TAG GEGEN FGM – FEMALE GENITAL MUTILATION

Auf meiner Reise von Ghana zurück nach Deutschland las ich in der „New African Woman“. In dieser Ausgabe berührte mich ein Artikel besonders: das Interview mit der ehemaligen Außenministerin Somalias, Edna Adan Ismail, zum Thema Genitalverstümmelung bei Frauen. In „Call to action – lets all help to break the FGM cycle“ erzählt sie von ihrem Kampf gegen diese menschenrechtsverletzende Tradition, die Frauen bis heute lebenslang größte Schmerzen und Demütigung zufügt. Ismail ist auch ausgebildete Hebamme und hat in ihrer über 50jährigen Praxis zahllose Begegnungen mit Frauen gehabt, die vor allem während der Geburt ihrer Kinder unter den Folgen der „Female Genital Mutilation“ – kurz FGM – leiden müssen. Für diese Frauen und für alle anderen hat Edna Adan Ismail aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln eine Klinik gegründet, die sie bis heute in Mogadischu betreibt und leitet.

Als ich den Artikel las, dachte ich an die Geschichte von Waris Dirie aus dem Film „Wüstenblume“ im Kopf. Und all die Geschichten und Bilder, die über diese Tradition der Beschneidung von Frauen kursieren…Allein die Vorstellung verursacht mir Schmerzen und macht mich wütend – über die Vergewaltigung der Persönlichkeit schon im Kindesalter, die Verhaftung in der Kenia_FSP_Mombasa_ 543_smallTradition durch die eigenen Mütter, Großmütter oder zukünftigen Ehemänner.

Ich persönlich bin glücklicherweise nicht durch diesen unsagbaren Schmerz gegangen. Ich komme aus einer Familie, die sich von diesen Traditionen gelöst hat – bewusst oder unbewusst – das Thema Beschneidung gab es bei uns nicht. In unserer Familie gab es mit mir 2 Mädchen und 7 Jungs. Wir haben uns nach Jahren der Trennung wieder gefunden und verstehen uns gut. So wissen wir – die Frauen unserer Familien – auch Tanten, Großmütter, Cousinen ( immerhin mehr als 20) – keine von uns musste sich jemals mit Beschneidung auseinander setzen.

Wie vielen Menschen zieht sich auch mir das Herz zusammen und es fällt mir schwer über Beschneidung und Genitalverstümmelung nachzudenken. Aber gerade deshalb möchte ich darüber schreiben. Darüber zu sprechen ist für viele betroffene Frauen ein Tabu voller Scham und Schmerzen. Umso mehr beeindruckt mich der Mut derer, die diese Stille brechen und darüber berichten. Die Stimmen dieser Frauen sind so wichtig! Denn das, was wir – die Nicht-Betroffenen – dagegen tun können – ist leider …. NICHTS.

Aethiopien_SL_Awassa_Foto_Patrick Wittmann_6871_smallAber – wir können da sein für diejenigen, die von sich aus Hilfe suchen. Genau für solche Situationen bin ich dankbar und glücklich, Teil der Organisation SOS-Kinderdörfer weltweit zu sein. Denn dort, wo wir vor Ort sind, können wir Hilfe leisten. Schutz geben. Ein wichtiger Punkt dabei: Aufklärung! Bestärkung der Frauen! Traditionen zwar respektieren, aber nimmermüde hinterfragen, bewusst machen, was sie mit uns im schlimmsten Fall machen können….Die Aufklärung richtet sich vor allem an die Frauen, die – selbst Opfer – dieser Regelung folgen und wieder neue Mädchen der Tradition der Beschneidung unterwerfen und selbst Hand anlegen.

Es ist wichtig zu erklären, dass die Individualität jedes einzelnen Menschen geschützt und gefördert werden muss, um sich frei entwickeln zu können. Und dass nur so der wahre Wert der Persönlichkeit entwickelt werden kann.Beschneidung-von-Maedchen-in-Kenia-55500

Gerade die junge Generation – die tatsächlich auch heute immer wieder noch von dieser Tradition betroffen ist – ist gefordert, ihre Eltern und Großeltern mit diesem Teil ihrer Kultur – mit der Unmenschlichkeit und Unsinnigkeit dieser Rituale – zu konfrontieren und Änderungen in den Köpfen und damit in der Gesellschaft zu schaffen. Um die Entwicklung der Menschen, der Kultur, der Werte für ein friedliches, respektvolles Miteinander zu unterstützen. Denn – mit kulturellen Werten sollte Schönheit, Größe und Entwicklung verbunden sein – die Tradition der Beschneidung gehört garantiert NICHT dazu.

1 Comment
  1. 6 Monaten ago
    Mutti03

    Es macht mich traurig, wenn ich das lese! Was müssen diese Kinder leiden! Aber was sagen eigentlich die Männer dazu? Ist es den wahr, dass nur „saubere“ Frauen einen Mann finden, eine Familie gründen können?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.