„Bitte nehmt meine Kinder auf!“

Letzte Woche kam eine alleinerziehende Mutter zum SOS-Kinderdorf Vari bei Athen und  bat uns um Hilfe.  Sie und ihre beiden Jungen Nicolas, 5, und Peter, 3, hatten in den letzten acht Monaten in einer Baracke hinter dem „Frieden und Freundschafts“-Stadion in Athens Vorstadt Faliro gelebt.  Ich bezweifle, dass das Leben dort sehr „friedlich“ oder „freundschaftlich“ war; ganz sicher waren die Kinder dort einigen ernsthaften Gefahren ausgesetzt.

Zoe, die Mutter, bat uns, ihre Kinder für sechs Monate im SOS-Kinderdorf aufzunehmen. Sie würde inzwischen versuchen, einen Weg zu finden, die Familie zu ernähren. Die Frau hatte niemanden mehr, der sie unterstützen konnte, keine Familie, die wenigstens für den Grundbedarf aufkam, und auch der Vater war nicht mehr da. Er hatte die Familie verlassen, direkt nachdem Peter geboren war.
Die beiden Kinder, zwei hübsche und freundliche Jungen, standen etwas abseits, während die Mutter dies erzählte. Obwohl sie gesundheitlich in keinem guten Zustand waren, lachten sie miteinander, hänselten sich freundschaftlich. Deutlich sichtbar war, dass Nikolas, der Ältere, nicht nur Bruder für Peter war, sondern offensichtlich auch die Rolle des Vaters einnahm. Sie hingen beide sehr an der Mutter.
In der Baracke hinter dem Stadion war die kleine Familie mehr schlecht als recht von Leuten der Nachbarschaft und der Kirchengemeinde unterstützt worden, aber ganz offensichtlich reichte die Unterstützung nicht, um den Hunger der Kinder zu stillen.

Das SOS-Kinderdorf beschloss, die Jungen aufzunehmen. Gleich nach der Ankunft betrachtete Nikolas mit großen Augen seine neue Umgebung. Obwohl seine Mutter nicht mehr bei ihm war, wirkte er erleichtert. Peter ging es nicht so gut. Noch am selben Tag bekam er Fieber, in den nächsten Tagen stieg seine Temperatur auf 40 Grad und wir brachten ihn ins Krankenhaus.  Der Arzt diagnostizierte eine Lungenentzündung, außerdem war der Junge unterernährt.  Kurz darauf wurde auch Nikolas krank mit einer schweren Atemwegsinfektion.

Der Arzt vermutete, dass die Kinder in den letzten Jahren wenig Kontakt zu anderen Kindern gehabt hatten und entsprechend auch nicht die üblichen Kinderkrankheiten durchgemacht hatten. Nun, im Kinderdorf, kamen sie plötzlich mit vielen Jungen und Mädchen zusammen und entsprechend mit verschiedenen Erregern. In ihrem geschwächten Zustand waren sie deutlich anfälliger und auch der Krankheitsverlauf war deutlich dramatischer als üblich.

Es wird also noch eine Weile dauern, bis sich ihr Gesundheitszustand einigermaßen stabilisiert hat. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich euch weiter von Nikolas und Peter erzählen.

Passt auf euch auf…

2 Antworten auf „Bitte nehmt meine Kinder auf!“

  1. Kehrer Christine sagt:

    Super Blog… berührende Nachrichten – und spannende Einblicke

  2. Fabian sagt:

    Gut gefuehrter Blog, gefaellt mir sehr. Auch tolle Themen.

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