Gesellschaft mit Suizidgedanken

Ein Mann steht vor einem geschlossenen Geschäft.

Geschäfte werden geschlossen, die Menschen verlieren ihre Arbeit: Der seelische Druck steigt.

Wer in diesen Tagen in Griechenland die Zeitung aufschlägt, findet Nachrichten wie diese: „Ein 38-jähriger Geologie-Dozent hat sich erhängt. Am gleichen Tag ist ein 35-jähriger Priester von seinem Balkon gesprungen. …Ein 77-jähriger ehemaliger Apotheker erschoss sich mitten in Athen…

Griechenland hatte bislang eine der niedrigsten Selbstmordraten weltweit. Noch im Jahr 2009 kamen 2,8 Suizide auf 100.000 Menschen. Jetzt scheint sich das dramatisch zu ändern.Laut  Aussagen des Gesundheitsministeriums ist die Anzahl der Selbstmorde im ersten Halbjahr 2010 um 40 Prozent gestiegen, und auch, wenn es für 2011 noch keine endgültigen statistischen Daten gibt, schätzen die Experten, dass sich die Zahlen weiter erhöht haben und wir inzwischen auf fünf Suizide pro 100.000 Einwohner kommen.

Gestern habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der als Psychiater eine private Praxis betreibt. Er erzählte mir (natürlich anonym) von einem Klienten, der als Unternehmensleiter gezwungen war, einen Großteil seiner Angestellten zu entlassen. Seitdem hat er Schlaf- und Essstörungen, das Gefühl völliger Hilflosigkeit und der Unfähigkeit, sein Leben und seine Arbeit kontrollieren zu können. Mein Kollege erzählte außerdem, dass er von immer mehr Klienten gefragt werde, ob er nicht mit den Kosten runtergehen könne, weil sie sich die Behandlung sonst einfach nicht mehr leisten können.

Es ist ziemlich deutlich zu beobachten, dass die (Ex-) Mittelschicht Griechenlands kollabiert! Menschen, die sich bisher den Luxus leisten konnten, ihren persönlichen Facharzt zu konsultieren, können kaum noch die lebensnotwendigen Dinge bezahlen. Viele dieser Menschen kommen zu den SOS-Kinderdörfern und bitten um Unterstützung durch die SOS-Familienhilfe. Wie wir ihnen helfen? Es gibt verschiedene Angebote, alle kostenlos, die es sich lohnt, näher anzuschauen:

Unser psychosozialer Service erstellt bei Problemen Diagnosen für Kinder und ihre Eltern und berät die Eltern, um Krisen zu überwinden.  Wir bieten psychologische Behandlung sowie Psychotherapie an und unterstützen Kinder bei Lernschwierigkeiten. Wir unterstützen bedürftige Familien mit Nahrungsmitteln, Schuhen, Kleidung, Schulutensilien und was sonst noch benötigt wird. In unseren Sozialzentren und den Gemeinden organisieren wir, um die Eltern zu entlasten, regelmäßige Kurse für Kinder, die von Kindergärtnern und Lehrern geleitet werden.  Wir unterstützen die staatlichen Stellen wie Sozialamt oder Gesundheitsamt, indem wir unser Knowhow einbringen und unser Netzwerk zur Verfügung stellen. Wir initiieren Veranstaltungen in den Kommunen, in denen es um die Rechte der Kinder geht.

Glaubt irgendjemand, dass dies zu viel wäre? Ganz ehrlich: Das ist das mindeste, was wir tun können, das Allernotwendigste. Ich bin froh, dass wir über das nötige Wissen und die Infrastruktur verfügen – und über den absoluten Willen, die Dinge in die Tat umzusetzen.

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