AFRIKATAG, 25.5.2015

Tag der afrikanischen Einheit

Seit 1963 ist der 25. Mai ein gesetzlicher Feiertag in den meisten der 32 afrikanischen Staaten, die damals eine gemeinsame Charta zur Stärkung der Afrikanischen Einheit beschlossen hatten…Die Idee war, durch Geschlossenheit und Solidarität zu einem starken gleichberechtigten Welthandelspartner zu wachsen. 52 Jahre später weiß man – die Wirtschaft profitiert davon und wächst. Schließlich hat der Kontinent allein durch seine natürlichen Ressourcen von allem reichlich:  Land, Rohstoffe, junge Menschen. Die sind das größte Plus: Mehr als 50 Prozent der Afrikaner sind unter 20. Die Jugend wird so zur treibenden Kraft, weil sie natürlich dem Druck ihrer Visionen und Bedürfnisse folgen möchte. So passt sie ihr Konsumverhalten entsprechend an und fordert die Wirtschaft heraus, darauf zu reagieren. Motiviert, lernbereit, leistungsorientiert und offen für Veränderungen geben sie den Rhythmus für die Entwicklungen vor. Die Bruttoinlandsprodukte steigen. Der Wirtschaft geht es Stück für Stück besser….

 

Die Menschen sind aber gleichzeitig auch die größte und schwierigste Herausforderung, wenn es um die Realisierung des dringend notwendigen Zusammenhalts der Afrikaner geht. Oft fehlt es an ausreichender Kommunikation oder purem Grundverständnis untereinander. Im Alltag steht man sich zwar meistens auf kleinstem Raum bei, über die Ländergrenzen hinaus kommt es aber immer wieder zu so starken Konflikten, dass selbst kleine Fortschritte ganz zügig wieder der Zerstörung ausgesetzt sind. So werden in dem einen Land – ganz aktuell – die Jugendlichen für ihren Protest zur Einhaltung der Gesetzte angegriffen. Und in einem anderen ganz offen Afrikaner ausländischer Nationen teilweise öffentlich geächtet oder sogar getötet, weil sie den Menschen vor Ort womöglich Arbeitsplätze und Lebensraum wegnehmen… protestors in Burundi_small

 

Dazu kommt, dass die jeweils gewählten Regierungen der meisten afrikanischen Staaten es nicht schaffen, ausreichend für die Bedürfnisse und Belange ihrer Bürger einzutreten. Viel zu oft stehen eigene Interessen im Vordergrund und es fehlt einfach die Weitsicht. So findet sich Afrika wieder im Dilemma zwischen Wachstum und Zerstörung und ist viel zu sehr mit dieser Zerrissenheit beschäftigt, als das es sich um seine hochpotentiellen Kräfte und ganz eigenen Stärken kümmern könnte: die junge Generation. Die ist absolut bereit, sich ausreichend in die Entwicklung ihrer Nationen einzubringen, vor Ort mitzuwirken, Zukunft im eigenen Kontinent zu schaffen. Aber – vergeblich warten die jungen Macher auf Unterstützung und Mittel, ihre Ideen und Wünsche umzusetzen. Während sie warten, sehen sie in den Netzwerken auf ihren Smartphones und in den Fernsehprogrammen Bilder und Geschichten vom “mutigen“ Amerika, wo alles möglich ist und vom “reichen“ Europa, wo man durch Arbeit Wohlstand erreichen kann.

 

So motiviert machen sich viele Junge auf, um endlich auch ihre ganz eigene Chance zu bekommen. Mit Flüchtlingsbooten, über Schlepperkontakte, durch wochenlange Überfahrten – für mühsam erkämpftes oder geliehenes Geld, das am Ziel ihrer Wünsche schnell wieder aufgearbeitet werden soll. Der Flüchtlingsstrom wächst. Europa versucht zu reagieren. Aber Afrika muss das auch tun. Ganz individuell – jeder Staat, jede Nation nach seinen Möglichkeiten. Jeder einzelne Staat sollte viel stärker für die Belange seiner Menschen Verantwortung übernehmen, Voraussetzungen für den Wachstum schaffen, Raum geben für Entwicklung und genügend Platz lassen für die jeweils eigenen Bedürfnisse.

 

Wie im Großen, so im Kleinen. Das Prinzip gilt auch für die SOS-Kinderdörfer weltweit. Immer wieder stellt sich auch in der Organisation die Frage: Wie gehen wir mit der Verantwortung um, die wir in Afrika haben?

Dazu gab es vor einer Woche ein Treffen von Abgesandten aus 25 SOS-Kinderdörfern in Afrika.  Ein Hauptthema war die Frage; wie können wir es schaffen, unsere Länder-Organisationen auf dem Kontinent noch schlagkräftiger zu machen. Man konnte sich darauf einigen, dass man dafür hoch qualifizierte Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft braucht – für eine Mitarbeit in unseren nationalen “Boards“ zu gewinnen. Diese verstärken die Dynamik in unseren Programmen in Richtung Relevanz und Qualität. Es geht dabei nicht nur darum. Unterstützung und Mittel – also Informationen, Briefings und Geld – aus der Zentrale bekommen, sondern mit eigenen Ideen und Aktionen vor Ort sinnvoll aktiv zu werden. Den Board-Governors, also den ehrenamtlichen Vertrauenspersonen, ist dabei wichtig, selbst agieren zu können und nicht nur Ausführende zu sein. So kann etwas Eigenes entstehen, die Verbundenheit wächst und die Verantwortlichen bleiben der Organisation auf lange Zeit als feste Größe vor Ort erhalten. Zimbabwe_KG_Bindura_J-Dufty_6989_small

„In Afrika entwickelt sich gerade eine Generation, die sich engagiert und die sich im Kampf gegen Korruption und Missstände vor allem einsetzen will für die Stärkung der Kinder, ihren Schutz, ihre friedliche Entwicklung und für ein neues, positives Bild von Afrika“, fasste der Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer weltweit, Dr. Wilfried Vyslozil, seinen Eindruck nach dem Treffen zusammen.

Eine starke Basis für eine starke Zukunft!

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