600 Euro zum Leben

600 Euro im Monat für eine vierköpfige Famile: Wie soll man damit nur über die Runden kommen?

600 Euro im Monat für eine vierköpfige Famile: Wie soll man damit nur über die Runden kommen?

Liebe Freunde,

Auch wenn mit dem September die Temperaturen zu sinken beginnen, ist deutlich spürbar, dass die Atmosphäre generell – aufgrund der Forderungen des Internationalen Währungsfonds und der Troika – weiter aufgeladen ist. Die Einschnitte, die die griechische Regierung derzeit vornimmt, betreffen sämtliche Leistungen im sozialen und gesundheitlichen Bereich, von denen die Gesellschaft bisher profitiert hat. Das führt dazu, dass soziale Belange immer mehr vom Staat abgespalten werden und sich allerorts private Initiativen bilden, die hier einspringen.

In Griechenland verkörpern die SOS-Kinderdörfer für viele Menschen die Philosophie der Kinder- und Familienfürsorge schlechthin. Die SOS-Familienhilfe ist für andere ein Vorbild und wir freuen uns über jeden Nachahmer. Unterdessen weitet sich unsere eigene Arbeit immer mehr aus. Während wir in den letzten Monaten hauptsächlich Familien unterstützt haben, in denen die Eltern ihre Arbeit verloren hatten, gibt es inzwischen eine neue Kategorie von Hilfesuchenden: Familien mit einem oder zwei arbeitenden Elternteilen, die ihr Leben trotzdem nicht mehr finanzieren können.

Wie George und Maria.

Wenn George und Maria morgens aufwachen, ist immer gleich die Frage da, wie sie bloß über die Runden kommen sollen. Eigentlich dreht sich ihr Leben nur noch darum. Zwar arbeitet George im öffentlichen Sektor und sein Arbeitsplatz ist einigermaßen sicher, aber sein Gehalt wurde im letzten halben Jahr dramatisch gekürzt – auf 600 Euro. Allein die Miete für ihr Apartment kostet die Familie die Hälfte davon. Bleiben 300 Euro für alles andere. George und Maria haben zwei Kinder, Antonis und Annie. Die Zwillinge sind sechs Jahre alt und vor allem Annie ist ein Kind, das besondere Aufmerksamkeit braucht, sie leidet unter Konzentrationsstörungen, ist häufig nervös und insgesamt psychisch und physisch instabil. Als Psychologe sehe ich, dass eine Behandlung, in die die ganze Familie mit einbezogen wird, wichtig ist.

Im öffentlichen Krankenhaus bat man der Familie allerdings erst in sechs Monaten einen Termin an und eine private Klinik können George und Maria bei aller Fantasie nicht bezahlen. Nun erhalten sie Unterstützung durch die SOS-Familienhilfe. In wöchentlichen Sitzungen bekommen die Eltern Hilfe, um ihre Situation und ihre eigenen Verhaltensmuster einzuschätzen und einen besseren Umgang miteinander zu finden. Gemeinsam mit Fachleuten entwickeln sie Strategien, um mit Annis Besonderheiten klar zu kommen. Auch Anni wird dabei unterstützt, ihren Alltag zu meistern und Antonis nimmt an Nachmittagsangeboten für Schulkinder teil.

Wir sind froh, ihnen helfen zu können, aber wir sehen auch, dass der Umfang unserer Arbeit kontinuierlich wächst. Prognosen sagen, dass die Belastungen 2013 noch steigen werden.

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