BURUNDI – EIN AFRIKANISCHER FRÜHLING???

In Burundi wird demonstriert. Die Straßen sind voll von Jugendlichen, die ihren Präsidenten auffordern, zu gehen. Sie kämpfen damit für ihr Recht auf eine neue Regierungsspitze. Denn: nach spätestens 2 Regierungsperioden muss ein Wechsel erfolgen, so steht es in der Verfassung Burundis. Die wiederum versucht der aktuelle Präsident zu ignorieren. Er möchte eine dritte Amtsperiode an der Spitze sein. Das sei nur gerecht, sagt er. Schließlich sei er beim ersten Mal vom Parlament eingesetzt worden und bisher nur einmal von seinem Volk gewählt worden.

Die junge Generation Burundis hält entgegen, was fast jeder im Land denkt: Burundi braucht einen Präsidenten und damit neue Chancen und Perspektiven, um jeden Funken Hoffnung zur Entwicklung hin zu einer besseren wirtschaftlichen und politischen Zukunft zu entzünden und zu nutzen. Etwas, dass die aktuelle Regierung ihrer Meinung nicht ausreichend geschafft hat.

Deshalb gehen die Jugendlichen weiter auf die Straße. Ähnlich wie vor ein paar Jahren im Arabischen Frühling: Tunesien, Ägypten, Libyen, Marokko und später Senegal und Burkina Faso   überall dort hat zumeist die junge Generation den Umbruch ins Rollen gebracht. Die afrikanische Jugend will sich stärker an den Entscheidungsprozessen ihrer Gesellschaft beteiligen. Das zeigt sie bei ihren Demonstrationen auf der Straße.

Während meiner Zeit im Senegal wurde ich selbst Zeuge, wie ihre Entschlossenheit, Kraft, Wut und Hoffnung einen Präsidenten in die Schranken gewiesen hat und er gehen musste. Die Geschichte wiederholt sich: Jetzt kämpft Burundi. Mein Heimatland. Und ich – habe gerade nur meine Worte, um mein Land zu unterstützen…

 

Korruption, Machtbesessenheit, Gewalt und Egoismus – viele von Afrikas Regierungen stehen immer wieder in der Kritik, so die Entwicklung von Wirtschaft und Bildung zu behindern. Initiativen, Programme und Stiftungen versuchen, dem entgegenzusteuern. Wie auch die Stiftung des britisch-sudanesischen Großunternehmers und Milliardärs Mohamed Ibrahim. Nach jahrzehntelangen Business-Erfahrungen in afrikanischen Strukturen investiert er seit 2006 hohe Summen in einen Preis „für gute Regierungsführung in Afrika“.

5 Millionen Dollar Preisgeld und jährlich weitere 200.000 Dollar gehen an Regierungschefs, die zum einen bestimmte Kriterien erfüllen wie Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen, Wahrung der Menschenrechte, Öffentliche Sicherheit, Rechtssicherheit, nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Und die zum anderen bereit sind, ihr Amt nach der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit für einen Nachfolger frei zu machen.  So viel Geld, so viel Anerkennung, so viel Motivation – und trotzdem ist die Liste der Anwärter auf den Mo-Ibrahim-Preis nur sehr kurz.

Seit 2006 gab es 3 Preisträger: Joaquim Chissano aus Mosambik, Festus Mogae aus Botswana, Piedro Pieres aus Kap Verde. Und ganz neu in 2015: Namibias Präsident Pohamba. Einen solchen Präsidenten wünsche ich auch Burundi. Der weiß, was – ungeachtet seiner persönlichen Interessen – für sein Volk wirklich wichtig ist: Energie, Zeit und Ideen für die Entwicklung hin zu einer Nation, die in Frieden ihre Wünsche und Pläne für eine kraftvolle Zukunft verfolgen und umsetzen möchte.

 

Unruhen wie die Kämpfe um einen gerechten Präsidentschaftswechsel und Demonstrationen für mehr Anerkennung der Jugend behindern, was Burundi zusteht:  Sich nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg weiter aus sich selbst heraus zu erholen, neue Strukturen zu finden und Platz für die nächste Generation zu schaffen. 

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