Drei Monate nach dem Beben

Bishesh mit Ball

Der dreijähriger Bishesh hat das Erdbeben nur kanpp überlebt. Nach dem Tod seiner Mutter hat er nun ein neues Zuhause gefunden.

Ich kann es kaum fassen – es sind ganze drei Monate nach dem Erdbeben vergangen. Für mich ist die Routine wieder eingekehrt, aber für viele Nepalis ist jeder Tag immer noch ein neuer Kampf. Nun, was ist passiert in dieser Zeit? Gibt es was Positives zu berichten oder kommt tatsächlich kaum etwas voran? Ich verfolge die Nachrichten und jedes Mal spüre ich Enttäuschung. Es heißt, dass die Regierung viele Prozesse verlangsamt, dass z.B. bürokratische Hürden den Wiederaufbau aufhalten; dass kriminelle Banden die Situation ausnutzen und noch intensiveren Frauenhandel betreiben. Ist denn alles wirklich so hoffnungslos?

Diese Frage kann ich mit NEIN beantworten. Trotz all der negativen Schlagzeilen entsteht auch Hoffnung, Geschichten nehmen positive Wendungen, Menschen finden wieder Mut. Sie brauchen nur jemanden, der sie in dieser Situation unter die Arme greift.

Bishesh im Camp von Kavre

So habe ich Bishesh im Camp vor Kavre vor drei Monaten gefunden.

Eine solch positive Wendung hat auch die Geschichte des kleinen Bishesh genommen. Über den dreijährigen Jungen habe ich Anfang Mai berichtet – die Begegnung mit ihm im Camp von Kavre hat mich zu Tränen gerührt. Sein Bein war in Gips, seine Mutter war unter den Ruinen verschüttet und der Kleine fragte immer wieder voller Angst in den Augen „wo ist meine Mama“. Bei meiner Abreise aus Nepal wusste ich, dass sich meine SOS-Kollegen vor Ort dem Fall von Bishesh angenommen hatten, aber vor einigen Tagen konnte ich zum ersten Mal konkret erfahren was mit ihm passiert ist.

Bishesh mit seiner Tante

Die Tante von Bishesh schaut nach seinen Kopfverletzungen – er wurde für 36 Stunden unter den Ruinen begraben bevor man ihn rettete.

Nachdem Tod seiner Frau war Bisheshs Vater tief verzweifelt. Er musste in fünf Wochen zurück zu seiner Arbeit nach Saudi Arabien und wusste nicht wohin mit seinen drei Söhnen. Seine Verwandten mochten die Kinder sehr, sie waren aber überfordert mit seiner Bitte alle drei Jungen aufzunehmen. Nach mehreren Gesprächen konnten die SOS-Sozialarbeiter eine Lösung finden – Bishesh wurde bei seiner Tante Nanimaiya mit ihren zwei Kindern untergebracht, die nun finanzielle und pädagogische Unterstützung von SOS-Kinderdorf Nepal erhalten hat. Dadurch ermöglicht SOS dem Kleinen, bei einer vertrauten Person aufzuwachsen. Gleichzeitig stehen der jungen Frau erfahrene Sozialarbeiter zur Seite, die sie in ihrer mutigen Entscheidung bestärken und Unterstützung in jeder Situation bieten.

Bishesh hat einen hervorragenden Appetit.

Bishesh hat einen hervorragenden Appetit.

Nanimaiya wurde hier in das Familienstärkungsprogramm der SOS-Kinderdörfer aufgenommen, das inzwischen 1000 betroffenen Familien unter die Arme greift. SOS hat auch dafür gesorgt, dass die zwei älteren Brüder von Bishesh in eine neue Schule gehen, da ihre alte Schule durch das Erdbeben komplett zerstört wurde. Unter der Woche leben sie dort auf dem Campus und am Wochenende sind sie bei einer weiteren Tante. Die zwei Familien treffen sich regelmäßig, damit die drei Brüder Zeit miteinander verbringen können.

Bishesh am Fenster

Bishesh hat einen starken Willen – ihm verdankt er auch sein Leben.

Nach drei Monaten ist der Gips von Bisheshs rechtem Bein ab. Er beginnt wieder zu laufen und erkundet gerne seine neue Umgebung. „Bishesh spielt gerne mit dem Ball, am liebsten mag er aber essen“, schmunzelt seine Tante. „Er wacht morgens auf und sagt – ich habe Hunger – da muss ich schnell reagieren wenn ich nicht will, dass er zu laut wird. Denn obwohl er nur drei Jahre alt ist, hat er einen enorm starken Willen – den gleichen, der auch sein Leben nach dem Erdbeben gerettet hat.“

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