Abschied von Ostafrika – Teil 2

Kind in Djibouti

Kind in Djibouti

Dies ist also mein wirklich letzter Blog-Eintrag. Und hier möchte ich etwas erzählen, dass mir sehr wichtig ist. Denn, wenn ich es mir erlauben darf, Euch etwas mitzugeben, dann möchte ich von der Stärke der Menschen sprechen, mit denen wir arbeiten.

Ich habe viel Armut und tiefgehendes Leid gesehen. Aber die Bewohner Ostafrikas, die unter schwierigsten Bedingungen leben, sind so unendlich stark, wie ich es wohl nie sein könnte.
„Afrika“ wird oft als hilfsbedürftig dargestellt. Der erste Fehler in diesem Satz ist schon mal, dass es ein Afrika nicht gibt. Afrika hat viel mehr Sprachen, Religionen, Ethnien als Europa, und doch spricht man oft von einem pauschalen Afrika.  Und Afrika als schwach zu bezeichnen, ist unsinnig. 

Kollegen im Workshop in Tansania

Kollegen im Workshop in Tansania

Zwar habe ich körperlich schwache Menschen gesehen, leider viel zu oft, aber mental? Nein! Wenn ich die mentale Stärke der Menschen hier mit der in Europa vergleiche – wobei ich hier natürlich sehr pauschalisiere – so muss ich sagen, dass die Stärke dieser Menschen beeindruckend ist. Könnten wir ohne Strom oder fließendes Wasser überleben? Welches Kind muss bei uns vier, fünf oder mehr Geschwister großziehen? Von welcher Großmutter wird erwartet, ihre kranken Kinder zu versorgen, die Enkelkinder groß zu ziehen und einen Lebensunterhalt zu verdienen? Das ist pure Stärke!

Benötigen die Menschen unsere Unterstützung? Ja, viele brauchen dies, und viele auch nicht. Für mich ist dies aber kein Zeichen der Schwäche. Menschen leben in Situationen, die durch verschiedene geographische, politische, geschichtliche und andere Gegebenheiten beeinflusst sind. Und nicht alle Menschen leben in Situationen, die es ihnen erlauben, ganz ohne Unterstützung auszukommen. In Deutschland nicht und in vielen Ländern Ostafrikas auch nicht.

Kollegen in Mogadischu

Kollegen in Mogadischu

Es ist meiner Ansicht nach unsere menschliche Pflicht, diejenigen zu unterstützen, deren Lebenssituation es im Augenblick nicht erlaubt, in angemessenen Verhältnissen zu leben. Die Menschen benötigen nicht unser Mitleid, aber sie dürfen und sollten von uns erwarten, dass wir sie dabei unterstützen, das zu erreichen, was für uns in Deutschland oft selbstverständlich ist. Dieser Pflicht sollten wir endlich nachkommen.

Ich habe einmal ein Zitat gelesen, das ich leider nur noch ungenau wieder geben kann. Aber es lautete im Prinzip folgendermaßen: „Wenn der Kampf gegen Armut ein wirklicher Krieg wäre, dann würden wir mehr Geld in diesen Kampf investieren.“ Und das sollten wir endlich tun. Denn, und hier kommt wieder ein Zitat, diesmal ein genaues von Jean Ziegler, „jedes Kind, dass an den Folgen des Hungers stirbt, wurde ermordet“. Denn wir haben es in unserer Macht, Hunger und auch Armut zu mildern. Das mag sehr idealistisch klingen, und sicherlich ist es dies auch, aber wäre es nicht angemessen, wenn wir unserer Pflicht nachkommen würden, um ein Ende der Armut und des Hungers wenigsten für mehr Menschen zu erreichen?

Das SOS-Team und ich in Ruanda

Das SOS-Team und ich in Ruanda

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Einrichtungen und Ländern Ostafrikas versuchen dies. Sie würden vielleicht andere Worte benutzen, um ihre Arbeit zu beschreiben, aber das Prinzip dahinter bleibt das gleiche.

Und wenn ich euch eins mitgeben darf, dann diese Bitte: Tut alles, was ihr könnt, um die starken Menschen in den Ländern und Gebieten, Städten und Dörfern in Ostafrika dabei zu unterstützen, ein Leben zu führen, dass sie führen wollen und verdienen!

Ich möchte allen danken, die meine blog-Beiträge gelesen haben. Es hat auch mich stärker gemacht, dass ich meine Gedanken niederschreiben durfte in dem Bewusstsein, dass ein, zwei Personen meine Gedanken interessieren.

Thank you, Asante sana, Mahadsanid, Shukran, Ameseginalew, Murkoze und Danke schön!
Eure Nikola

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