Männer psychologisch am schlimmsten betroffen

Keine Arbeit, keine Hoffnung: Männer und junge Erwachsene sind besonders häufig auf psychologische Hilfe angewiesen.

Keine Arbeit, keine Hoffnung: Männer und junge Erwachsene sind besonders häufig auf psychologische Hilfe angewiesen.

Es sind die Männer, die psychologisch am schlimmsten von der Krise betroffen sind! Diese Erkenntnis kristallisiert sich aus unseren ersten Daten heraus, die wir im Rahmen der SOS-Familienhilfe erhoben haben. Demnach sind 65 Prozent der Menschen, die psychologische Hilfe benötigen, Männer zwischen 30 und 45 Jahren, also in einem besonders produktiven Alter, die die größte finanzielle Verantwortung tragen. Es ist allzu offensichtlich, dass der Mangel an Jobs, der Mangel an Perspektiven und die Aussichten auf eine düstere Zukunft für die griechische Gesellschaft großen Stress bedeuten.

Auch die jüngeren Leute (zwischen 18 und 30 Jahren) sind massiv davon beeinflusst. Auffällig viele junge Menschen, mit denen wir sprechen, betonen, dass sie einfach keinen Ausweg aus dem Dilemma finden, egal, wie sehr sie sich bemühen. Tatsächlich denken einige sogar an Selbstmord oder haben bereits Suizidversuche unternommen.  

Erst vor ein paar Minuten rief mich ein Mann an, Nikos, der mich fragte, ob wir spezielle Programme für Menschen mit Behinderung hätten. Nikos hatte vor sieben Jahren einen schweren Unfall gehabt. Trotz zahlreicher Operationen ist seine rechte Hand seitdem nicht mehr richtig funktionstüchtig. Ich fragte Nikos nach seinen Qualifikationen – und war beeindruckt: Er hatte einen Bachelor in Buchhaltung, einen Master of Science in Management und mehr, sowie acht Jahre Berufserfahrung. Nikos sagte, dass er als Buchhalter für die SOS-Kinderdörfer arbeiten könnte. Oder als Sicherheitsmann. Lagerarbeiter. Genau genommen sagte er: „Wenn Sie irgendeinen Job für mich haben, wirklich irgendeinen, und wenn es vier Stunden am Tag sind, würde es mir und meiner Familie helfen!“  

Nikos erzählte, dass er eine dreijährige Tochter hat und auch seine Frau seit zwei Jahren arbeitslos sei. Bisher hatten die Schweigereltern die kleine Familie unterstützt, aber seit deren Rente drastisch gekürzt wurde, ist das nicht mehr möglich.  

Ich fühlte Scham! Scham für einen Mann, der ein Jahr älter war als ich, ausgebremst in seinen besten Jahren, so dass er fast schon bettelte, um ein paar Euro zu verdienen. Ich schämte mich, war frustriert, ärgerte mich über mein Land, das solche qualifizierten und fähigen Menschen in die Immigration trieb. Denn genau das hat Nikos jetzt vor: Um zu überleben, möchte er ins Ausland gehen, wahrscheinlich nach Deutschland.  

Überlegt euch also genau, wie es in Griechenland weitergehen soll, ihr Lieben. Die Krise bringt in erster Linie unser soziales Netzwerk ins Wanken.  

Macht es gut…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.