Das Leben nach dem Beben

Die vielen Erdrutschen sind für viele Bergdörfer eine große Gefahr.

Viele Leute verlassen ihre Bergdörfer wegen der zunehmenden Erdrutschen.

Die Wochen vergehen so schnell in Deutschland. Es gibt so viel zu tun im Büro, die Projekte werden mehr, es entstehen unterschiedliche Baustellen. Es ist eben ein ganz anderer Rhythmus als der, den ich in Nepal erlebt habe. Dort ging es um eins – direkte Hilfe, Kinder und Erwachsene treffen, ihre Ängste und Hoffnungen erfahren, die Facetten erspüren und für diese Erlebnisse die richtigen Worten finden. Jetzt kann ich es nicht mehr tun, aber ich frage mich täglich, was geschieht gerade in „meinem“ Nepal. Deshalb sind für mich jene Momente, an denen ich von meinen nepalesischen Kollegen Nachricht erhalte, ganz besonders.

So schreiben sie auch diesmal, dass das Leben nach dem Beben immer noch ein Leben mit dem Beben heißt. Das seismografische Zentrum in Nepal hat nach dem ersten verheerenden Erdbeben am 25. April über 2000 weitere Nachbeben verzeichnet!!! Letzte Woche hat es in Kathmandu erneut ein Beben der Stärke 4,6 auf der Richterskala gegeben. Die Erde kommt einfach nicht zur Ruhe und Wissenschaftler schließen die Möglichkeit eines erneuten Megabebens nicht aus… die Menschen leben in ständiger Unsicherheit. Meine Kollegin Ujjala aus dem SOS-Kindedorf Sanothimi sagte zu mir: „Wir haben zurzeit kein normales Leben – wenn ich Freunde treffe, dreht sich das Gespräch nur um das Beben… es prägt unser Leben so sehr, obwohl wir und unsere Familien verschont geblieben sind. Andere Menschen leiden jetzt unter den neuen Folgen der vielen Nachbeben. In den letzten Wochen kam es zu mehreren Erdrutschen in den bergigen Regionen, was viele Dorfbewohner dazu gezwungen hat, in die Hauptstadt zu ziehen. Sie verlassen die wunderschöne Gegend, wo sie ihr ganzes Leben verbracht haben, um in einem Zeltlager in der dreckigen Stadt Kathmandu eine Zuflucht zu finden. Sonst würden sie vor Hunger sterben.“

Idyllische Bergdörfer in den Himalaya

Viele idyllische Dörfer sind zerstört…die tiefe Verbundenheit der Menschen mit der Natur ist nicht mehr da. Viele müssen in die Städte ziehen um zu überleben.

Ich denke jetzt an all die idyllischen Dörfer, die ich während meiner Trekkingtour durch den Himalaya besucht habe. Dort habe ich Menschen getroffen, die nicht viel brauchen, um glücklich zu sein – sie lebten in einfachsten Verhältnissen, hatten aber ihre wunderbare Natur, die für sie ein wichtiger Halt war. Diese Nepalesen waren durchdrungen von Freiheit…ich konnte es in ihrem stolzen Blick erkennen… deshalb hoffe ich von ganzem Herzen, dass sie diese schwere Zeit durchstehen und sie eines Tages ihr Zuhause dort, wo es immer war, wiederaufbauen können.

Schon absurd daran zu denken, dass die Freiheit einen Preis hat. Aber für die Bergbewohner, die gerade nach Kathmandu flüchten, hat sie einen, den sie nicht bezahlen können. Jetzt können sie sich nur auf das Gute in den Menschen verlassen. Die in ihrem eigenen Land und diejenigen auf der ganzen Welt, die Nepal in dieser Krisensituation die Hand reichen.

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