Die Kraft der Großmütter


Es ist etwas Wunderbares, wenn Kinder Großeltern haben, mit denen sie Zeit verbringen und bei denen sie sich geborgen fühlen. Es ist wunderbar für alle: Kinder, Eltern, Großeltern. Aber was, wenn die Großeltern plötzlich wieder zum Familienoberhaupt werden? Wenn sie plötzlich wieder kleine Kinder erziehen und die Familie ernähren sollen? In den Slums von Mombasa gibt es viele solcher Haushalte – aus unterschiedlichen Gründen.

Auf Grund von Armut: Junge Mütter bleiben mit ihren Babys bei ihren Eltern wohnen, weil sie keinen eigenen Haushalt finanzieren können, vor allem dann, wenn sie nicht mit dem Vater der Kinder zusammen leben. Aus kulturellen Gründen: Wenn Frauen ein zweites Mal heiraten, ist es in manchen Kulturen undenkbar, dass sie die Kinder des ersten Mannes mit in die Ehe bringen. Unter den sieben von Großeltern geführten Familien, die die SOS-Familienhilfe unterstützt, haben wir einen solchen Fall: Der Ehemann einer jungen Mutter war gestorben, und als sie wieder heiratete, gab sie ihre beiden Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, wie es die Tradition vorsieht, in die Obhut ihrer früheren Schwiegermutter. Ich weiß: Es ist sehr schwer für kleine Kinder ohne ihre Mutter aufzuwachsen, aber ich hoffe, die beiden werden später verstehen, warum ihre Mutter so gehandelt hat. Traditionen spielen in Afrika eine große Rolle. Oft sind sie hilfreich und sinnvoll. Sich gegen sie zu stellen, ist ein unglaublicher Kraftakt!

Am häufigsten werden Kinder aber von ihren Großeltern aufgezogen, weil die mittlere Generation an AIDS gestorben ist. Wir unterstützen drei dieser Familien.

Für die Großeltern, in den meisten Fällen sind es Großmütter, ist es eine enorme Herausforderung, für die Familie zu sorgen, sie leisten Unglaubliches! Viele von ihnen sind schon sehr alt, manche auch krank, so dass es schwierig oder unmöglich für sie ist zu arbeiten. Wir können nicht einfach sagen. „Nimm an unseren Programmen teil!“ oder „Überleg dir, was für ein Geschäft du eröffnen kannst!“. Stattdessen versuchen wir, behutsam vorzugehen.

Ganz wichtig für uns ist bei allem, was wir tun, dass wir den Menschen nicht einfach Geld zum Überleben geben, sondern, dass wir mit ihnen einen Weg beschreiten und sie dabei unterstützen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. In manchen Fällen haben die Großeltern tatsächlich ein kleines Geschäft wie zum Beispiel Jane, von der ich vor einiger Zeit schon mal erzählt habe und die gekochten Mais verkaufte. Mit unserer Hilfe ist es ihr gelungen, ihr Business weiter auszubauen und einen kleinen Laden aufzubauen. In anderen Fällen versuchen wir mit den jugendlichen Enkeln zu arbeiten. Wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, können sie Schritt für Schritt die Rolle des Ernährers übernehmen.

Wie bei allen Familien, die wir unterstützen, halten wir übrigens auch die Großeltern an, ein Erinnerungsbuch zu schreiben. Es ist wichtig für die Kinder, dass sie später wissen, wer ihre Eltern waren, woher sie kommen, wer sie sind. Gerade in Familien, wo die Eltern an AIDS oder anderen Krankheiten gestorben sind, gehen solche Informationen oft für immer verloren, wenn die Großeltern ebenfalls sterben. Das wollen wir verhindern. Ich bin nicht sicher, wie intensiv die Familien tatsächlich an ihren Erinnerungsbüchern schreiben. Für viele ist das eine ungewohnte Sache. Ich denke, wir sollten da mal wieder nachhaken….

Bemerkenswert finde ich, dass die allermeisten Kinder und Jugendlichen erstaunlich gut mit ihren Großeltern klarkommen. Tat für Tag sehen die Kinder, wie sich die Großeltern abrackern. Sie honorieren das! Es gibt wenig Konflikte und die Großeltern werden mit Respekt behandelt.

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