FLUCHT AUS GAMBIA

Gambia ist das kleinste Land Afrikas – mit knapp 2 Mio. Einwohnern. Aber Tausende von ihnen wollen das Land verlassen und tun das auch. Seit 2012 haben sich die Flüchtlingszahlen jährlich verdoppelt. Viele von ihnen wollen nach Europa, einige schaffen es bis nach Deutschland. So wurden allein in Baden-Württemberg in 2015 mehr als 5000 Gambier aufgenommen. Natürlich versuchen die Menschen in dem süddeutschen Bundesland alles, um die Flüchtlinge wie auch die aus allen anderen Herkunftsländern bestmöglich unterzubringen und zu versorgen.

Gerade bei den gambischen Flüchtlingen wird dann oft gefragt, warum denn so viele ihr Heimatland verlassen, wenn es doch nur vergleichsweise wenige bis gar Meldungen über Terror, Gewalt und Kriegsverbrechen aus diesem afrikanischen Land gibt. Auf den ersten Blick stimmt das sogar. mango_bakotethDas Land verfügt neben einer gut funktionierenden Landwirtschaft zum Beispiel auch über eine recht erfolgreiche Tourismusbranche.cashewn_bakoteth

Aber – auch in Gambia finden sich leider viele wirtschaftliche, persönliche und politische Gründe, die vor allem junge Menschen, Frauen und Kinder aus ihrer afrikanischen Heimat treiben: Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Druck von der Familie, wenige Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, kaum Zukunftschancen… Dazu kommt eine Regierung, die seit 1994 nicht mehr verändert wurde. Auch wenn sich in der aktuellen Wahl in Gambia 3 Kandidaten um das Amt des Präsidenten bewerben – Experten und Prognosen erwarten keine Änderung an der Spitze Gambias…, aber die Hoffnung besteht noch!!!

Seit 22 Jahren lenkt derselbe Präsident die Belange des westafrikanischen Landes. Das daraus entstandene Machtverhältnis gegenüber den Menschen toleriert kaum bis keine Kritik. Wer sich nicht an die Staatsregeln hält, spürt schnell harte Konsequenzen. So gibt es in Gambia – laut Amnesty International – sogar eine ganze Reihe von bestehenden Verstößen gegen die Menschenrechte: In Gambia wird nach wie vor die Todesstrafe vollstreckt. Homosexuelle werden diskriminiert, gefoltert und getötet.

Menschen, die Kritik am System äußern, werden verfolgt, verschwinden und tauchen teilweise nie wieder auf. Die neueste alarmierende Meldung: Gambia hat sich – wie auch Burundi und Südafrika – im November 2016 aus der Mitgliedschaft am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zurückgezogen.

In der Summe dieser Informationen stehen wohl auch deutsche Asylentscheider immer wieder vor der Frage, wie man unter solchen Umständen Menschen guten Gewissens nach Gambia zurückschicken soll…Von dort gibt es so viele Nachrichten und Berichte über Menschen, die nach ihrer Rückkehr für ihre Flucht bestraft, verfolgt oder sogar verschleppt werden. Und – wenn auch nicht die Regierung, dann reagiert doch meist die eigene Familie auf das vermeintliche Versagen bei einer erfolglosen Flucht mit Verstoß oder Verachtung.

So versuchen viele Flüchtlinge vielleicht auch aus Scham und Angst, ihrer Abschiebung mit allen Mitteln zu umgehen oder machen sich – direkt nach ihrer Ankunft in Gambia meist sofort wieder auf eine neue Flucht aus ihrem Land.

Es braucht also dringend alternative Strategien – sowohl in Europa als auch direkt vor Ort in Gambia. Eine Möglichkeit: Gambias natürliche Ressourcen wahrnehmen und nutzen – wie die reichhaltige und gut ausgebaute Landwirtschaft – um gerade der Jugend neue greifbare Perspektiven zum Bleiben zu geben.

foto-selection-22209Genau das versuchen die SOS Kinderdörfer Gambia mit dem SOS YOUTH AGRICULTURE PROJECT. Ziel ist es, die Teilnehmer – gambische Jugendliche zwischen 14 und 30 – in diesem Projekt auszubilden und zu fördern, um über die aktive Mitarbeit in der Landwirtschaft selbst Teil der Wirtschaft des ganzen Landes werden zu können. Das SOS YOUTH AGRICULTURE PROJECT soll schnellstmöglich starten, um aus einer Idee eine konkrete Alternative zu Fluchtgedanken zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.