Laxmi kann wieder lachen

Nur langsam und mit viel Geduld und Zuneigung können SOS-Mütter das Vertrauen neuer Kinder gewinnen

Die SOS-Mama von Laxmi gibt ihr gerade besonders viel Liebe und Zuneigung

Es sind einige Tage vergangen, seit Laxmi im SOS-Kinderdorf angekommen ist. Seit ich die Kleine beim Mittagessen sah geht sie mir nicht mehr aus dem Kopf… es ist ihr so etwas Schreckliches passiert… wie kann sie sich überhaupt auf ihr neues Zuhause einlassen? Wie einsam muss sie zwischen all den anderen Kindern sein, die spielen und toben?

Die Kinder im Kinderdorf nehmen Laxmi sofort auf

Laxmi im SOS-Kinderdorf: Sie knüpft bereits Kontakt mit anderen Kindern

Ich hörte kein Weinen mehr aus dem Büro, wollte aber wissen, wie es ihr ginge und suchte deshalb Jostna – die Psychologin im Kinderdorf, die den ersten Zugang zu der Kleinen gefunden hatte. Jostna nahm mich gleich mit und wir schauten gemeinsam bei der neuen SOS-Familie von Laxmi vorbei. An der Tür sah ich auf einmal eine kleine Prinzessin – „Laxmi… bist du das? Du hast ja ein wunderschönes Kleid an! Wow!“
Die Kleine lächelte noch nicht zurück, aber ihre Körpersprache zeigte mir, dass sie das weiße Blumenkleid irgendwie mochte. Wir gingen ins Haus und da erwartete mich eine sehr aparte, zierliche, kleine Frau – die SOS-Mama von Laxmi. Sie lächelte sanft und legte ihre Hand liebevoll um die Schulter des kleinen Mädchens während wir redeten.

Laxmi spielt auf dem Spielplatz im SOS-Kinderdorf

Laxmi spielt auf dem Spielplatz im SOS-Kinderdorf

„Die erste Nacht hat Laxmi bei mir im Bett verbracht. Sie hat sich an mich gekuschelt und konnte durchschlafen. Das mache ich immer mit den neuen Kindern im Haus – sie sollen wissen, dass ich 100%-ig für sie da bin… Laxmi bleibt bei mir im Bett solange sie will.“ Ich bewunderte diese Frau – sie sah so zerbrechlich aus, strahlte aber eine enorme Kraft und Zuversicht aus. „Laxmi spricht wenig, hat sich aber über die Geschenke heute gefreut – das spüre ich. Ich habe sie nach ihrer Lieblingsfarbe gefragt und habe ihr ein besonders schönes festliches Kleid gekauft. Eine neue Puppe hat sie auch bekommen. Und dann hat meine älteste Tochter ihr die Haare besonders schön zusammen geflochten. Wie jedes Mädchen freut sich auch Laxmi darüber, Komplimente zu erhalten – und die bekommt sie jetzt von allen Seiten.“
‚Jetzt sieht sie wirklich wie eine kleine Fee aus’, dachte ich mir, während ich das alles sah (so hatten die ehemaligen Nachbarn sie beschrieben).

Echte Tiere oder auch Plüschtiere sind oft die ersten Vertrauten traumatisierter Kinder

Die neuen Freunde von Laxmi – die zwei Goldfische, die ihr Herz wieder zum Lachen bringen

Dann zeigte mir Laxmi das Wohnzimmer und ihre Augen füllten sich mit Leben. Denn dort schwammen die beiden Goldfische der Familie vor sich hin, die das Mädchen anscheinend sehr faszinierten. Ich fragte Laxmi, ob die Fische wohl hungrig seien und sie antwortete spontan: „Jaaa… Mama, gib mir bisschen Futter, bitte!“ Dann fütterte sie sie liebevoll und ich sah dabei das erste kleine Ĺächeln… so schön… es wurde mir warm ums Herz.  Die nächste Aufgabe von Laxmi sollte es sein, sich Namen für die Fische auszudenken und sie war schon schwer am Überlegen. Ich verabschiedete mich von der Familie mit einem guten Gefühl und einer leichteren Seele.

Und als ich Laxmi am nächsten Tag tobend mit den anderen Kindern im Kinderdorf sah, lachend, glücklich und von allen freundlich aufgenommen, konnte ich fast nicht glauben, dass sie dasselbe verheulte Kind von vor einigen Tagen war. Als ich sie fragte, ob sie ein Foto mit mir machen möchte, freute sie sich und kam schnell zu mir. Der Anfang war schwer… aber mit Zuneigung und Liebe ist alles möglich.

Nach dem zweiten schweren Erdbeben am 12. Mai ging mir das kleine Mädchen erneut nicht aus dem Kopf. Ich habe mir vorgestellt, wie verzweifelt sie gewesen sein muss, ein ähnliches Beben zu erleben wie jenes, das nur etwa zwei Wochen ihre Eltern das Leben gekostet hatte. Ich habe Jostna eine Mail geschickt – „Wie geht es Laxmi? Wie hat sie das neue Erdbeben überstanden?“, frage ich und erfahre, dass Laxmi und ihre SOS-Mama gerade dabei waren, Wäsche zu waschen, als die wieder Erde bebte. Die Kleine bemerkte es als erste, umarmte schnell ihre SOS-Mutter und schrie „Mommy, mommy, es ist ein Erdbeben“. Dann liefen die beiden aus dem Haus und blieben noch paar Stunden draußen aus Angst, dass es wieder passieren würde. Die Nacht verbrachte Laxmi sehr unruhig, sie wachte mehrmals verängstigt auf und prüfte, ob ihre SOS-Mama bei ihr sei. Dann schlief sie in ihren Armen wieder beruhigt ein.

Laxmi hat seitdem nicht mehr gesagt, dass sie zurück nach Hause möchte. Sie hat vielleicht

schon bald im SOS-Kinderdorf Sanothimi ein neues Zuhause gefunden.

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