Schulprojekte

Jeanne Mukaruhogo kennt viele Kulturen. Sie stammt aus Burundi, lebte dort im SOS-Kinderdorf und später im SOS-Kinderdorf Imst in Österreich. Nach dem Studium war sie für die SOS-Kinderdörfer an verschiedenen Standorten in Afrika tätig. Heute ist sie die Afrika-Expertin der SOS-Kinderdörfer in Deutschland. Den Blick der Deutschen für andere Kulturen zu öffnen, liegt ihr am Herzen. Mit ihrem Schulprogramm „Mit Jeanne durch Afrika“ nimmt sie Schulkinder, Firmen oder Spender mit auf eine aufregende Reise durch den Kontinent.

Afrika steht heute Vormittag auf dem Stundenplan, 90 vielversprechende Minuten in einer dritten Klasse an der Grundschule Schenefelder Landstraße in Hamburg-Iserbrook. Erwartungsvoll schauen 27 Mädchen und Jungen von diesem Schulprogramm Jeanne Mukaruhogo an, als sie den Klassenraum betritt.
Den Kontinent trägt die Afrika-Expertin noch als Papierrolle unterm Arm. Sie rollt das Poster mit den bunten Ländern aus und klebt es an die Tafel. Viele Informationen, die Jeanne den Kindern heute vermittelt, wird sie auf das Poster schreiben oder mit Fotos illustrieren. So wächst das Wissen über Afrika und bleibt anschließend in der Klasse. Jeanne begrüßt alle Teilnehmer vom Schulprogramm, erzählt kurz etwas zu ihren afrikanischen Wurzeln und geht in den Dialog mit den Kindern: „Wer war von euch schon mal in Afrika?“ Die Mädchen und Jungen überlegen, schauen sich an. Niemand meldet sich. So weit ist noch niemand in der Klasse gereist, die Kanarischen Inseln liegen zwar ganz in der Nähe von Westafrika, gehören aber zu Spanien.
Afrika ist für die meisten Kinder ein großer unbekannter Kontinent, mit viel Sonne, Wüsten, wilden Tieren. Damit sie mehr über Afrika erfahren, nimmt Jeanne die Schüler mit auf eine Reise durch Landschaften, Klimazonen und macht dabei auch einen Ausflug zum Alltag in Schulen und Familien. „Welcher Berg ist der höchste in Afrika?“, fragt Jeanne die Schüler vom Schulprogramm. Vom fast 6.000 Meter hohen Kilimandscharo haben die meisten schon etwas gehört. Und auch von Madagaskar, dessen Erwähnung bei den Kindern große Begeisterung auslöst. „Wie viele Sprachen werden in Afrika gesprochen?“ Als Jeanne verrät, dass es über 2.000 Sprachen gibt, sind die Kinder erstaunt. Kaum jemand aus ihrer Klasse spricht mehr als drei Sprachen, ergibt die schnelle Fragerunde. Einige Schüler zählen ihre Dialekte auch dazu. Bereits nach der ersten Viertelstunde wird klar, dass Afrika weit mehr ist als die Summe seiner Klischees. Als Jeanne eine Geschichte von einem Krokodil erzählt, das einen Vogel verschlungen hat, der durch ein Wunder im Bauch des Riesenreptils überlebt hat, istes ganz still in der Klasse. Beim Thema Schule in Afrika wird es wieder lauter. „Wie lange braucht ihr morgens für den Weg in die Schule?“, fragt Jeanne die Schüler. „Zehn Minuten mit dem Fahrrad“, „Fünf Minuten zu Fuß“, alle Mädchen und Jungen möchten Jeanne die Zeit für ihren persönlichen Schulweg mitteilen. „Könnt ihr euch vorstellen, dass viele Kinder in Afrika zwei Stunden zu Fuß unterwegs sind, um in die Schule zu kommen?“ Nein, das überrascht die Schüler sehr.

Die Reaktionen im Schulprogramm

SchulprogrammDamit der Schulalltag in Afrika nicht abstrakt bleibt, zeigt Jeanne mit einer spontanen Sitzprobe, wie die Kinder dort an Tischen sitzen. Sie bittet Lukas aus der dritten Reihe mit an den Zweiertisch von Lara und Paul. Alle drei Kinder müssen so eng zusammenrücken, dass sie an den Zweiertisch passen, mit Heften und Federtaschen. „Ganz schön eng“, „Alter Schwede …“, „Das geht ja gar nicht“, lauten die staunenden Kommentare der Kinder. Und dann holt Jeanne noch zwei Schuluniformen aus ihrer Tasche. Eine aus Äthiopien und eine aus dem Senegal. Ein Mädchen und ein Junge dürfen diese anprobieren. Dabei entwickelt sich eine lebhafte Diskussion über das Für und Wider von Schuluniformen. Die Kinder erfahren, dass Uniformen vor allem in Regionen Sinn machen, in denen Familien unter Armut leiden. „Mit Schuluniformen sieht man nicht, wer arm oder reich ist“, sagt Carla. Dass auch der Weg zu sauberem Trinkwasser beschwerlich ist, erläutert Jeanne mit vielen Fotos von Brunnen, Tankfahrzeugen und Wassereimern. Trotz Pausengong hören die Kinder noch die letzten Minuten zu, bevor sie sich in den Schulhof verabschieden.

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