Mücke oder Mango

Medizinische Behandlung in einer Privatklinik MombasasNichts ist umsonst in Kenia, schon gar nicht die Gesundheit! Also müssen meine Kollegen und ich erfindungsreich sein, um mit unserem Budget so viel wie möglich zu erreichen.

Wir sind uns zum Beispiel nicht zu schade, mit den Ärzten über die Preise für Behandlungen und Operationen zu verhandeln.

Das hat nicht immer Erfolg, manche Kliniken geben nicht einmal einen kleinen Nachlass. Man darf sich davon aber nicht entmutigen lassen, denn oft treffen wir auf Menschen, die Herz zeigen und uns sehr entgegenkommen. Kürzlich beispielsweise musste die Mutter eines Kindes, das wir unterstützen, operiert werden. Die Operation war teuer: 17000 Kenianische Schilling, etwa 130 Euro – in unserem Land eine Menge Geld. Wir sprachen mit der Ärztin, einer Gynäkologin, erklärten, wer die SOS-Kinderdörfer sind, wie wir helfen und baten um einen Rabatt. Die Ärztin willigte ein und nahm schließlich nur 12000 Kenianische Schilling (ca. 90 €)  – für uns eine große Hilfe. Der Frau geht es heute wieder gut, wann immer sie mich sieht, bedankt sie sich überschwänglich. Das Geld, das wir gespart haben, können wir gut gebrauchen, um anderen zu helfen!

Den größten Effekt erzielen wir durch Aufklärung. Seit es die SOS-Familienhilfe gibt, laden wir die Slumbewohner jeden Monat zu einem anderen medizinischen Vortrag ein. Ärzte aus staatlichen Krankenhäusern opfern ihre Wochenenden, um die Menschen über Cholera, AIDS, Malaria und andere Krankheiten zu informieren.

Privatklinik in MombasaDie meisten der Eltern und Großeltern, die wir unterstützen, waren ja nie in der Schule, können nicht lesen und so sind sie von vielen Informationen abgeschnitten. Gespannt wie bei einem Krimi hören sie zu, wenn die Ärzte erzählen. Sie gehen mit Erkenntnissen nach Hause, die mitunter Leben retten können. Zum Beispiel glaubten einige der Slumbewohner lange Zeit, dass Malaria durch Mangos übertragen werde. Für uns mag das seltsam klingen, aber woher hätten sie es wissen sollen?

Leider haben die SOS-Kinderdörfer in Mombasa selbst keine Klinik wie in vielen anderen Städten und Ländern, also arbeiten wir mit privaten Kliniken zusammen und ermutigen die Menschen, die staatlichen Krankenhäuser aufzusuchen. Brauchen sie Medikamente, geben wir in vielen Fällen die Hälfte der Kosten dazu.

Das funktioniert einigermaßen. Aber dann kommt vielleicht eine Frau, die Asthma hat, zu mir und erklärt, dass sie selbst die Hälfte des Geldes nicht aufbringen kann. Lieber gibt sie ihren Kindern etwas zu essen. Dann schluck ich und muss mir sagen: Priscah, du tust das Richtige! Auch, wenn ich in diesem Fall nicht helfen kann. Also schauen wir, dass die Frau wenigstens einen Inhalator hat und mit den anderen Medikamenten hoffentlich bald weitermachen kann.

Mein Traum – mal wieder einer –  wäre es, in Mombasa medizinische Camps zu etablieren. In Nairobi bieten die SOS-Kinderdörfer diese schon lange an: Alle drei Monate kommen Fachärzte aus verschiedenen Ländern, auch aus Deutschland, und behandeln die Menschen gratis. Die Camps sind in Nairobi zu einer wichtigen Institution geworden.

Vor wenigen Wochen hat nun in Mombasa in der Nähe der Armenviertel eine neue staatliche Klinik aufgemacht. Mit dieser Klinik würde ich gerne kooperieren: Sie könnte ihre Räume zur Verfügung stellen und wir würden schauen, dass die Fachärzte, wenn sie in Nairobi waren, weiterfahren nach Mombasa. Ich werde das angehen!

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