Kinderrechte vermitteln im Slum

Warum darf man ein Kind nicht schlagen, wenn es frech ist? Warum muss ein Kind zur Schule gehen? Wieso soll es nicht arbeiten gehen? Immer wieder  werden uns von den Eltern, die hier im Slum mit ihren Kindern wohnen, solche Fragen gestellt. Und wir beantworten sie in unseren Trainings für Kinderrechte. Das sind kleine Gruppen, in denen wir Aufklärungsarbeit in den Slums von Mombasa leisten. Denn viele Kinder und Erwachsene wissen nicht, dass Kinder spezielle Rechte haben.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Die meisten Leute haben keine Ahnung von Kinderrechten. Viele finden es auch in Ordnung ein Kind zu schlagen, wenn es Ärger macht. Das liegt zum einen daran, dass die Erwachsenen hier als Kinder selbst nichts anderes erlebt haben. Zum anderen werden die Kinder in vielen afrikanischen Familien nicht nach ihrer Meinung gefragt. Es wird auch nicht gern gesehen, wenn die Kinder allzu laut ihre Bedürfnisse äußern. Sie sollen den Eltern gehorchen. Jede Entscheidung wird von den Erwachsenen gefällt und die Kinder haben sich zu fügen.

Deshalb müssen wir zuerst Aufklärungsarbeit leisten. Wir haben ein Komitee gegründet mit Leuten aus den Slums, das sich um Kinderrechte kümmert. Das heißt, dass die Leute wissen, warum es wichtig ist, die Kinder nicht zu schlagen, in die Schule zu schicken und ihnen genügend Zeit zum Spielen zu geben. Die Mitglieder des Komitees für Kinderrechte verbreiten das Wissen, das sie in unseren Trainings erhalten, in den Slums. Sie fungieren auch als Ansprechpartner für die Familien, wenn es Probleme gibt. Da die meisten nicht lesen können, führen unsere Gruppen kleine Theaterstücke auf, in denen beschrieben wird, was Kinderrechte sind und was gut für Kinder ist und was schädlich. Außerdem laden wir Lehrer ein, diese Anliegen in ihren Schulen zu verbreiten.

In der Gemeinde gibt es einen Ältestenrat, der immer zuerst konsultiert wird, wenn es in der Gemeinschaft Probleme gibt. Dort wird beraten, was zu tun ist. Zuerst versucht man mit der Familie zu sprechen, dann, wenn die Probleme nicht gelöst werden können, werden die Behörden informiert. In Kenia kann man wegen Kindsmisshandlung oder –missbrauch für 14 Jahre ins Gefängnis kommen. Es hat also unter Umständen eine große Tragweite, wenn ein Kind zum Ältestenrat geht, der die Tat dann anzeigt.

Im Fall eines Jungen konnten wir schon helfen: Er wurde schlimm von seinen Eltern geschlagen. Als der Ältestenrat mit der Mutter sprach, sagte sie: “Der Junge macht immer Ärger, irgendwie muss ich ihn doch disziplinieren.” Mittlerweile war diese Mutter in einem unserer Trainings und hat erkannt, welchen Schaden sie bei ihrem Sohn anrichtet, wenn sie ihn schlägt. So verändert sich das Bewusstsein langsam, aber stetig.

Eine Mutter aus den Slums, sie heißt Theresa, ist sehr engagiert für Kinderrechte. Sie hat selbst viele Kinder und setzt sich auch für die anderen Kinder im Slum ein. Sie ist zu einer richtigen Vertrauensperson geworden. Die meisten trauen sich nicht, zum Ältestenrat zu gehen. Sie gehen erst zu Theresa und sie leitet das Anliegen dann weiter.

Glücklicherweise gibt es hier sehr viele Menschen, die unsere Trainings für Kinderrechte besuchen. Der Direktor einer nahe gelegenen Schule besuchte vor ein paar Wochen unsere Chlidrens-Rights-Trainings und ist nun in seiner Schule sehr engagiert das Thema in den Vordergrund zu stellen. So werden die Veränderungen, die wir dringend benötigen, wohl bald die ersten Früchte zeigen.

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