OSTERN IN AFRIKA

Der perfekte Ostersonntag? Blauer Himmel, Sonnenschein, laues Lüftchen, Kinderjauchzen.  Eine fröhliche Familie auf einer grünen Wiese, wo die Kinder ungeduldig hinter jedem kleinen Busch nach Osternestern suchen. Leckerlies, Schokoeier, Kuscheltiere, Osterhasen.

Ich erinnere mich vor allem an eine Schnee-Variante davon in meiner Kindheit: Unser SOS-Kinderdorf Imst  (ca. 1000 Meter Höhe), war zu Ostern meist noch ziemlich verschneit. Osternester gab‘s aber natürlich trotzdem – und nicht weniger gut versteckt. Bis heute frage ich mich, wie es meine SOS-Mutter damals geschafft hat, ihre Spuren im Schnee immer sooo perfekt zu verwischen…..  Sie war einfach so unglaublich ‚vif‘, wie man auf Österreichisch sagt.

Ostern in Afrika ist dagegen so ganz anders – vor allem bescheidener: Kirchenbesuche mit der Familie,  innehalten, gemeinsames Essen ist wichtig.  Dann ist das Fest oft eigentlich schon wieder vorbei. In vielen Ländern, in denen damals die europäischen Kolonialisten in Sachen Christianisierung besonders rigoros waren, gibt es nicht mal ein richtiges Wort für Ostern. Oft sagt man einfach nur „Allélluia“ – von Haleluja.

In RUANDA zum Beispiel steht vor allem die Karwoche ganz im Zeichen der Selbstverleugnung.  Man verzichtet also auf alle eigenen Wünsche, Vorstellungen und vor allem auf alle Formen von Luxus und übt sich in Demut. Nach dem Kirchenbesuch am Ostersonntag wird dann dafür allerdings richtig ausgiebig gefeiert – mit vielen Geschenken und ausgelassenen Partys. Dazu gibt’s das ruandische Nationalgetränk: das Sorghum Bier – Ikigage. Und beim Feiern wünschen sich alle auf Kinyarwanda: PASIKA NZIZA.

Anders in SIERRA LEONE:  da die Religion den Menschen hier besonders wichtig ist, verbringen sie am Ostersonntag den halben Tag in der Kirche. Andachten, Innehalten, Stille fühlen. Nachmittags wird dann mit Familie und Freunden gefeiert  – auf der Straße und vor allem an den wunderschönen Stränden. Dabei tragen die Sierra-Leoner Masken aus der lokalen Geschichte und veranstalten Wettbewerbe im Drachensteigen, wobei die schönsten und am höchsten fliegenden prämiert werden.  Wegen der Ebola-Epidemie muss dieses Jahr leider darauf verzichtet werden. Umso mehr wünschen sich die Menschen in Sierra Leone auch dieses Mal Frohe Ostern: in den verschiedensten lokalen Sprachen … In Mende: Koneh ma ista;  in Temne: O boneh me ta ista;  in Creole: Appi ista

Im SENEGAL, wo immerhin 80% Muslime und nur 20% Christen (die meisten davon sind Sereres und Diola)  leben,  nimmt Ostern eine besonders verbindende Rolle ein: am Karfreitag gibt’s nämlich für alle einen guten Schluck vom NGALAKH – ein traditionelles Getränk aus einheimischen Früchten.  Samstags wird dann in den christlichen Familien traditionell gekocht und das Essen auch wieder mit den muslimischen Nachbarn geteilt.  Der Sonntag gehört dann der Feier mit Familie und Freunden zu Hause.  Was bleibt – ein schönes Gefühl der Gemeinsamkeit. Ein gemeinsames Wort für Ostern gibt es in Senegal allerdings nicht – hier sagt man einfach: Allélluia.

In GHANA wiederum hat die ganze Karwoche eine besondere Bedeutung. Die Religion ist den Menschen sehr wichtig – und so gehen die Ghanaer in dieser Zeit besonders aufmerksam in die Kirche und gedenken dem Leiden Christi.  Nach vielen religiösen Aktivitäten treffen sich die Familien dann erst zu Hause und feiern den Rest des Osterfestes im großen Kreis der Dorfgemeinschaft.  Dazu wünscht man sich in der lokalen Sprache „YESU AMANEHUNU“. 

FROHE OSTERN!!

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