Zurück in Deutschland ist so fremd…

Der Blick auf Deutschland ist ungewohnt

Aus dem Flugzeugfenster sieht man geordnete Felder und idyllische Häuser

Wieder in Deutschland zu sein fühlt sich gerade irgendwie fremd an. Es ist mein Zuhause, aber meine Seele ist nicht angekommen. Ich sehe jetzt alles mit anderen Augen – als ob jemand da ein Filter eingebaut hätte.

Kurz vor der Landung erblicke ich durch das Flugzeugfenster die wunderschöne Landschaft um München herum – ein buntes Patchwork von tausenden gut gepflegten Feldern, dazwischen idyllische Häuser und gerade Straßen. Es ist alles sooo grün… und die Rapsfelder leuchten so schön… und es sieht so perfekt aus… so verdammt anders als Nepal gerade…

Während ich diese saubere und geordnete Landschaft anschaue, denke ich „hier hat jeder sein stabiles Häuschen… und beschäftigt sich vielleicht mit Fragen wie „Was ziehe ich heute an?“… oder „Was koche ich denn heute?“. Ganz normale alltägliche Fragen, die mir im letzten Monat so fremd geworden sind. Hier denken die meisten Menschen bestimmt nicht mehr an die enorme Katastrophe in Nepal… die Medien haben berichtet, die Zuschauer haben den Kopf geschüttelt, viele haben etwas gespendet.

Der Bruch geht nicht nur durch die Mauern, sondern durch die Leben der Menschen.

Die Zerstörung bleibt… obwohl die Medien nicht mehr darüber berichten.

Nach ein paar Tagen ist die humanitäre Katastrophe am Fuß des Himalaya schon vergessen. Die Medien brauchen ihre Neuigkeiten, die Menschen hier führen ihr Leben weiter –  arbeiten, treffen Freunde, beklagen sich, dass es wieder regnet. Die Medien haben ihre Gründe, das Erdbeben und seine Folgen zu vergessen – es ist ja nicht mehr so ganz aktuell. Die Menschen haben auch ihre Gründe, sich ihre alltäglichen Sorgen zu machen. Ich verstehe, dass die Gesellschaft so funktioniert. Finde es aber einfach unfair… dass manche so viel und andere so wenig haben. Dass man in einem Biergarten in Deutschland locker 40 Euro an einem sonnigen Nachmittag ausgeben kann, während in Nepal eine verzweifelte Familie einen Monat lang davon essen könnte.

Deshalb fühle ich mich gerade fremd hier. Ich passe nicht ins Bild. Ich habe noch viel zu viele andere Bilder in meinem Kopf – von zerstörten Häusern… von sehr hungrigen Kindern, die alles aufessen und nach mehr fragen… von Müttern, die Angst um die Zukunft haben… von Menschen, die bei Regen klitschnass werden und sich nirgendwo verstecken können… von Dorfbewohnern, die nur Wurzeln im Wald essen, da sie die Regierungshelfer zwei Wochen lang nicht erreichen können.

Shankar wird ab und zu über die aktuelle Lage im Land berichten.

Shankar,der Nationaldirektor von SOS-Nepal, und ich.

Deshalb werde ich nicht aufhören, zu schreiben. Es gibt noch so viel, was ich in Nepal erlebt habe… und genau jetzt, wenn die meisten Medien nicht mehr darüber reden, möchte ich diese Geschichten aus Nepal sprechen lassen… es gibt noch viel zu sagen. Regelmäßig werden auch meine nepalesischen SOS-Kollegen zur Wort kommen, die weiterhin buchstäblich an einer besseren Welt arbeiten.

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