Chef im eigenen Leben – die Müllsammler von Kisumu Ndogo

Die vollgepackte Schubkarre muss zur Müllhalde

Die vollgepackte Schubkarre muss zur Müllhalde

Plötzlich war da ein neuer Tag. So oft schon hatte Steve gedacht: „Es muss sich etwas ändern!“ Und dann kam dieser Tag, an dem Steve selbst etwas änderte!

Ich erzähle das mit diesem Pathos, weil mich die Geschichte von Steve und seinen Brüdern selbst so beflügelt! Steve ist eines der vielen Kinder, die bei Großmutter Jane Obilo leben. Jane (über die ich schon berichtet habe) lebt in einem der Slums und zieht alleine ihre Kinder, Enkelkinder und andere verlassene Kinder auf.

Steve und Docta sammeln den Müll aus den Haushalten

Steve und Docta sammeln den Müll aus den Haushalten

Für ihr großes Herz hätte sie alle Ehrungen der Welt verdient! Sie verkauft gekochten Mais, um die große Familie durchzubringen, aber oft reicht es vorne und hinten nicht.

Steve, ihr Enkel, ist 24. Er hat die Schule abgebrochen und hätte den Führerschein machen wollen, um als Fahrer zu arbeiten, musste aber mit der Fahrschule aufhören – auch dafür war zu wenig Geld da. Also machte Steve nichts, es gab ja keine Jobs, und seine Brüder und Stiefbrüder machten auch nichts.

Bis zu dem Tag, als Steve seine Idee hatte: er würde zusammen mit seinen jüngeren Brüdern gegen Geld Müll auf den Grundstücken in der Nachbarschaft sammeln! Seit diesem Tag im Januar machen die sechs Jungen ihre Arbeit: Komme, was da wolle, stehen sie dreimal in der Woche morgens um fünf auf und säubern bis zum Abend Grundstücke. Weiß Gott kein leichtverdientes Geld: Zurzeit arbeiten sie für 15 Familien und bekommen jeweils 10 Kenianische Schilling für jedes gesäuberte Grundstück, das sind ungefähr 8 Cent. Ein bisschen Geld bringen noch die alten Flaschen ein, die sie beim Hersteller abgeben. Aber allein schon für den Handkarren, den sie dringend für ihre Arbeit benötigen, müssen sie täglich 100 Schilling Miete zahlen.

Nur zu viert läßt sich der Karren auf der Müllhalde bewegenSteve und seine Brüder lassen sich davon nicht abschrecken, und es ist unglaublich zu sehen, wie sie sich verändert haben. Seit dem Moment, wo sie sich selbst zu Mitgliedern der arbeitenden Gesellschaft gemacht haben, sind sie selbstbewusster, hat sich ihr ganzes Lebensgefühl verändert. Sie können Großmutter Jane unterstützen – endlich! Sie haben wieder eine Perspektive – nach so langer Zeit! Und sie tun sogar etwas für die Umwelt. Von der Gemeinde werden sie seitdem hoch geachtet und auch die anderen Kinder behandeln sie voller Respekt.

Wir beraten, was zu tun ist, um die Aktion weiter zu verbessern.

Meine Kollegen und ich haben uns jetzt mit den Jungen zusammengesetzt und überlegt, wie sie ihre Sache noch effektiver gestalten könnten. Die Jungen erklärten, dass sie gerne solide Arbeitskleidung wie einen Overall, Handschuhe und Gummistiefel hätten. Natürlich wäre es auch eine Hilfe, wenn sie den Handkarren nicht extra mieten müssten oder der Lohn etwas höher ausfiele.

Wir haben ihnen vorgeschlagen, dass sie sich als Jugendgruppe registrieren lassen sollen, denn als solche bekommen sie, sofern sie sich mit etwas Sinnvollem beschäftigen, Zuschüsse von der kenianischen Regierung. Bei den notwendigen Formalien werden wir sie unterstützen. Außerdem werden wir für sie einen Workshop zum Thema „Abfallwirtschaft“ organisieren, in dem es darum geht, wie man den Müll noch besser – und auch lukrativer – weiterverwerten kann. Wir würden ihnen auch gerne einen Handkarren kaufen und Arbeitskleidung, aber das konnten wir noch nicht versprechen. Da müssen wir erst schauen, was unser Budget hergibt…

Steve glaubt, dass er und seine Brüder einmal eine richtige Firma aufbauen und sich später einen guten Lebensunterhalt damit sichern können. Und wissen Sie was? Ich glaube das auch!

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