Gleichberechtigte Partner

SOS-Mitarbeiter in Kakiri/ Uganda

SOS-Mitarbeiter in Kakiri/ Uganda

Ich mache mir sehr viele Gedanken über die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in Ostafrika, vor allem über die SOS-Familienhilfe oder Family Strengthening Programs, wie sie im Englischen genannt werden. Sie soll die Grundlage dafür schaffen, dass Kinder ihren Familienverband nicht verlieren. Es ist eine präventive Arbeit.

Ich habe schon einige Familienhilfe-Programme gesehen und versuche, generelle Muster zu erkennen. Ich will verstehen lernen, wie unsere Arbeit vor Ort wirklich funktioniert, welche Unterschiede wir machen und was wir bewirken. Noch während ich schreibe, merke ich, dass ich einen Fehler in den Satz gebracht habe, denn, streng genommen, machen nicht die SOS-Kinderdörfer einen Unterschied, sondern es sind die Menschen selber, mit denen wir arbeiten, die ihr Leben verändern. Wir unterstützen sie dabei, stellen Mittel zur Verfügung, bieten Trainings an, oder helfen dabei, sogenannte “revolvierende Fonds“ aufzubauen, in Kenia Chama genannt, die die Menschen selbst verwalten und die es ihnen ermöglichen, bei Bedarf Kleinkredite auszuzahlen und in Anspruch zu nehmen.

Aber was ich immer wieder beobachtet habe, ist dieser entscheidende Faktor: Wenn die SOS-Familienhilfe funktionieren soll, dann geht das nur, wenn die Menschen, mit denen wir arbeiten, diese Ideen auch umsetzen. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen, Möglichkeiten aufzuzeigen und bereitzustellen, damit sie ihr Potential erkennen und verwirklichen können.

Einkommen schaffende Maßnahme der SOS-Familienhilfe

Einkommen schaffende Maßnahme der SOS-Familienhilfe: Unterstützung der Schweinezucht

Habt Ihr Euch schon mal Gedanken gemacht, warum das Wort „Helfen“ in meinem blog so wenig vorkommt? Aus dem gleichen Grund, aus dem das Wort „Entwicklungshilfe“ durch „Entwicklungszusammenarbeit“ ersetzt wurde.
Der Begriff „Entwicklungshilfe“ suggeriert oft die Überlegenheit der industrialisierten Länder und das Unvermögen der Entwicklungs- oder Schwellenländer. Es suggeriert auch den Gegensatz zwischen Stark und Schwach. Im Gegensatz dazu drückt „Entwicklungszusammenarbeit“ eine gleichberechtigte Partnerschaft aus, in der Entwicklungsländer und industrialisierte Länder zusammenarbeiten, um weltweite Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung und in den allgemeinen Lebensbedingungen dauerhaft und nachhaltig abzubauen.

Diesen Ansatz der Unterstützung und der Stärkung versuchen wir in der SOS-Familienhilfe umzusetzen. Wir wollen Entwicklung unterstützen, geeignete Rahmenbedingungen schaffen und mit den Menschen vor Ort partizipatorisch zusammenarbeiten. Nur dann können unsere Projekte auch Wirkung zeigen.

Ich habe das beispielsweise erlebt, als ich eine Gemeinde in Kakiri in Uganda besuchte, mit der die SOS-Kinderdörfer seit fast fünf Jahren zusammenarbeiten. Familien wurden dabei unterstützt, ihr eigenes Einkommen zu schaffen, über Kinderrechte zu lernen und diese umzusetzen und sich eigenständig für sich selbst und ihre Gemeinde stark zu machen. Im nächsten Jahr wird sich SOS aus der Gemeinde zurückziehen. Dann wird eine Gruppe innerhalb der Gemeinde, mit der wir von Beginn an eng zusammengearbeitet haben, selbst die Arbeit übernehmen. Sie verfügt dann über die nötigen Mittel und Kenntnisse, um sich für die Entwicklung ihrer Gemeinde einzusetzen.

Dies ist das große Ziel der Familienhilfe. Und wie ihr seht: Es klappt!

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