DSCHIBUTI

– ein Tauchparadies im Land der Farben

Ostafrika – habe ich auf meinen Reisen für die SOS-Kinderdörfer oft besucht. So habe ich die meisten Länder in der Region kennengelernt. Dschibuti gehörte bisher leider nicht dazu. Seit Kurzem gibt es aber endlich auch dort einen SOS-Kinderdorf Standort. Kollegen und Freunde  waren bei der Eröffnung dabei – auch Andrea Vyslozil.  Für meinen Blog Mit Jeanne Durch Afrika konnte ich Andrea dafür glücklicherweise als Gastbloggerin gewinnen. 

Andrea hat durch die jahrzehntelange Arbeit ihres Vaters für die Organisation schon immer eine ganz besondere Verbindung zu den SOS-Kinderdörfern weltweit. Als sie vor einer Weile von den Reiseplänen nach Dschibuti erfuhr, war sie sofort Feuer und Flamme und wollte unbedingt dabei sein; um vor allem als passionierte Taucherin die wunderschöne Natur an den Küsten Dschibutis zu erleben. Also sparte Andrea auf ihr Ticket und erlebte eine großartige Reise am Horn von Afrika mit unglaublich vielen verschiedenen Eindrücken. Hier ist ihr Reisebericht: 

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„Aja Dschibuti! Wo liegt das noch gleich?“, ist die gängige Reaktion, wenn ich im Bekanntenkreis von diesem etwas ausgefallenen Reiseziel erzähle. Tatsächlich liegt der Zwergstaat eingequetscht zwischen Äthiopien, Eritrea und Somaliland am Horn von Afrika. Tektonisch genau dort wo die afrikanische auf die arabische Platte trifft. Dschibuti ist flächenmäßig nur etwa halb so groß wie die Schweiz.  Die Bucht, die es umschließt, wird unter Tauchern und Unterwasserfans als Geheimtipp zur Walhaisichtung gehandelt. Ein Muss für mich als leidenschaftliche Hobbytaucherin! Ansonsten verschlägt es allerdings (noch) wenige Touristen hierher.
 
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Dschibuti ist ein Land der Extreme: Das Klima ist enorm trocken und im Sommer erreicht die Lufttemperatur in manchen Landesteilen bis zu 50 Grad Celsius (das Meerwasser der Bucht hat mit rund 30 Grad etwa Badewannentemperatur). Nordwestlich der Hauptstadt liegt 155 Meter unter dem Meeresspiegel der Assalsee. Es ist der tiefste Punkt Afrikas. Das Landschaftsbild ist fast unwirklich: kein Fleckchen Grün, nur schwarzes Lavagestein, türkisblaues Wasser und eine gleißend weiße Salzkruste. Das Wasser dieses Sees ist nämlich nahezu das salzigste weltweit, nur in der Antarktis findet man einige wenige salzhaltigere Gewässer.
 
Ladies_in_blue_smallDie Arbeitslosenrate im Land ist hoch, die Armutsschere geht weit auseinander. Trotz all dieser widrigen Umstände ist Dschibuti ein Land mit großem Potenzial.
 
 
 
