„Mama, antworte mir…“

Vor wenigen Wochen bin ich von Damaskus, Syrien, nach Casablanca, Marokko, gezogen, um dort weiter für die SOS-Kinderdörfer zu arbeiten – Frieden statt Krieg, ausatmen nach fünf Jahren Anspannung.  Aber natürlich sorge ich mich um meine Freunde und Verwandten in Syrien. Meine Mutter arbeitet als Ärztin im Universitätskrankenhaus in Aleppo. Kürzlich wollte ich sie über „Messenger“ erreichen. Weiterlesen

Der Junge und der Straßenverkäufer

Sahlab

Ayman zieht mit seinem Karren durch die Straßen und verkauft Sahlab. Besonders die Kinder lieben das süße Milchgetränk.

Moustafa  ist ein zwölfjähriger Junge und lebt in einer Zeltstadt, Ayman ist ein Straßenverkäufer und fast blind. Seit kurzem sind die beiden Freunde.

Seit er ein junger Mann war, verkauft Ayman „Sahlab“, ein süßes Milchgetränk, das aus unserem Land nicht wegzudenken ist. Mit Sahlab verbindet fast jeder Syrer Erinnerungen wie diese: In der Früh, wenn es draußen noch kalt ist, machst du dich auf den Weg zur Schule, in der Hand schon das nötige Kleingeld. Wenige Straßen weiter kaufst du dir bei einem der fliegenden Händler einen Becher „Sahlab“. Die Hände werden warm und mit jedem Schluck weckt das heiße Milchgetränk wohlige Gefühle. „Sahlab“, das ist Geborgenheit, Trost, heile Welt, heute mehr denn je. Weiterlesen

Kein Soldat mehr, endlich wieder Kind

Mouhammad war 12 Jahre alt, als der Krieg begann.

Mouhammad

Mouhammad galt immer schon als besonders feinfühlig. Trotzdem jubelte seine Familie, als er Soldat werden wollte.

Er war der feinfühligste unter den fünf Geschwistern, eng verbunden mit seiner Mutter. Als sie sich einmal beim Geschirrspülen an einem zerbrochenen Glas schnitt, weinte er, konnte das Blut nicht sehen. So war Mouhammad.

Als er 15 wurde, entschloss er sich, Soldat zu werden. Seine drei ältesten Brüder waren bereits in der Armee, kämpften gegen das Unrecht, würden den Frieden bringen, so Mouhammads Gedanke. Und schließlich durften sie als Soldaten all die Straßen und Plätze Aleppos betreten, die gewöhnlichen Menschen verwehrt blieben, sie durften all die schönen Orte sehen, die er nicht besuchen konnte, da sie jetzt Kriegsgebiet waren. Mouhammad erinnert sich: „Ich stellte  mir vor, das Syrien von früher zurückzubekommen. Meine Familie war begeistert von meinem Entschluss!“ Weiterlesen

Mitten in Aleppo – der gefährlichsten Stadt der Welt

Aleppo 1

Irgendwie schafft es Israa immer noch zu lachen – trotz Kälte, Hunger, Angst.

Seid ihr noch dabei? Oder klickt ihr inzwischen weiter, wenn ihr das Wort „Aleppo“ lest? Ich könnte es euch nicht verdenken – und hoffe trotzdem so sehr, dass die Welt uns nicht abschreibt, nicht vergisst. Dass ihr Kinder wie Israa, junge Mütter wie Aysha, Großmütter wie Mouna nicht vergesst.

In den Nachrichten werden jetzt wieder neue grausame Gefechte gemeldet, wieder mehr Tote, mehr Flüchtlinge.  Mitten drin in dieser „gefährlichsten Stadt der Welt“ lebt Israa, 12, mit ihrer Familie in einem Rohbau im Viertel Al-Hamdania – ohne Wasser, ohne Strom. Wenn sie morgens an diesen eiskalten Wintertagen erwacht, geht sie als erstes zur zehn Minuten entfernten Wasserpumpe, hilft, Trinkwasser zurückzutragen, so, wie 3000 andere Kinder aus Al-Hamdania. Weiterlesen

Bitte nach Madaya schauen!

