man beim Rauchen oder Alkohol trinken auf der Fähre erwischt, zahlt man 20 US-Dollar, wenn man eine Schlägerei anfängt, geht man ein Jahr ins Gefängnis, sollte man Drogen an Board haben, kostet das 1000 US-Dollar und ein Jahr Gefängnis. Und weiter: Bei lautem Schreien oder Benutzen einer Pfeife wird man 50 US-Dollar los, wird man beim Geschlechtsverkehr erwischt, sind es 50 Dollar. Spucken kostet 10 Dollar, Plastikmüll ins Meer werfen zwischen 1000 und 2000 Dollar, und wenn man jemanden beschimpft, wandert man für sechs Monate ins Gefängnis.

Auf der Fähre nach Sansibar

Auf der Fähre nach Sansibar

Diese lange Verbotsliste hat mich dann doch ein wenig beeindruckt, also habe ich mich artig und ruhig verhalten. Ich habe niemanden gesehen, der Alkohol getrunken oder rumgeschrien hat. Geraucht wurde nur einmal – von Touristen, ganz hinten, sehr versteckt. Alle anderen Regeln wurden, soweit ich das sehen konnte, eingehalten – bis auf die Müll-Vorschrift: Meine afrikanischen Mitreisenden warfen einige Plastikflaschen und Verpackungen ins Meer.

Ein Phänomen, dass ich nicht nur von der Fähre kenne: Müll wird in vielen Ländern Afrikas einfach fallen gelassen oder aus dem fahrenden Auto geworfen. Wenn ich das sehe, tut es mir regelrecht weh, hat mich doch die Gesellschaft so erzogen, dass ich auch noch den kleinsten Schnipsel Papier in den Mülleimer werfe, von denen ja in Deutschland zum Glück auch massenhaft vorhanden sind. Dagegen gibt es beispielsweise in Somaliland überhaupt kein öffentliches Müllsystem, in ländlichen Gegenden vieler Länder nur rudimentär und in den Slums, egal in welcher Hauptstadt, konnte ich bis jetzt auch noch kein voll funktionierendes System entdecken. Der Müll wird einfach weggeworfen oder verbrannt. Und mal ganz ehrlich: vor 30 Jahren haben wir Europäer doch auch noch unseren Müll mal einfach fallen lassen, oder?

Kigali

Kigali

Aber auch bei diesem Thema gilt: die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern Ostafrikas sind extrem – genauso groß wie zwischen den Ländern Europas, Asiens oder Amerikas. Gleich nachdem ich in Sansibar angekommen war, sah ich bereits ein Schild mit der Aufschrift, dass alle Plastiktüten verboten sind. Und im Gegensatz zur Fähre werden hier die Gesetze auch Großteils ernst genommen:  Als ich einkaufen ging und nach einer Tüte fragte, wurde ich von dem Verkäufer an das Plastiktüten-Verbot erinnert. Das hat mich beeindruckt, sind doch der Plastikmüll und vor allem die überall erhältlichen Plastiktüten ein großes Problem in vielen Ländern Afrikas. 

Noch mehr imponiert hat mir in dieser Beziehung nur Ruanda: Schon kurz nach meiner Ankunft in der Hauptstadt Kigali war mir klar gewesen, dass dies die sauberste Stadt und sogar das sauberste Land Ostafrikas ist das ich gesehen habe. Nichts liegt herum, es stehen unzählige Mülleimer an den Straßen und Plastiktüten gibt es schlichtweg nicht. Es wird alles in Papiertüten verpackt, ob im großen Supermarkt oder am kleinen Laden um die Ecke. Teilweise habe ich gedacht, dass ich im Süden Europas unterwegs bin mit perfekt planierten Straßen, neuesten Ampelanlagen, Palmen auf dem Zwischenstreifen und eben diesen wunderbaren Mülleimern in regelmäßigen Abständen.

Wie weit die Müllvermeidung in Ruanda geht, zeigt eine Geschichte, die mir ein Kollege erzählte: Er war aus Nairobi nach Kigali geflogen, im Gepäck unter anderem eine Duty-Free Plastiktüte. Sie wurde ihm gleich vom  Flughafenpersonal abgenommen!

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