Wovon syrische Kinder träumen

Ich möchte später Arzt werden!

Ich möchte Taucher, Lehrer, Feuerwehrmann werden…

Die Träume syrischer Kinder waren früher nicht viel anders als die der Kinder in anderen Ländern der Welt. Ihre Augen begannen zu leuchten, wenn sie an der Universität vorbeigingen und sich vorstellten, hier einmal selbst zu studieren. Oder, wenn sie in der Schulbank saßen und davon träumten, später einmal Lehrer in demselben Klassenzimmer zu sein.

Riham

Riham hat ihren Glauben an das Gute wiedergefunden. Sie möchte später Psychologin werden und Kindern dabei helfen, ihre Kriegstraumata zu überwinden.

Aber dann kam der Krieg und die Träume der Kinder verschwanden hinter einer Mauer, die mit jedem Tag dicker wird. Manche Kinder wurden im Krieg getötet und mit ihnen ihre Träume. Andere mussten ihr Zuhause, ihre Schulen, ihre Freunde und ihr Spielzeug verlassen. Auch in ihrem Leben ist kein Platz mehr für rosige Zukunftsaussichten.

Nach fünf Jahren Krieg drehen sich die Gespräche der Kinder hauptsächlich um Raketen, Panzer und Gewalt. Und ihre Träume kreisen darum, einmal Soldat zu werden und sich zu rächen. Wenn man irgendetwas daraus ablesen kann, dann, dass die junge Generation nicht einmal mehr an ein Ende des Kriegs glaubt – bis auf manche…

Ich treffe Riham im Haus von Kinderdorf-Mutter Saada in Damaskus. Riham ist 14 Jahre alt, seit sieben Jahren lebt sie bereits hier im SOS-Kinderdorf. Damals hatte Saada sie zufällig in der Anmeldung sitzen sehen und sich gleich mit dem Mädchen verbunden gefühlt. Sie wollte sie unbedingt in ihrer Familie aufnehmen und so kam es schließlich auch.

Als Riham in die zweite Dekade ihres Lebens eintrat, begann der Krieg. Mama Saada erinnert sich: „Riham besuchte wöchentlich ihre Cousins und ihre Freunde, die außerhalb des Kinderdorfs lebten. Sie war immer schon sehr sozial und ihre ruhige, freundliche Art machte sie sehr beliebt. Aber dann verlor sie viele Menschen durch den Krieg und wurde immer depressiver.“

Glücklicherweise fand Riham ihre Kraft zurück. Sie wollte etwas unternehmen und begann schließlich, verschiedene Hilfsorganisationen dabei zu unterstützen, die notleidende Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch Rihams Kinderträume haben sich geändert: Während sie früher Zeichenlehrerin werden wollte, möchte sie heute Psychologin werden. „Ich möchte den Jungen und Mädchen, die ins SOS-Kinderdorf kommen, helfen, ihre Kriegserfahrungen zu verarbeiten und ihre Traumata zu überwinden.“

Riham und Geschwister

Rihams SOS-Bruder Omar möchte Soldat werden, um seinen getöteten Vater zu rächen. Riham möchte seine Träume gerne ändern..

Auch jetzt schon, mit ihren 14 Jahren, versucht sie, zu tun, was sie kann, indem sie ihre Kinderdorf-Geschwister unterstützt. Omar, Doa und Aya lebten zusammen mit ihrem Vater im Flüchtlingslager Al-Yarmouk, bevor sie zu Mutter Saada kamen. Ihr Vater ist vermutlich gestorben. „Als die Drei hier ankamen, waren sie in einer schlimmen Verfassung. Alles bereitete ihnen Probleme, sogar zu essen, zu trinken und zu schlafen“, erinnert sich die Kinderdorf-Mutter. Heute geht es den Dreien deutlich besser, aber gefragt nach ihren Träumen, ist vor allem Omars Antwort eindeutig. Auch er möchte Soldat werden, um seinen Vater zu rächen.

Riham sagt: „Ich habe genug Menschen durch den Krieg verloren, ich möchte nicht auch noch meine SOS-Brüder verlieren.“  Deshalb versucht sie, ihre Brüder davon zu überzeugen, lieber zu helfen, den Krieg zu beenden, als ihn weiterzuführen. Riham betont: „Sie sollen von sich selbst als gute, freundliche Menschen träumen, ganz egal, wieviel Schlechtes um sie herum passiert.“

Wovon träume ich? Es ist diese Entscheidung im Leben vieler Kinder, die für unser Land einmal einen großen Unterschied machen wird.

2 Antworten auf Wovon syrische Kinder träumen

  1. Michael Nießen sagt:

    Hallo und guten Tag,
    das Schicksal dieser Kinder berührt mich sehr. Gerne würden ich helfen. Könnte etwas spenden, oder ein bis zwei Kinder bei mir aufnehmen. Habe ein kleines Haus in Mühlheim.
    Habe selber eine Tochter und drei Enkelkinder und kann den schmerz der Menschen dort nachvollziehen.
    Lg.
    Michael Nießen

  2. Uemit sagt:

    Ich verstehe so gut, wie sich die armen Kinder fühlen müssen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass sich ein besserer Weg für sie alle finden lässt und sie in Europa ein schönes Zuhause finden.

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