Politisches Gespür für Kinder

Das griechische Parlament am Syntagma-Platz in Athen.

Die Griechen haben gewählt. Nun müssen die großen Parteien eine Regierung bilden.

Liebe Freunde,

welchen Einfluss haben die Wahlen auf unser Land und auf die Arbeit der SOS-Kinderdörfer? Lasst mich etwas ausholen.

Nachdem Griechenland gewählt hat, sitzen nun die Vertreter der drei großen Parteien PASOK, DIMAR und New Democracy zusammen und suchen nach einer Basis, um gemeinsam eine Regierung bilden zu können. (Nur die größte Oppositionspartei SYRIZA ist nicht dabei.)

Die Griechischen Bürger haben den Politikern einen klaren Auftrag erteilt: Sie wünschen sich Kooperation zwischen den Parteien. Überraschenderweise entwickeln die Politiker aktuell tatsächlich neue Fähigkeiten und üben sich im Schulterschluss. Noch vor kurzem hätte ich so eine Aussage für einen Witz gehalten! (Sozialdarwinisten müssen sich bestätigt fühlen: Es ist erstaunlich, zu was die Politiker plötzlich fähig sind, wenn der Druck groß genug ist.).

Die Fähigkeit zu kooperieren und die unterschiedlichen Meinungen, Theorien und Praktiken zusammenzuführen, ist in jeder Hinsicht wichtig, wenn es um die Regierungsführung geht, aber bisher war dies geradezu ein Tabu – das gilt auch für unsere letzte Regierung unter Loucas Papadimos, der mehr mit Bankgeschäften zu tun hatte als mit Politik.

Die Politiker haben in der Vergangenheit beständig auf das geschaut, was sie trennt, und jede Idee, die von einer anderen Partei ins Spiel gebracht wurde, rigoros abgelehnt – ganz egal, ob sie vielleicht klug und sinnvoll war. Dieses prinzipielle Gegeneinander funktionierte eigentlich nie – jetzt ist definitiv kein Platz mehr dafür. Es gilt jetzt, sehr schnell einen Konsens zu finden, der auf dem basiert, was man gemeinhin den gesunden Menschenverstand nennt. Wichtig ist es jetzt, zusätzliche Maßnahmen zu entwickeln, die das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung des Landes vorantreiben. Außerdem müssen diejenigen entlastet werden, die von den erschöpfenden und nach wie vor unproduktiven Maßnahmen des Memorandums betroffen sind.

Die erste wichtige Gemeinsamkeit, auf die sich die drei Regierungsparteien verlassen können, ist die Überzeugung, dass Griechenland zu Europa gehört, zur Eurozone, zur großen europäischen Familie.

Wie sich die neuen politischen Veränderungen auf die SOS-Kinderdörfer auswirken? Nun, man muss nur daran denken, dass nach dem aktuellen Gesetz SOS, ebenso wie alle anderen privaten Kinderhilfswerke, beachtliche Steuern zahlen müssen. Das gibt es in keinem anderen Land der Welt. Diese Abgaben schmälern unser Budget – und damit unser Potential, helfen zu können – mehr, als ihr euch vorstellen könnt.

Die Frage, ob die neue Regierung den nötigen politischen Willen und das Gespür aufbringt, die Absurdität dieser Maßnahme zu erkennen, wird die Zukunft der SOS-Kinderdörfer in Griechenland enorm beeinflussen. 

Warten wir es ab…

P.S. Ich hoffe auf ein gutes und spannendes Fußballspiel zwischen unseren beiden Mannschaften!

Bis bald!

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