LIBERIA – DER PHÖNIX VON AFRIKA

Trotz Bürgerkrieg und Ebola: A nation still rising….

„Hast du dich angesteckt???“ Nach dem Ebola-OUTBREAK in Westafrika wurde mir diese Frage nach meiner aktuellen Liberia-Reise ziemlich oft gestellt. Manche Menschen aus meinem Umfeld haben sogar für ein paar Tage auf Kontakt, Umarmungen und Handschlag mit mir verzichtet oder sind mir eine Weile ganz aus dem Weg gegangen – sicherheitshalber. Die Besorgnis ist verständlich….bleibt aber zu meinem großen Glück unbegründet: Die ärztlichen Tests blieben alle negativ. Ich bin gesund zurück in Europa.

Ein Privileg, welches die vielen Millionen Menschen in Liberia nicht haben. Der Ebola Virus ist dabei zwar die aktuellste, aber doch nur EINE von VIELEN Gefahren und Lebensbedrohungen, mit denen die Westafrikaner in der Geschichte ihres Landes leben lernen mussten. Eine der schlimmsten Erfahrungen liegt gerade mal ein paar Jahre zurück.

SBis 2003 war Liberia von einem schweren Bürgerkrieg zerrissen, hunderttausende Männer, Frauen und Kinder starben in den brutalen Kämpfen oder an deren Folgen, unzählige Menschen sind bis heute traumatisiert. Die Wunden – sowohl die körperlichen als auch die mentalen und psychischen – brauchen mit Sicherheit noch sehr viel Zeit zum Heilen.

Oft kommen Hilfsangebote von ausländischen Organisationen, viele davon ziehen sich allerdings zurück, wenn die Bedrohung – wie momentan durch den Ebola-Virus – zu groß wird. Einige wenige bleiben aber sogar in schweren Krisenzeiten verlässlich vor Ort – wie die SOS-Kinderdörfer in Liberia. Hier bleiben die Türen für Hilfesuchende immer offen. Die Liberianer können sich natürlich auch auf Hilfe von Menschen aus den eigenen Reihen verlassen. Viele davon konnte ich kennenlernen.  Eine Frau hat mich dabei besonders beeindruckt: Quendi Appleton. Quendi & Jeanne_neu

Quendi verlor ihre Eltern, als sie 5 Jahre alt war. Sie kam ins SOS-Kinderdorf Monrovia. Als noch so junges und trotzdem stark traumatisiertes Opfer der Kriegsunruhen fand sie bei ihrer SOS Mutter Schutz, Ruhe, Unterstützung und unglaublich viel Kraft für ihr eigenes Leben. Nach der Schule war dann ihr größter Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Mit Erfolg: Ihren Abschluss als Krankenschwester bestand sie mit Auszeichnung und half dann in der SOS-Klinik in Monrovia den vom Krieg gezeichneten Menschen. Ihr Einsatz war so immens und nachhaltig,  dass sie sogar mit dem Hermann-Gmeiner-Preis ausgezeichnet wurde. Eine der höchsten Anerkennungen für erwachsene SOS-Kinder. Für Quendi war das auch Motivation, sich noch stärker zu engagieren, mehr zu lernen und noch mehr zu tun. Heute arbeitet sie vor allem mit posttraumatisch belasteten Menschen und unterstützt sie psychologisch auf ihrem Weg zurück in ein friedlicheres Leben. Die 35-Jährige ist glücklich und stolz, dass sie so tun kann, was sie am meisten liebt: Menschen wieder Hoffnung geben….

Über Quendi gibt es sogar einen Dokumentarfilm: „Still We Rise“ erzählt ihre Geschichte und steht damit auch für so viele andere mutige Menschen in einem Land, welches so oft wieder von vorn anfangen muss…

Die aktuellen Meldungen über den Ebola-Outbreak erschüttern das Land also nun auf ein Neues. Die Menschen vor Ort hoffen, nicht alleine gelassen zu werden und schätzen jede Hilfe von außen, die sich nicht von der Angst vor Infektionen abschrecken lässt.

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Bei unser Ankunft in den SOS-Dörfern rund um die betroffenen Länder in Westafrika haben die Menschen versucht, uns ein bisschen von dieser Angst zu nehmen.

Wir haben uns darauf eingelassen, weil wir wichtig fanden, zu den Menschen zu stehen und ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht allein – auch nicht in lebensbedrohlichen Zeiten. Wir bleiben an EURER Seite.

Und ganz ehrlich: Genau das hat sich in jeder Sekunde unserer Anwesenheit gelohnt!

Einmalig die Momente, in denen im SOS-Kinderdorf in Monrovia die Freude spürbar wird, dass zum Beispiel die Schule gerade fertig renoviert wurde, neue Häuser für die SOS-Familien bezugsfertig sind und Projekte weitergeführt werden können, die so wichtig sind für die Hoffnung der Menschen vor Ort…

Go_Green….wie zum Beispiel die GO GREEN Aktion.  Dafür werden Blumen und Bäume angepflanzt und so in den Alltag einbezogen, dass sie bei den kleinen und großen Dorfbewohnern nicht nur das Umweltbewusstsein schulen, sondern auch den Blick für die schönen Dinge des Lebens wieder schärfen.

 

 

 

Denn – manchmal sind der Duft und die Farbe einer Blume wohl heilsamer als Medizin.

S

Ein paar Wochen nach meiner Rückkehr nach Europa, nach den Unsicherheiten mit den Folgen einer Reise in Länder mit Ebola-Gefahr, nach meinem beruhigenden Gesundheitstests und dem Schreiben dieses Blog-Eintrags merke ich:  ich habe mich DOCH angesteckt….

Nein, nein – NICHT mit dem Ebola-Virus!

Ich habe mich angesteckt mit der Begeisterung für die Energie, den Optimismus und die Kraft, die die Liberianer aufbringen – nach jeder neuen dramatischen Herausforderung für dieses Volk im Westen Afrikas. Hier leben starke Menschen!!!

SLiberia  – das ist nicht nur Krise, Kriegstraumata und Krankheit. Liberia  – das ist auch das strahlende Lächeln von Herzen als Willkommensgruß, das ist Kraft und Stärke im Alltagskampf um ein Stück Normalität. Immer wieder!

2 Comments
  1. 3 Jahren ago
    Gerald Mauler

    Schöner, bewegender Beitrag, liebe Jeanne!
    Gerald

    Antworten
  2. 3 Jahren ago
    mukaruhogo

    Vielen Dank für das Feedback, Gerald!
    Die Zeit in Monrovia war erlebnisreich.

    Antworten

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