Schulen in Gefahr!

Kleines Mädchen sitzt vor einer einsturzgefährdeten Schule in Bhaktapur
Viele Schulen in Nepal sind nicht zerstört, allerdings einsturzgefährdet

Es ist bereits einen Monat vergangen seit Nepal von Grund auf erschüttert wurde. Vier Wochen nach der schlimmen Erdbebenkatastrophe sind die Narben des Unglückes noch viel zu deutlich zu sehen. Für viele Menschen sind es sogar immer noch offene Wunden. Wäre das Erdbeben in Europa passiert, hätte man schon längst mit dem Wiederaufbau begonnen. Aber es war ausgerechnet Nepal – das gebirgige Land mit schwer erreichbaren Bergdörfern, mit armen Menschen und dazu mit dem bald eintretendem Monsun. Vier Wochen nach der Katastrophe werden die zahlreichen Facetten der Zerstörung noch deutlicher. Und eine weitere Auswirkung deutet sich bereits an – die Bildung in Nepal ist in Gefahr.

In der SOS-Nothilfe-Kita in Sakhu werden die Kinder schon bald nach dem Erdbeben unterrichtet

Kinder werden in der SOS-Nothilfe-Kita in Sakhu bereits in der zweiten Woche nach dem Erdbeben provisorisch unterrichtet

Obwohl das Land zu den ärmsten in Asien zählt, hat die Schulbildung einen hohen Stellenwert. Sobald die Eltern ein bisschen Geld zur Seite legen können, investieren es die meisten in die Bildung ihrer Kinder. Ich habe viele Kinder erlebt, die wahnsinnig stolz auf ihre Schulbücher und Schuluniformen waren. Man konnte in ihren Augen sofort diesen Funken sehen, diese Wissensneugier, die man in Europa inzwischen viel seltener bei Schülern erlebt. Das hat mich vor Ort überrascht und gleichzeitig berührt, wie gerne die Kinder in den Camps zurück zu ihren Schulen gehen wollten. Dieser Wunsch ist inzwischen noch stärker geworden: „Die Kinder versuchen Schritt für Schritt zurück zu ihrem normalen Leben zu kehren, aber ohne Schulunterricht ist das leider nicht möglich – sie warten mittlerweile verzweifelt darauf, dass die Schule wieder beginnt.“ – schreibt mir Shankar, der Nationaldirektor der SOS-Kinderdörfer in Nepal. „Die Schulbehörden schaffen es gerade nicht provisorische Unterrichtsräume zu bauen. Sie sind damit überfordert und der offizielle Schulunterricht soll in zwei Tagen wieder beginnen. Aber wo soll er stattfinden?“

Viele Schulen bieten gerade Obdach für Erdbebeopfer

Viele Schulen im Land dienen zur Zeit als Notunterkünfte – wie diese in Sakhu.

Laut des nepalesischen Bildungsministeriums hat das Erdbeben in 45 Landkreisen über 5.500 Schulen beschädigt. 25.000 Klassenzimmer sind komplett zerstört und über 10.000 müssen renoviert werden um Kinder wieder aufnehmen zu dürfen. Rechnet man diese Zerstörung in Anzahl von Kindern um, ist die Summe erschreckend – knapp eine Millionen Kinder können gerade nicht zur Schule gehen!! Das darf nicht sein, denke ich mir – wie soll das Land den Teufelskreis der Armut durchbrechen, wenn der einzige Weg daraus – die Schulbildung – auf der Kippe steht??

Mutter und Sohn in ihrer derzeitigen Notunterkunft.

Viele Klassenräume sind inzwischen zu Notunterkünften umfunktioniert.

Das Thema beschäftigt mich in letzter Zeit sehr und deshalb habe ich viele Artikel und Internetseiten durchsucht, um zu sehen ob ich irgendwo erste Schimmer von Hoffnung entdecken werde. Und ich habe sie auch gefunden – eine schöne und gute Idee des Bildungsministeriums in Kathmandu war, viele Lehrer durch psychosoziale Kurse weiterzubilden, so dass diese dann ihre Schüler bei der Bewältigung der Traumata unterstützen können.  Es gibt auch mehrere Initiativen, auch aus Deutschland, NGOs aber auch private Leute, die einzelne Schulen aufbauen möchten. Das hat mich sehr erfreut. Auch SOS-Nepal plant einen solchen Wiederaufbau und eruiert gerade die in Frage kommenden Schulen. Die Baumaßnahmen sind allerdings sehr teuer. Um erdbebensichere Gebäude zu bauen, wohin die Eltern auch in Zukunft ihre Kinder unbekümmert schicken können, brauchen alle Schulaufbau-Initiativen solide finanzielle Unterstützung. Es lohnt sich zu helfen – es ist eine Investition, die sich definitiv auszahlen wird!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.