 

Konvoi

So wie den meisten Hilfskonvois wurde auch uns der Zugang zu der belagerten Stadt Madaya verwehrt.

In Madaya habe ich in das grauenhafte Gesicht des Krieges gesehen. Dort werden 40 000 Menschen ausgehungert, und wir können derzeit nichts dagegen tun! Mich hat das so hilflos gemacht.

Wie viele andere Hilfsorganisationen warten wir vergeblich

Gemeinsam mit drei Kollegen und dem syrischen Roten Halbmond war ich in der Hoffnung nach Madaya gefahren, den Menschen, die nun schon seit Monaten von jeglicher Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten sind, zu helfen. Bislang vergeblich: Beiden Organisationen wurde der direkte Zugang zur Stadt verwehrt. Nur drei von insgesamt 44 Fahrzeugen mit Hilfslieferungen wurden am Montag durchgelassen. Nicht einmal die UN konnte ungehindert helfen. Zu den drei Transporten, die eingelassen wurden, mussten die Hungernden laufen. Menschen, die so schwach waren, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnten, waren gezwungen, die Lebensmittel abzuholen.

„Bringt ihr Lebensmittel?“, fragen die Menschen.

Kinder und Frauen

Kinder und Frauen sorgten sich um ihre eingeschlossenen Verwandten.

Währenddessen stehen die Fahrzeuge mit den Hilfslieferungen in langen Reihen vor der Stadt und warten darauf, entladen zu werden. Frauen und Kinder, die es geschafft haben, trotz der Belagerung aus der Stadt zu fliehen, beobachteten das Geschehen. „Bringt ihr Lebensmittel?“, fragen sie immer wieder. Oder sie bitten uns, sie mit zu ihren Familienmitgliedern in die Stadt zu nehmen. Aber leider kamen wir ja selbst nicht ins Zentrum der Stadt. Für mich ist es keine Frage, dass wir weiter beharrlich bleiben und immer wieder versuchen werden, zu den Menschen vorzudringen und ebenso weiter über die Lage in Madaya zu berichten. Nur so können wir diese Unmenschlichkeit beenden. Wir Hilfsorganisationen, die UN und die Medien sind die letzte Hoffnung für die Menschen hier. Die Welt darf nicht wegschauen!

 

Vom Bettler zum Fußball-Nationalspieler

Ali

Ali  mit einem seiner SOS-Geschwister auf dem Arm.

Die Geschichte von Ali klingt unglaublich. Fast alles ging schief in seinem Leben und dann kam auch noch der Krieg mit seiner gnadenlosen Brutalität. Aber da waren auch Menschen, die an ihn glaubten, und so hat Ali es trotz allem geschafft, seine innere Stärke zu finden. Heute, mit 17 Jahren, steht er vor dem großen Wendepunkt seines Lebens.
Der Reihe nach: Ali Assad kam in Deir Ezzor City im Osten Syriens zur Welt. Seine Eltern lernte er nie kennen, was mit ihnen passierte, weiß Ali bis heute nicht. Der Junge wuchs bei Pflegeeltern auf. Sie waren arm und kaum in der Lage, dem kleinen Jungen Halt zu geben. Der Vater trank, die Mutter war überfordert. Als Ali acht Jahre alt war, kam er mit seiner Mutter von einer Hochzeit nach Hause. Sie fanden den Vater tot auf der Couch. Bald darauf starb auch die Mutter. „Unser Vermieter jagte mich aus dem Haus“, erinnert sich Ali.
So begann sein Leben auf der Straße. Täglich durchstreifte er die Stadt auf der Suche nach etwas Essbaren und einem sicheren Schlafplatz. „Meistens deckte ich mich mit alten Kartons zu!“, sagt er. Umgeben von den Abgasen der Autos wachte Ali morgens hustend auf.

Fußball-Team

Als der Fußball in Alis Leben trat, veränderte sich sein Leben.

