Memory Books: Vorbereitung auf den Tod

Seit ein paar Monaten haben wir ein neues Projekt für HIV-infizierte Eltern. Ein sehr heikles Thema: Wir sprechen über den Tod. Wir versuchen, mit den Eltern Memory Books zu schreiben und zu zeichnen. Das sind Alben, die die Eltern für ihre Kinder anlegen, damit sie sich nach deren Tod an sie erinnern.

Auch bei uns in Kenia ist der Tod ein Tabu, niemand beschäftigt sich freiwillig damit. Aber wenn Eltern an Aids erkranken und möglicherweise nicht mehr lange leben, müssen sie vorsorgen:  Vor allem für  ihre Kinder.

Die Memory Books, also Erinnerungsbücher, enthalten sind ein Stammbaum, der Ort, von dem die Familie stammt, Kindheitserinnerungen der Eltern, Fotos und so weiter.

Das soll den Kindern helfen, ihre Wurzeln kennenzulernen. Denn es wird später niemand da sein, der ihnen erzählt, wie die Eltern sich kennen gelernt haben oder was der Großvater von Beruf war. Aber nicht nur das ist wichtig: Auch dass die Kinder wissen, woher sie kommen, wer ihre Eltern waren. Dass sie einen Bezug zu ihren Vorfahren bekommen, stärkt die Kinder. Es gibt ihnen eine Identität.

Bei uns in Kenia sterben viele Eltern an Aids, die all ihr Wissen, all ihre Geschichten mit ins Grab nehmen. Diese Alben sind ein kleiner Versuch, die Erfahrung dieser Generation zu erhalten.

Und es ist ein kleiner Schatz, den die Eltern ihren Kindern vererben können.

Um ehrlich zu sein: Es ist ziemlich schwierig, die Eltern dazu zu bewegen, diese Bücher anzufertigen. Denn das ist für die Eltern sehr schmerzvoll: So ein Album bedeutet für sie auch, mit ihrem Leben abzuschließen. Es zeigt ihnen, dass sie bald nicht mehr da sein werden, dass sie nicht sehen werden, wie ihre Kinder groß werden. Die Memory Books können auch hilfreich sein für die, die sich nach dem Tod der Eltern um die Kinder kümmern: Verwandte, oder eben eine SOS-Kinderdorf-Mutter, die dem Kind die Alben vorlesen kann.

Viele Eltern nutzen das Buch auch, um ihren Kinder Ratschläge zu erteilen: “Gehe zur Schule und lerne!”, schrieb ein Vater an seine Tochter.  Auch ihre Wünsche halten sie fest: Dass die Kinder selbständig werden sollen, eine Familie gründen. Am größten ist aber der Wunsch, dass sie möglichst lange leben und ihre Kinder groß werden sehen.

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