Das benachbarte Äthiopien ist seit dem Verlust seiner letzten Meeresgrenze an Eritrea auf den Handel mit seinem kleinen Nachbarn Dschibuti angewiesen. Hunderte LKWs rollen jeden Tag über die Grenze nach Westen. Dank der Investierfreude der Chinesen sind die strategisch wichtigsten Straßen in erstaunlich gutem Zustand. Am Hafen und auf großen Frachtschiffen gibt es Arbeitsplätze.
Doch um einen davon ergattern zu können, fehlt es hierzulande vielerorts noch an der entsprechenden Vorbildung. Besonders junge Schulabbrecher und somalische Flüchtlinge finden in Dschibuti kaum Zugang zum Arbeitsmarkt. Einige von ihnen rutschen so in die Kriminalität ab. In den Gewässern vor Dschibuti wimmelt es von Piraten, die Schifffahrtsindustrie steckt hohe Kosten in deren Abwehr. Weil Prävention auf lange Sicht nicht nur sinnvoller, sondern auch günstiger ist, hat der Verband Deutscher Reeder (VDR) beschlossen, ein Ausbildungszentrum des SOS-Kinderdorfs im Armenviertel Balbala mit zu finanzieren. „Es war uns wichtig, den Menschen vor Ort eine Alternative zu bieten“, sagt VDR-Präsident Michael Behrendt.
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Pünktlich zum islamischen Neujahr (Ende Oktober) wurde das E-Learningzentrum eröffnet. Das „Young Talent Promotion Center“, so der offizielle Name, umfasst mehrere Computerräume mit Laptops und Standgeräten, sowie eine Bibliothek. Weiters gibt es Gemeinschaftsräume, wo Erfahrungsaustausch und soziales Miteinander ihren Platz finden. Auch wenn sich das Zentrum in erster Linie an junge Menschen mit dem Wunsch nach Weiterbildung richtet, soll es doch allen zur Verfügung stehen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Fachpersonal wird den Jugendlichen (Grund-)Kenntnisse im Umgang mit Computern vermitteln, sie beim Verfassen ihrer Lebensläufe und Bewerbungen unterstützen, ihnen den Zugang zu Onlinesprachkursen etc. ermöglichen.
 
Der erste Probelauf war ein voller Erfolg: noch etwas ungelenk aber mit großem Elan schieben die Kids ihre Mäuse umher und beobachten gespannt die Reaktion auf den Bildschirmen.
Aber das E-Learningzentrum in Balbala ist nicht das einzige neue SOS-Projekt in Dschibuti. Im Jahr 2010 trat das deutsche Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit an den Verein SOS-Kinderdörfer weltweit mit der Bitte heran: „Baut ein Kinderdorf in Dschibuti.“
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Vier Jahre später ist es nun soweit, in der Stadt Tadjourah im Norden des Landes steht das erste SOS-Kinderdorf Dschibutis, finanziert durch deutsche Gelder. Der Standort ist bewusst gewählt, das Projekt soll besonders der Minderheit der Afar zu Gute kommen.
 
 
SOS-KD2Gut in die Nachbarschaft integriert liegt das neue Dorf direkt neben der Moschee und nur wenige Meter vom Meer entfernt. Auf dem kleinen Grundstück wurden die Häuser im Stil eines arabischen Bazars eng aneinander gebaut. Die Wege dazwischen sind schmal, hohe Mauern sorgen für Schatten. Der Architekt hat persische Windtürme einbauen lassen, diese „Kühlkamine“ zwischen den Häusern sorgen für eine gute Durchlüftung der Sanitäranlagen. Rund hundert Waisenkinder werden hier ab sofort ein behütetes Zuhause finden.
In der SOS-Schule nur wenige Gehminuten entfernt, werden sie unterrichtet werden. Gemeinsam mit vielen anderen Kindern Tadjourahs, Afar wie Somali.
Am Ende meiner Reise wünsche ich allen Schülern und Nachwuchstalenten in Dschibuti einen guten Start ins neue (islamische) Jahr. Und vor allem viel Erfolg für ihre Zukunft! Weil sie als gut gebildete junge Generation zur Sicherheit am Horn von Afrika beitragen können, und zum Wohlstand ihrer Gesellschaft. Aber vor allem weil Lernen Spaß macht!

Lichtes_Bild_A_Vys_smallAndreas Bericht ist eine echte Bereicherung. Ob  die Beschreibung der schönen dschibutischen Natur, das Erlebnis der Geburt zweier neuer SOS-Einrichtungen oder die wertvollen Einblicke in die dahinterstehende Organisationsstruktur: Dir ein herzliches Danke! Und von uns allen ein großes Lob an alle, die an der Verwirklichung von SOS-Kinderdorf Dschibuti beteiligt waren und sind.

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