Dann, eines Morgens, wurde der Junge unsanft von Polizeibeamten geweckt und mitgenommen. Ali wurde des Bettelns beschuldigt und für zwei Jahre in das Gefängnis Ibn Al-Rushed in Damaskus gesteckt.
Er hatte Angst. Er kam in Berührung mit Zigaretten und Alkohol. „Ich war umgeben von Kriminellen und hatte das Gefühl, selbst zum Monster zu werden“, erinnert sich Ali.
2011 kam die Nachricht vom Ausbruch des Krieges. Ali verstand nicht, konnte es nicht glauben. Als er bald darauf aus dem Gefängnis entlassen wurde, war alles nur noch schlimmer. Wenn er jetzt draußen auf der Straße schlief, hörte er Schüsse und die Geräusche von Raketen. Auch die Stille war jetzt bedrohlich, denn sie war trügerisch. Immer öfter dachte Ali daran, sich umzubringen.

In dieser kritischen Phase wurde er von dem Besitzer eines Barber-Shops angesprochen. Er hatte den Jungen schon öfter beim Betteln beobachtet. Nun nahm er ihn mit zu einem Fußball-Team. Das Fußballspielen war eine der wenigen Beschäftigungen, die Ali während seiner Jahre auf der Straße ablenken konnte, in einem richtigen Team hatte er allerdings noch nie gespielt. As sein erstes Spiel anstand, war Ali aufgeregt. Die Sieger sollten von den Verlierern etwas zu essen und zu trinken bekommen. Ali erzählt: „Tatsächlich gewannen wir, es war unglaublich. Als mir einer der anderen eine Cola in die Hand drückte, fühlte ich mich wirklich wie ein Sieger!“

Lachen

In dem Moment, wo da Menschen waren, die an Ali geglaubt haben, hat er selbst neues Selbstvertrauen entwickeln können.

Ali war 13 Jahre alt, und der Fußball gab ihm Halt. Und er hatte noch ein zweites Mal Glück: Eine Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer wurde auf ihn aufmerksam und fragte ihn, ob er nicht in der SOS-Jugendunterkunft leben wolle. „Ich dachte, ich träume!“, sagt Ali. Kurz darauf zog er tatsächlich ins SOS-Kinderdorf. Er musste nicht mehr betteln, niemand schaute auf ihn herunter, niemand verurteilte ihn für seine Herkunft. Nach und nach hörte Ali auf zu rauchen und zu trinken, er ging wieder in die Schule und natürlich spielte er weiter Fußball, jetzt mit noch mehr Engagement, sein großes Talent wurde offensichtlich. Ali sagt: „Ich habe mich immer danach gesehnt, dass ich geliebt werde! Irgendetwas hat mir immer gesagt, dass ich kein schlechter Mensch bin, nur hat sich bisher niemand für meine guten Seiten interessiert.“

So wie Ali geht es Hunderttausenden von Kindern in Syrien! Keines von ihnen hat sich freiwillig ein Leben auf der Straße ausgesucht. Keines von ihnen ist wütend oder gewalttätig auf die Welt gekommen. Wenn die Welt heute auf Syrien schaut, dann stehen Statistiken und Zahlen im Mittelpunkt. Ich wünschte mir, dass wir alle die Kinder sehen. Wir sollten alles dafür tun, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie zu uns gehören und dass jeder von ihnen ein besonderer Mensch ist.

So wie Ali, der gerade die große Nachricht bekommen hat: Er wird ins Team der syrische Nationalmannschaft aufgenommen!

„Die gleichen Leute, die jetzt in Frankreich getötet haben, haben auch mein Zuhause zerstört!“

Die Stadt Deir Ezzor im Osten Syriens war bekannt für ihre Farmen und ihre freundlichen Menschen. Tayf, ein 13-jähriges Mädchen, war hier zuhause und führte mit ihrer Familie selbst zu Kriegszeiten noch ein halbwegs normales Leben.

Terror 1

Tayf ist mit ihrer Familie vor dem IS geflohen. Nach wie vor morden und zerstören die Terroristen in der früheren Heimat des Mädchens.

Bis zum Jahr 2013, in dem die Terroristen des IS die Kontrolle über die Stadt gewannen und reihenweise Menschen umbrachten. Sie beschuldigten ihre Opfer der Lüge, der Gotteslästerung und vieler anderer Dinge.

