Schwesterliebe

 

Die beiden Mädchen haben ihre Familien nach dem Erdbeben verloren.

Laxmi und Sneha sind unzertrennlich – nach der Tragödie, die sie durchleben mussten finden sie ein liebevolles Zuhause im SOS-Kinderdorf Sanothimi

Das Leben ist voller Überraschungen. Manche sind so grausam, dass da das Gefühl entsteht, man wird innerlich komplett ausgeraubt. Gestern war alles in Ordnung, heute bebt die Erde. Eine winzige Minute. Es reicht jedoch, um so viel Zerstörung zu säen.
Es gibt jedoch auch jene Überraschungen, die sich in den dunkelsten Zeiten ereignen und von heute auf morgen die seelische Wüste in einen blühenden Garten umwandeln. Vielleicht werde ich an dieser Stelle zu poetisch, aber im gestrigen Telefonat mit Josna, meiner SOS-Kollegin aus Nepal,  habe ich eine sehr rührende Geschichte erfahren, die meine emotionale Seite so sehr angesprochen hat.

Während ich noch im SOS-Kinderdorf Sanothimi war, habe ich Laxmi kennengelernt – das erste Mädchen, das nach dem Erdbeben dort aufgenommen wurde. Ihre tragische Geschichte habe ich hier im Blog erzählt. Kurz vor meiner Abreise konnte ich ein kleines erstes Lächeln von Laxmi sehen und bin mit dem guten Gefühlt gegangen, dass sie eines Tages im SOS-Kinderdorf wieder  ein glückliches Kind sein wird. Umso rührender fand ich die Entwicklung ihrer Geschichte. Ich habe gestern erfahren, dass Laxmi inzwischen eine kleine SOS-Schwester hat und sie überglücklich im SOS-Kinderdorf präsentiert.

Die kleine Sneha kann wieder lachen und alle zum Lachen bringen.

Sneha ist nur 20 Monate alt. Sie hat ihre Mutter nach dem Erdbeben verloren, kann aber inzwischen wieder lachen.

Die kleine Sneha ist nur 20 Monate alt. In dieser kurzen Zeit musste sie allerdings schon zwei  schwere Schicksalsschläge erfahren. Am 25.April – der schwarze Tag in ganz Nepal – wurde ihre Mutter unter den Trümmern ihres Hauses begraben. Das war übrigens dasselbe Haus, das das Leben von Laxmis Eltern genommen hatte. Nun hatten sich die beiden Mädchen nach der Katastrophe nicht mehr gesehen. Die kleine Sneha hat mit ihrem Vater Zuflucht in einem der Camps in Bhaktapur gefunden, wo sie mehrere Wochen in einem Zelt verbrachten. Der junge Mann wurde mit der Zeit depressiv und war extrem damit überfordert,  sich um seine 20-Monate alte Tochter zu kümmern. Er hat seine Frau – die Liebe seines Lebens –gerade  verloren, konnte seinen Job nicht mehr ausführen und hatte kein Zuhause mehr….was konnte er nun Sneha bieten? In der größten Verzweiflung hat er jedoch von Freunden erfahren, dass das Nachbarskind Laxmi in dem SOS-Kinderdorf Sanothimi aufgenommen wurde und dass sie sich sehr wohl dort fühlt.

Die kleine Sneha lernt Fahrradfahren. Die Kinder in Sanothimi freuen sich über ihre neue Schwester.

Sneha wird von allen Kindern im SOS-Kinderdorf sehr herzlich aufgenommen.

 

Als Laxmi die kleine Sneha im Kinderdorf sah, war sie komplett aus dem Häuschen… Sie hat sich wahnsinnig gefreut ihre kleine „Schwester“ wieder zu treffen und zu erfahren, dass sie überhaupt noch am Leben ist. Laxmi hat sich schon vor dem Erdbeben sehr liebevoll um sie gekümmert, aber jetzt lässt sie sie fast nicht aus den Augen und aus den Händen.  Es war auch sofort klar, dass Sneha in der SOS-Familie von Laxmi aufgenommen wird.

Mit der Kleinen ist ein Stückchen von Laxmis früherem Leben zu ihr zurückgekommen – ein unglaublicher Zufall, der dazu führte, dass die beiden Mädchen noch enger zusammenschweißt wurden. Sie sind sich gegenseitig Stütze nach der Tragödie, die jede von beiden durchleben musste.
Nun sind Laxmi und Sneha unzertrennlich, sie schmusen und knuddeln ohne Ende, sie lachen und strahlen Glück aus. Jeder im SOS-Kinderdorf Sanothimi  – egal ob Kind oder Erwachsener lächelt wenn er sie sieht – „sie bringen das Dorf zum Leuchten“, sagte Josna zu mir. Manchmal kommt das Licht auch in den dunkelsten Zeiten durch. Manchmal braucht die Seele nur einen kleinen Funken, um ein breites Leuchten zu entfachen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.