STOPP GENOZID IN BURUNDI

In Burundis Städten – vor allem in Bujumbura – regiert die Angst: Menschen geraten plötzlich unter Polizeiverdacht, werden zu Verhören an unbekannte Orte gebracht oder sogar auf offener Straße erschossen. Nachts steigt die Gefahr weiter an: Immer wieder dringen Polizisten in Häuser ein und durchsuchen sie nach Waffen und erschießen die Bewohner.

 

Die Durchsuchungen wurden vom Präsidenten Burundis, Pierre Nkurunziza, persönlich angeordnet. Offiziell möchte er so Frieden schaffen. Eigentlich will er aber seine Gegner entwaffnen und die Opposition wieder kontrollierbar machen. Die protestiert seit längerem gegen seine verfassungswidrige Amtsverlängerung. Eine Spaltung der Oppositionsgruppen würde den Präsidenten stärken.

Die Opposition Burundis setzt sich aus Hutu und Tutsi zusammen. Also aus Menschen der beiden ethnischen Gruppen, deren Machtkämpfe seit Mitte des 20. Jahrhunderts in mehreren Bürgerkriegen und Genoziden hunderttausende Opfer auf beiden Seiten gefordert haben. Immer wieder flammte der einst durch die Kolonialmächte geschürte Hass zwischen den Stämmen auf,  zu lange war die Minderheit der Tutsi den Hutu bevorzugt worden.

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So bekamen Tutsi wichtige Posten, während die Hutu auch später nach der Unabhängigkeit Burundis weiterhin weder in Armee noch in Regierung relevante Positionen zugesprochen bekamen. Ihr Unmut darüber schlug irgendwann in Wut und dann in Hass um und entwickelte sich  – wie 1994 auch in Ruanda – zum Völkermord  mit unzähligen Opfern.

Weder die internationale Gemeinschaft noch andere afrikanische Regierungen haben in diesen Konflikt eingegriffen. Für sie blieb diese Periode offiziell eine „nationale Angelegenheit“ Ruandas. Durch diese Haltung des Wegschauens konnte der Genozid seinen Lauf nehmen. Ein solches Massaker kann sich durchaus wiederholen, wenn die Weltgemeinschaft ihre Haltung in Konfliktregionen nicht grundsätzlich ändert.

Schon in den 1970ern tobte in Burundi ein solcher Völkermord. Zurück blieben unzählige unschuldige Kinder ohne Eltern. In einer der am stärksten betroffenen Regionen rund um die Stadt Gitega nahmen  die SOS-Kinderdörfer 1979 zum ersten Mal ihre Arbeit auf und kümmerten sich um die Kriegswaisen. Weitere blutige Konflikte folgten, bevor im Jahr 2005 Frieden zwischen den Hutu und Tutsi hergestellt werden konnte.

Nach der neu verabschiedeten Verfassung darf kein Präsident mehr länger als zwei Perioden im Amt bleiben. Damals wurde Nkurunziza das erste Mal ins Amt gewählt, fünf Jahre später für eine zweite Amtszeit. Zu Beginn der neuen Amtsperiode 2015 kündigte er an, ein drittes Mal amtieren zu wollen.

Der Unmut des burundischen Volkes äußerte sich in massiven Protesten bis hin zum Wahlboykotts der gesamten Opposition. Dennoch wurde Nkurunziza im Juli 2015 ein drittes Mal als Präsident bestätigt. Die internationale Gemeinschaft erkannte den Wahlsieg nicht an.

Um ihre Macht zu sichern, schürt die aktuelle Regierung weiter die Konflikte in der Opposition  und damit zwischen den Gruppen der Tutsi und Hutu in Burundi. Das kann erneut zu einem Genozid führen, befürchten nicht wenige.

Es an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft – und vor allem die Afrikanische Union – Stellung bezieht, Verantwortung übernimmt und die richtigen Maßnahmen zur Wahrung des Friedens in Burundi ergreift.

 

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