Als ich Tayf in Damaskus treffe, spricht sie mich auf die Attentate in Frankreich an. „Ich möchte der Welt sagen, dass dies genau die Leute waren, die auch mein Zuhause und meine Schule zerstört haben!“

Tayfs Familie floh aus Deir Ezzor und kam in Al-Dahadeel, einem Stadtteil von Damaskus, unter. Glücklich war sie damit nicht, sagt Tayfs Vater. „Der Stadtteil gilt nicht gerade als sicher, aber mehr konnten wir uns nicht leisten! Sicherheit kostet dieser Tage Geld in Syrien.“ Weiterlesen

„Und wir sollen dann wohl am Ende das Land wieder aufbauen!“

Schwestern

Sidra (rechts) und ihre Schwestern. Die Mädchen verstehen nicht, warum die Erwachsenen sich lieber gegenseitig töten als miteinander zu reden.

Wann immer sich mir die Gelegenheit bietet, suche ich das Gespräch mit den Kindern. Ich möchte wissen, wie es ihnen geht, was sie denken, möchte ihre Stimme hören. So auch an diesem Tag in Dscharamana, einem Vorort von Damaskus, wo ich auf die 13-jährige Sidra treffe. Zuvor hatte ich mich bereits mit anderen Kindern unterhalten und als Sidra uns sah, blieb sie stehen, hörte eine Weile zu und ergriff dann selbst das Wort: „Ich würde Dir auch gerne sagen, was ich über den Krieg denke!“

Aus ihrem Akzent schloss ich, dass sie nicht aus Damaskus, vermutlich auch nicht aus Syrien stammte. Sidra begann zu erzählen: Als Palästinenserin war sie in Syrien geboren worden, aber nach kurzer Zeit mit ihrer Familie zu den von Israel besetzten Schebaa-Farmen ausgewandert. Ihr Vater begann dort ein Haus zu bauen und träumte von der Vorstellung, dort bleiben und seine drei Töchter großziehen zu können. Sidra erinnert sich: „Es war so schön dort. Alles war grün und blühte. Um unser Haus herum standen Aprikosen- und Olivenbäume, zwischen denen wir Kinder Verstecken spielten.“ Weiterlesen

Wovon syrische Kinder träumen

Ich möchte später Arzt werden!

Ich möchte Taucher, Lehrer, Feuerwehrmann werden…

Die Träume syrischer Kinder waren früher nicht viel anders als die der Kinder in anderen Ländern der Welt. Ihre Augen begannen zu leuchten, wenn sie an der Universität vorbeigingen und sich vorstellten, hier einmal selbst zu studieren. Oder, wenn sie in der Schulbank saßen und davon träumten, später einmal Lehrer in demselben Klassenzimmer zu sein.

Riham

Riham hat ihren Glauben an das Gute wiedergefunden. Sie möchte später Psychologin werden und Kindern dabei helfen, ihre Kriegstraumata zu überwinden.

Aber dann kam der Krieg und die Träume der Kinder verschwanden hinter einer Mauer, die mit jedem Tag dicker wird. Manche Kinder wurden im Krieg getötet und mit ihnen ihre Träume. Andere mussten ihr Zuhause, ihre Schulen, ihre Freunde und ihr Spielzeug verlassen. Auch in ihrem Leben ist kein Platz mehr für rosige Zukunftsaussichten.

Nach fünf Jahren Krieg drehen sich die Gespräche der Kinder hauptsächlich um Raketen, Panzer und Gewalt. Und ihre Träume kreisen darum, einmal Soldat zu werden und sich zu rächen. Wenn man irgendetwas daraus ablesen kann, dann, dass die junge Generation nicht einmal mehr an ein Ende des Kriegs glaubt – bis auf manche… Weiterlesen

Vier Tage lang feiern gegen den Krieg

tuch

Vor allem die Kinder lieben das islamische Opferfest Eid al-Adha. Vier Tage lang wird gefeiert.

Am Rand einer Straße in Aleppo sitzt eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, sie hält ein Baby im Arm. Mutter und Kind sind ärmlich gekleidet und beide völlig aufgelöst. Sie weinen.

Ich frage die junge Frau, ob ich mich zu ihr setzen darf. Verwundert blickt sie auf, dann nickt sie. Da unten auf der Straße sitzend, versuche ich zu fühlen wie sie fühlt. Die Welt mit ihren Augen zu sehen. Wahrzunehmen, wie das ist, wenn die Menschen auf dich herunterschauen.

