Dr. Abdullahi ist tot!

Dr. Abdullahi

Dr. Abdullahi

Heute muss ich Euch von einem sehr traurigen Ereignis berichten, das mich mehr mitnimmt, als ich dachte.
Könnt Ihr Euch noch an den Text „Helden“ erinnern, in dem ich von meinem Besuch in dem SOS-Medizinischen Zentrum in Mogadischu berichtet habe? Ich habe von Dr. Abdullahi Hussein erzählt, dem Leiter der Klinik.

Dr. Abdullahi Hussein, einer der Helden von SOS Somali, ist letzte Woche an einem Schlaganfall gestorben. Die Kolleginnen und Kollegen haben noch versucht, ihn aus Mogadischu zu evakuieren, um ihn in ein Krankenhaus in Nairobi zu bringen. Aber es war zu spät.

Ich habe Dr. Abdullahi zum ersten Mal in Somaliland kennen gelernt, wo ich an einem Workshop mit ihm teilgenommen hatte, und dann, vor ein paar Wochen, in Mogadischu, als er mit mir und ein paar anderen Kollegen für die SOS-Kinderdörfer einen Scheck des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entgegen genommen hat. Und obwohl ich ihn nicht wirklich gut kannte, so bin ich doch schockiert und unendlich traurig, dass Dr. Abdullahi Hussein gestorben ist.

Dr. Abdullahi hat seit 2007 in Mogadischu gearbeitet und alle Schwierigkeiten und Gefahren überlebt. Er überlebte sogar einen Bombenanschlag. Und nun stirbt er eines natürlich Todes! Ich weiß, dass der Tod nicht gerecht ist und dass es uns alle zu jeder Zeit treffen kann. Aber wenn man traurig ist, dann helfen diese realistischen Gedanken einfach nicht.

Ich habe Dr. Abdullahi Hussein ein paar Mal gefragt, warum er in Mogadischu arbeitet, zum letzten Mal auf einer Autofahrt nach meinem Besuch im SOS-Medizinischen Zentrum. Seine Antwort war immer die gleiche: Es erfülle ihn, Mogadischu und den Somalis zu helfen. Seine Arbeit mache Sinn.

Um seinen Landleuten zu helfen, hatte er seine eigene Familie in England zurück gelassen und sie nur einmal im Jahr gesehen. Seine nächste Reise nach England sollte im Mai stattfinden.

Dr. Abdullahi hat sich sehr über die medizinischen Hilfsgüter gefreut, die das BMZ der SOS-Medizinischen Klinik im März zur Verfügung gestellt hatte. Die ursprüngliche Klinik musste ja aufgrund der Gefechte evakuiert werden und ein Teil der damaligen Ausrüstung musste zurück gelassen werden und wurde zerstört. Noch am Tag, an dem die Lieferung des BMZ angekommen war, hat er alles ausgepackt und inspiziert. Ich habe ihn auch ein paar Mal gefragt, ob er manchmal Angst hatte und er sagte: „Ja, manchmal habe ich Angst!“ Er  erzählte mir von einigen brenzligen Situationen, zum Beispiel davon, wie er einmal an einer Straßensperre angehalten wurde und nicht wusste, was mit ihm geschehen würde.

Dr. Abdullahi Hussein und seine Kolleginnen und Kollegen haben auch viel gescherzt. Das hat das Leben im Bürgerkrieg etwas erleichtert. Als ich ihn in Mogadischu wieder traf, fragte er mich gleich: „Erkennst Du mich eigentlich noch? Ohne Bart?“ Er strich sich über das glatte Kinn und grinste. Mir fiel ein, wie ihn seine Kollegen damit aufgezogen hatten, dass er nur so einen kurzen Bart hatte, und nicht, wie in Somalia üblich, einen langen. Nun war er also ganz ab.

Wenn jemand stirbt, erinnert man sich immer an seine guten Seiten. Aber in der Zeit, in der ich Dr. Abdullahi kennen lernen durfte, habe ich einfach keine Seiten entdecken können, die nicht das Gute in ihm hervorbrachten. Ich habe ihn wie alle Kolleginnen und Kollegen in Somalia bewundert. Und diese Bewunderung hält immer noch an, daran kann auch der Tod nichts ändern.

Ich bin nicht sehr gläubig, aber ich bete trotzdem für ihn. Ich hoffe, dass es ihm gut geht, wo immer er jetzt ist.

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