Guten Tag, Europa…

Ich habe viele Tage – oder um ehrlich zu sein: einige Wochen darüber nachgedacht, was ich schreiben könnte, um den europäischen und vor allem den deutschen Lesern einen Einblick in die Situation in Griechenland zu geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viel bessere Journalisten, Ökonomen und Sozialwissenschaftler die Krise Griechenlands genau analysiert und eine Menge kluger Dinge darüber gedacht, gesagt und geschrieben haben – objektiv und fundiert.
Außerdem kam mir der Gedanke, dass meine eigene Objektivität schon allein deshalb nicht gegeben ist, weil ich mitten drin bin in diesem Wirbel dramatischer Ereignisse, die sich täglich ändern. Die Realität überholt sich selbst.

Also habe ich mir gesagt, dass ich schließlich Wissenschaftler bin und dass mir meine Ausbildung hier wirklich einmal nutzen kann. Der Gedanke beruhigte mich zumindest für einen Moment –  bis ich schon wieder über mich lachen musste: Es ist einfach unmöglich, selbst eine Rolle in einer dramatischen Szene zu spielen und diese gleichzeitig zu beobachten. Du beeinflusst die Fakten in jedem Moment, selbst, wenn du nichts anderes tust als genau hinzuschauen!

Also schloss ich (zumindest für eine Weile) Frieden mit mir selbst und gestand mir ein, dass ich gar nicht objektiv sein kann! Ich weiß also, dass mich meine Gefühle, mein Wissen und meine Erfahrung wahrscheinlich hin und wieder zu subjektiven Statements verleiten werden – manchmal zugunsten meines Landes, manchmal zu seinem Nachteil. Womit ich dann auch bei den beiden Pole meines Landes wäre: Manche Griechen verfluchen sich selbst und ihre Wahl, die sie in den letzten 35 Jahre getroffen haben, andere versuchen, die Verantwortung auf das politische System abzuwälzen, als sei dies ein völlig anderes Wesen, mit dem sie nichts zu tun haben.

Wo liegt die Wahrheit? Irgendjemand hat gesagt: irgendwo in der Mitte. Aber ich bin mir nicht sicher, wo diese Mitte liegt und vor allem, welche Bedeutung sie für uns heute hat.
Mit Sicherheit weiß ich, dass sich die Jungen und Mädchen in den griechischen SOS-Kinderdörfern in der Mitte befinden – als Mitglieder der griechischen Gesellschaft stehen sie im Zentrum der Krise, die für jeden von uns persönliche, soziale, wirtschaftliche und natürlich politische Auswirkungen hat. Aber welche der Auswirkungen bekommen diese Kinder zu spüren? Vermutlich alle! Ich habe mich gefragt, mit welcher der Veränderungen sie am besten klarkommen. Sie alle leben ja ohne ihre leiblichen Eltern, und die meisten von ihnen haben mit einer traumatischen Vergangenheit zu leben und zu kämpfen! Uns Erwachsene beobachten sie derzeit sehr genau; sie versuchen unsere Reaktionen zu deuten, wollen herausfinden, wie wir mit der Krise klarkommen, was wir darüber sagen und wie wir es sagen. Zur gleichen Zeit arbeiten sie ihre eigene Geschichte auf. Es sind zwei traumatische Situationen, die gleichzeitig in diesen Kindern existieren: die Vergangenheit und die Gegenwart.

Lasst uns versuchen, gemeinsam den Kurs zu betrachten, den die SOS-Kinderdörfer auf ihrem Weg durch die Gesellschaft und durch die Krise einschlagen. Eure Meinungen, eure Gedanken, eure Sicht auf alles, was ich in diesem blog ansprechen werde, sind ausdrücklich erwünscht!

Guten Tag, Europa…

5 Antworten auf Guten Tag, Europa…

  1. Sebastian sagt:

    Σας αγαπώ όλους!

  2. Luise sagt:

    Μεγάλη blog, σας ευχαριστώ, Νίκο! Ανυπομονώ για το επόμενο άρθρο!

    • sos-kinderdoerfer sagt:

      Übersetzt heißt das: „Toller Blog – danke Nikos! Ich freue mich schon auf den nächsten Artikel!“

  3. Kehrer sagt:

    Sehr emotional geschrieben – toller Blog

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