Es ist die Nacht vor Eid al-Adha. Das islamische Opferfest ist eines unserer wichtigsten Feste. Traditionell wird zu diesem Anlass ein Opfertier geschlachtet und mit den Armen und Bedürftigen geteilt.

Syrien war immer dafür bekannt, dass die Feiern besonders spektakulär ausfielen, mit den erlesensten Speisen, überfüllten Geschäften und ausgelassen feiernden Menschen.

Die Tage und Nächte vor Eid al-Adha galten der aufwendigen Vorbereitung. Die Menschen übertrafen sich darin, sich gut zu kleiden, ihr Haus zu dekorieren und besondere Köstlichkeiten auf den Tisch zu bringen. Oft waren sie beschäftigt, bis die Sonne wieder aufging.

junge frau

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen junge Frauen wie Soad, die im Krieg alles verloren haben. Dass auch ihre Kinder mitfeiern dürfen, bedeutet Soad viel.

Die Läden der Stadt waren an diesen Tagen regelmäßig überfüllt, vor allem die Kindergeschäfte. Viele Kinder wurden neu eingekleidet und zum Friseur geschickt, passend zu einem „Eid“-Lied, in dem es heißt: „Nimm ein langes Bad und rieche wunderbar, wenn sie zu dir kommen und ihre sanften Wangen an deine legen, um dich zu küssen!“

Wenn das Fest endlich begann, rannten die Kinder aufgeregt herum, voller Erwartung auf die Geschenke, die sie an diesem Tag bekommen würden. Eid al-Adha war auch die Gelegenheit, endlich mal wieder mit Verwandten und Freunden zusammen zu kommen, die man lange nicht gesehen hatte.

Heute, im fünften Jahr des Krieges, sind uns unsere Feste und besonders Eid al-Adha wichtiger denn je. Sie lenken uns für kurze Zeit ab und erinnern uns an die Menschen, die wir einmal waren.

zuckerwatte

Eine kurze Pause, eine kleine Ablenkung vom Krieg…

Umso schlimmer, wenn man alles verloren und keine Chance hat mitzufeiern – so, wie die junge Frau am Straßenrand. Sie erzählt mir, dass sie Soad heißt, 17 Jahre alt ist und aus einer streng gläubigen Familie stammt. Sie war zwölf, als ihre Mutter bei einem Autounfall starb. Noch im selben Jahr wurde sie gezwungen zu heiraten. Bald bekam sie ihr erstes, dann ihr zweites Kind. Im letzten Jahr wurde ihr Mann in Aleppo verschleppt und ihr Haus wurde zerstört, da war ihre Tochter 3 Jahre und ihr Sohn acht Monate alt. Soad, die nie die Gelegenheit hatte, zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, landete als Bettlerin auf der Straße.

Kurz bevor ich sie traf, hatte sie in einem Café nach Geld gefragt und wurde brutal rausgeschmissen. Soad sagt: „Als Bettlerin bin ich für die Leute das Letzte. Ich wünschte mir, sie würden sehen, wer ich wirklich bin.“

nachts

Auch heute noch sind die Straßen an den Tagen vor Eid al-Adha voll. Für die Menschen ist es wichtiger denn je, an ihren Traditionen festzuhalten.

Ihre Tränen laufen und laufen, besonders, wenn sie von ihren Kinder spricht. „Ich selbst habe einen Großteil meiner Kindheit versäumt, weil ich so früh heiraten musste. Und nun ist für meine Kinder alles noch schlimmer. Morgen beginnt Eid al-Adha und sie müssen zusehen, wie alle anderen feiern.“

Soad ist fassungslos, als ich sie einlade, an der Feier teilzunehmen, die wir im Rahmen des Familienstärkungsprogramms der SOS-Kinderdörfer organisiert haben. In diesem Moment ist diese kleine Geste wirklich alles, was sie braucht, um glücklich zu sein.

In den kommenden Wochen werden wir Souad in das SOS-Familienstärkungsprogramm aufnehmen. Wir werden sie dabei unterstützen, Handarbeiten herzustellen und so ihre kleine Familie zu ernähren. Wir werden ihr zur Seite sein.