Die verborgene Botschaft der Wahlen

Mädchen in einem griechischen SOS-Kinderdorf

Mädchen in einem griechischen SOS-Kinderdorf

Wie es aussieht, werden wir wohl einen zweiten Versuch unternehmen müssen, um eine neue griechische Regierung zu wählen. Unterdessen diskutieren die meisten Griechen, welche tiefere Bedeutung die Prozente haben, die die verschiedenen Parteien jeweils bekommen haben. Diese Debatten zum Wahlergebnis erinnern mich an die Traumdeutung der Psychoanalyse.

Wir versuchen im “manifesten” Inhalt – so nennt man in der psychoanalytischen Traumdeutung das, was nach dem Erwachen in Erinnerung bleibt – die “latente”, verborgene Botschaft zu erkennen. Abhängig vom Standpunkt kann man das Ergebnis entweder als Strafe für das gesamte politische System betrachten oder als klaren Auftrag des Wählers an alle politischen Kräfte, rechts wie links: Arbeitet zusammen, damit unsere Nation überlebt!

Wie man sehen kann, sind die griechischen Politiker äußerst gut geschulte Analytiker, wenn es darum geht, ihre Träume und deren tiefere Bedeutung zu erklären. Probleme haben sie aber, wenn sie mit der Wirklichkeit konfrontiert werden und sofortiges Handeln erforderlich ist. Der griechische Staatspräsident versucht, die Chefs der großen Parteien zur Einigung zu bewegen. Doch eine neue Regierung ist nach der Parlamentswahl nicht in Sicht. Warum? Ist die Politik nicht in der Lage, sich auf eine gemeinsame Basis zu einigen, was gerade unter so schwierigen Umständen so wichtig wäre? Ich habe keine Antwort auf diese Frage – wenn jemand eine hat, dann würde ich mich sehr freuen, sie zu hören.

Ich weiß, dass überall in Europa politische Parteien seit Jahrzehnten zum Wohl ihres Landes zusammenarbeiten und dabei sogar ideologische Gräben überwinden. Die Krise wäre die beste Gelegenheit, um unser politisches System und unseren Staat zu reformieren und auch unsere eigenen Standpunkte zu überdenken. Wenn wir die Krise und ihre Folgen nicht ertragen können, wird es schließlich zum Kollaps kommen: politisch, sozial, persönlich, wissenschaftlich.

Ihr seht, ich mache mir große Sorgen…

In meinem nächsten Eintrag, soll es wieder mehr um die SOS-Kinderdörfer in Griechenland gehen.

2 Antworten auf Die verborgene Botschaft der Wahlen

  1. Carmen Bauer sagt:

    Ich habe verschiedene Texte hier mit grossem Interesse gelesen. Alles, was ich gelesen habe, hat mir sehr gut gefallen. Kurz und pregnant geschrieben, interessant zu lesen und informativ. Hier komme ich gerne einmal wieder vorbei!

  2. Januar 2012: die Berichterstattung in den Medien über die Auseinandersetzungen in Griechenland haben mich als Menschen berührt. Bilder, die sich bei mir eingebrannt haben: Bürger, die sich gegen die Staatsmacht (hier die griechische Polizei) wehren wollen. Die es nicht hinnehmen wollen, dass sie für das bluten sollen, was Politiker angerichtet haben. Sparmaßnahmen, die die Ärmsten des Volkes noch ärmer werden lassen ohne darauf hinzuarbeiten, dass die griechische Wirtschaft wieder in Gang gesetzt wird. In meinen Augen ist das ein Kaputtsparen. Die Politiker hingegen streiten weiter, niemand scheint verantwortlich zu sein für die Krise.
    Als Malerin habe ich diese Eindrücke irgendwie verarbeiten müssen und dabei ist dieses Gemälde entstanden: „Euro 2012“.

    http://www.la-palette.de/modules.php?name=AP-Menschen

    Beängstigt über die damalige Situation verfolgte ich interessiert die weitere Entwicklung. Und nun, wo es an der Zeit ist, dass die Parteien und Politiker in Griechenland sich zusammenfinden sollten, um mit einer neuen fähigen Regierung ihrem Auftrag, den sie durch das Volk bekommen haben, Folge zu leisten, streiten sie weiter. Vielleicht habe ich ja ein falsches Demokratieverständnis. Aber ich meine, dass die Wähler doch ganz klar entschieden haben. Nämlich, dass sich die stärksten Parteien des Landes engagieren sollen, um einen Weg aus der Krise zu finden. Und zwar gemeinsam.

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