WAHLEN IN BURUNDI

tpa-picture-62053_smallWährend ich die Meldungen aus meinem Geburtsland verfolge, frage ich mich immer wieder: Wie würde ich reagieren, was würde ich tun, wenn ich das Recht hätte, zu wählen? Würde ich mein Leben riskieren, um meine Stimme abzugeben, die vermutlich doch nichts ändert am politischen Geschehen im Land? Wie stark müsste ich mich einbringen? Was könnte mich überzeugen, trotz Waffengewalt und Unruhen auf die Straße zu gehen und für einen Wechsel zu stimmen?

Die Wahlen wurden bereits mehrmals verschoben, nachdem der offene Unmut gegen eine Amtsverlängerung des aktuellen Präsidenten, die folgenden Unruhen und vor allem die Waffenpräsenz stärker wurden. 

Hunderttausende haben das Land verlassen, suchen Schutz in Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten oder bei Verwandten im Ausland, Unruhen verängstigen die Menschen in den Städten, nachts fallen Schüsse, teilweise fliegen Granaten und detonieren beängstigend nah an Wohnsiedlungen. Die Stimmung bleibt extrem angespannt.

Obwohl die Verfassung einen Wechsel verlangt, will Präsident Pierre Nkurunziza auf jeden Fall an der Macht bleiben. Deshalb drängt er weiter auf eine schnelle kontrollierbare Entscheidung. Neben den Protesten der Jugend Burundis kommt jedoch auch Gegenwind aus anderen Richtungen: Nkurunziza’s Vizepräsident hat bereits vergangene Woche das Land verlassen. Genau wie der Parlamentspräsident – er ging einen Tag vor den Parlamentswahlen. Beide teilen ebenfalls die Ansicht, dass eine 3. Amtszeit von Nkurunziza illegal wäre.

Auch Internationale Gemeinschaften wie die UN, die East African Community, die Europäische und die Afrikanische Union haben immer wieder versucht, Nkurunziza zum freiwilligen Rücktritt zu bewegen. Diese Gremien sind sich einig darüber, dass die aktuelle Situation keine Bedingungen für freie und faire Wahlen bietet; dass die Wahl unter diesen Umständen vielleicht gar nicht anerkannt werden kann.

Unbeeindruckt davon forderte Nkurunziza‘s Regierung die Bevölkerung auch im Vorfeld der aktuellen Parlamentswahl immer wieder auf, unbedingt mit an die Wahlurnen zu gehen. Nur mühsam konnte die Opposition mit ihrer Warnung dagegenhalten, aus Sicherheitsgründen und wegen der drohenden Waffengewalt besser zu Hause zu bleiben. Natürlich wurde so auch  damit gerechnet, dass viele Stimmzettel gar nicht erst abgegeben wurden. Heute – zwei Tage danach – bestätigt sich: Die Wahlbeteiligung war sehr gering.

 

Holiday Camp_tpa_picture_25303.JPGIch fühle mit den Zweifeln, mit den Fragen, mit den Entscheidungen der Menschen, der Bevölkerung in Burundi. Und ich wünsche dem Land genügend Mut und Kraft, bei der Wahl Mitte Juli die für sich richtige Wahl zu treffen: für einen positiven, friedlichen Fortschritt in Burundi. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.