Warum ich bleibe

Nach vier Jahren Krieg pumpt mein Herz beständig Adrenalin durch meinen Körper. Es erinnert mich an einen Freund, ein Familienmitglied oder jemand anderen, den ich einmal gekannt habe – und der heute nicht mehr lebt.

Bäume pflanzen

Wer Bäume pflanzt, glaubt an eine Zukunft. Die Kinder in ihrer Hoffnung zu unterstützen, ist meine Aufgabe.

Andere Freunde, Nachbarn oder Verwandte haben Syrien den Rücken gekehrt und versuchen, in einem neuen Land eine Existenz aufzubauen – ich habe vor kurzem in diesem blog darüber berichtet.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich nicht fliehe, was mich hält…

Nun, wir Jungen haben die Chance, mit all unserer Kraft jenes Land lebendig zu halten, das Syrien vor dem Krieg einmal war. Es ist an uns, an die Traditionen, Lebenskultur und Gastfreundschaft zu erinnern und an unser früheres Selbst.

In Syrien zu bleiben, bedeutet für mich auch, die Position der Kinder zu vertreten und nicht die der einen oder der anderen Partei. Meine Kollegen und ich versuchen, verlassenen Kindern Liebe, Schutz und Hoffnung zu geben und, wenn irgendwie möglich, ihre Familien wiederzufinden. Jedes Stück Normalität, das wir dem Krieg abringen, gibt den Kindern einen Grund, das Leben zu lieben – trotz allem. Wenn der Krieg einmal vorbei sein wird, werden diese Kinder einmal den Wiederaufbau Syriens mitgestalten.

Kind beim Malen

Man kann es sich vielleicht nicht vorstellen, aber auch im Krieg sind Momente der Freude und der Normalität möglich.

In Syrien zu bleiben, bedeutet, an die Menschlichkeit zu glauben. Ich habe im Krieg mit Kindern, Ärzten, Soldaten oder Studenten gesprochen. In jedem einzelnen habe ich den Menschen gesehen. Sie alle sind verletzt worden, trauern, haben Angst, sind manchmal hoffnungslos. Und alle tragen noch die Möglichkeit in sich zu lachen, dankbar und sorglos zu sein. Ich glaube an diese Seite und tue alles dafür, sie lebendig zu halten – auch, wenn mich manche Menschen deshalb naiv nennen.

Die Idee, zu hassen oder für Vergeltung einzutreten habe ich nie verstanden. Meine einzigen Waffen sind Stift und Papier. Mit meinen Texten versuche ich, den Schwächsten, vor allem den Kindern, eine Stimme zu geben und der Welt von dem Unrecht zu erzählen, das hier Tag für Tag passiert.

Darum bleibe ich!

Eine Antwort auf Warum ich bleibe

  1. Ina Backe sagt:

    Liebe Abeer Pamuk!

    Ich bewundere Deine Aufopferungsvolle Arbeit für Kinder und Menschen die Hilfe brauchen. Klasse das Du so bist wie Du bist und mit Deinem Herzen für die Bedürftigen eintrittst.

    Weiterhin viel Mut und Kraft für Deinen Weg und das was Du tust! Gib nicht auf und fühle Dich gestärkt von allen Antworten und Likes die Du bekommst!

    Du bist ein toller Mensch!

    Liebe Grüße und eine Umarmung von

    Ina Backe aus Hamburg in Deutschland!

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