EIN TAG IM ASHANTI KÖNIGREICH (GHANA)

„Ghana wird Fußball-Weltmeister?!“

Naja, bis dem 2 zu 1 gegen Portugal gab‘s hier, wo ich grad bin, zumindest immer noch ein Restfünkchen Hoffnung. Denn – richtig! – ich bin mitten IN Ghana.

In Kumasi, der zweitgrößten Stadt des Landes nach Accra.

Die WM in Brasilien ist in West-Afrika natürlich auch gerade ein Top-Thema. Die Könige der Bälle werden „Black Stars“ genannt und auch so gefeiert. Diese Ehre gebührt hier sonst nur dem echten Monarchen:  Otumfuo Osei Tutu II – König der Ashanti – 16. Asanthene. Verehrt im ganzen Land, höher angesehen als der Präsident und so populär wie Fußball.

Mit eigenem Palast, speziellen Gewand und goldenen Stuhl, der von König zu König weitergegeben wurde und seither als Thron und wichtigstes Macht-Utensil der Monarchie gilt.

Otumfuo Osei Tutu II ist seit 1999 im Amt. Er ist Jahrgang 1950,  hat in London Philosophie studiert, ist etablierter Geschäftsmann und hat einen eigenen Facebook-Account. Das ist aber auch schon alles, was die Ghanaer von ihm persönlich wissen.

Der König legt nämlich sehr viel wert auf Privatsphäre. Er lebt gut abgeschirmt in seinem riesigen Palast mitten in Kumasi.  Der ist ungefähr so groß wie eins der neuen Fußballstadien in Brasilien – aber auch mindestens doppelt so gut bewacht. Von ziemlich vielen Sicherheitskräften, die einfach keine neugierigen Blicke in den Königshof zulassen. Nicht mal für interessierte nette harmlose Touristen wie mich: Beim Versuch, für meinen Blog ein paar Fotos vom Königspalast aus der Nähe zu machen, kamen sofort Polizisten und schickten mich weg.

Ein Kontrast im Gegensatz zu dem, wie ich Ghana bisher kennengelernt habe: als ein Land voller gastfreundlicher, offenherziger, mutiger und fröhlicher Menschen.Und genau davon möchte ich heute viel lieber erzählen…

Wir starten an einem meiner Lieblingsplätze:  im SOS-Kinderdorf Kumasi. Morgens um kurz nach 9 in der Schule; in der 5. Klasse gibt’s grad Erdkunde – Salle sitzen ganz aufmerksam und lernen. Niemand stört, viel zu spannend ist das, was die Lehrerin berichtet.

 

 

 

 

Mit der Pausenklingel springen dann doch alle ganz schnell auf und rennen nach draußen – spielen Fußball, lachen und erzählen sich Geschichten.

S SGegen Mittag komme ich in der Nachbarschaft an einer Imbissbude vorbei.

Mathilda – die Chefin des kleinen Ladens – winkt mich mit einem breiten Lächeln zu sich rüber und präsentiert mir ihr Tagesgericht: Kenkey mit Gulasch.

SEs riecht großartig! Ich will wissen, wie sie das so lecker hinbekommt. Mathilda erklärt ein bisschen und lässt mich dann kurzerhand einfach mitmachen.

SDas ist viel anstrengender, als ich dachte. Nebenbei erzählt mir Mathilda von ihrem Alltag als Klein-Unternehmerin in Kumasi. Jeder Tag ist ein neuer harter Kampf für sie und braucht immer wieder Kraft und Mut. Aber – dann lächelt Mathilda die Alltagsmühen einfach ganz schnell wieder weg – und kocht weiter, bis die ersten Mittagsgäste kommen.

Ein paar Straßen weiter treffe ich Patricia in ihrer eigenen kleinen Schneiderei.

SDavon hatte sie schon  als kleines Mädchen geträumt: selber Kleider zu entwerfen und sie wie eine kleine Kollektion in der Nachbarschaft zu verkaufen. Dann bekam die 24jährige eine riesige Chance:  mit Unterstützung vom SOS-Kinderdorf Kumasi konnte sie gemeinsam mit 100 anderen Jugendlichen aus der Umgebung eine passende Ausbildung machen. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss gab es dann sogar noch einen Minikredit als Starthilfe dazu. Heute hat sie 3 eigene Nähmaschinen, verschiedene Stoffe,  gute Ideen und immerhin schon ein paar Aufträge, mit denen sie ihr eigenes Geld verdient.

SAls sie gerade bei mir Maß für ein Kleid genommen hat, kommt prompt die nächste Kundin mit einer Bestellung. Ganz Profi verabschiedet sich Patricia freundlich von mir und schon sitzt sie wieder an der Nähmaschine…

Als am Nachmittag die Sonne auf die vollen Straßen von Kumasi brennt, suche ich nach einem schattigen Plätzchen und entdecke noch einen anderen ganz besonderen Laden:

FLORA’s – Hochzeitskleider, Brautmoden und Frisuren – steht dran. Drin empfängt mich die Chefin persönlich. Flora ist eine präsente Geschäftsfrau mit dem richtigen Blick für die Wünsche von Damen im Hochzeitsmodus.

SSie weiß ziemlich genau, wie sie die Augen ihrer Kundinnen zum Leuchten bringt. Festlich, fesch, fein – Flora zeigt mir die Modelle. Jedes der Kleider kostet so um die 30 Euro.

S

Was für uns günstig klingt, ist für die Frauen in Ghana mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 90 Euro aber so etwas wie ein kleines Vermögen. Ich frage Flora, wie sich die Frauen das denn so leisten können? Ihre beherzte Antwort: Einfach ein bisschen sparen. Schließlich heiratet man bei uns in Ghana nicht mal eben schnell innerhalb von zwei Wochen. Hier dauert das vom Antrag bis zum Ja-Wort meistens so 1 bis 2 Jahre. Wir lachen gemeinsam und dann bietet mir Flora noch ein kleines Abschiedsgeschenk an. Sie will mir die Haare aufstecken, damit ich auch schon mal ein klitzekleines bisschen Braut-Gefühl ausprobieren kann.

SIch bin begeistert und finde das Ergebnis richtig toll. Auch wenn’s sicher noch eine Weile dauert, bis ich das Outfit in der Realität brauchen werde … Spätestens dann sehen wir uns bei mir wieder,

Szwinkert mir Flora bei der Verabschiedung zu.

 

Genau so liebe ich Ghana:

Als Land voller optimistischer, freundlicher, kämpferischer,  interessierter, wissbegieriger Menschen.

Ein ganzes Königreich voller Lebensfreude, auch wenn’s oft schwierig ist, genau das zu erreichen, was man sich für ein gutes Leben wünscht….

 

 

 

Das gilt übrigens auch für den Fußball. Nachdem Ghana aus der WM in Brasilien jetzt doch schon vor dem Achtelfinale raus ist,  heißt das natürlich nicht, dass die „Black Stars“ aufgeben. Ob Weltmeister oder nicht – es gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Für die ganze Mannschaft und für alle Fans.

Dieses Gefühl verbindet!

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