Regen, Schlamm und kein Feierabend

Dienstgänge und -reisen bedeuten oft lange Wege

Dienstgänge und -reisen bedeuten oft lange Wege

Die Arbeitskultur in Ostafrika und Deutschland unterscheidet sich sehr. Und auch in den verschiedenen Ländern Ostafrikas gibt es große Unterschiede. In Tansania zum Beispiel geht alles etwas gelassener zu, in Kenia dagegen oft sehr rasant. Trotzdem ist es auch nicht ganz falsch, wenn es heißt, dass die Afrikaner es mit Zeit oder Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Mittagspausen können tatsächlich schon mal zwei Stunden dauern, Treffen fangen verspätet an, weil nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer pünktlich kommen, und ab und zu arbeitet man auch mal langsamer. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt und nur ein Teil dessen, was ich erlebt habe. 

Die andere Seite: Es wird viel gearbeitet! Ich habe das immer wieder festgestellt, auch in den verschiedenen Büros der SOS-Kinderdörfer. Viele Kolleginnen und Kollegen haben mit Überarbeitung zu kämpfen. Oft verschwimmt zum Beispiel die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit. Dann finden Projektbesuche oder wichtige Planungsmeetings an Wochenenden statt, ohne dass zwingend ein Zeitausgleich dafür geschaffen wird. Und man ist eigentlich immer erreichbar, an den Abenden und an den Wochenenden, zum Teil auch im Urlaub. Als ich zu Beginn meines Aufenthalts in Ostafrika nach Somaliland, nach Senegal und dann nach Djibouti reisen musste, hatte ich innerhalb von fünf Wochen vier freie Tage. Das ist teilweise Normalität.

Auch meine afrikanischen Kolleginnen und Kollegen reisen sehr viel. Für europäische Ohren klingen ihre Ziele aufregend – da findet ein Projektbesuch in Dar es Salaam statt, in Kigali oder auf Sansibar. Aber so eine Reise, oft über weite Strecken und mit langen Arbeitstagen, ist immer auch anstrengend. Wenn man zum Beispiel in den Sudan reist, hat man es unter Umständen mit Temperaturen von 50 Grad zu tun, bei denen auch schon mal die Klimaanlage streikt. Oder es kommt zu langen Wartezeiten: Mein Flug nach Senegal hatte sechs Stunden Verspätung und eine Flugreise von Hargeisa, Somaliland, nach Nairobi dauerte anstatt der regulären drei Stunden fast zwölf Stunden. Je nach Flug muss man oft um zwei oder drei Uhr früh aufstehen, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Auch Reisen innerhalb eines Landes können mühsam sein, wenn man zum Beispiel lange Strecken auf holprigen Straßen fahren muss, um die abgelegenen Gebiete zu erreichen, in denen die SOS-Kinderdörfer arbeiten. Es kann passieren, dass man 10 Stunden für 500 Kilometer braucht. Es kann auch passieren, dass die Strecke aufgrund der Regenzeit in so schlechtem Zustand ist, dass die Reifen im Schlamm steckenbleiben oder man sogar wieder umkehren muss.

All dies führt dazu, dass meine Kolleginnen und Kollegen und auch ich oft sehr müde sind. Trotzdem habe ich eigentlich kaum eine Beschwerde gehört – auch das ist Realität in Afrika. Ich finde, es ist wichtig, auch von dieser Seite zu erzählen.

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