Mutig und effektiv: Meine Kollegen in Somalia


Es hätte in der Vergangenheit viele gute Gründe für die SOS-Kinderdörfer gegeben, sich aus Somalia zurückzuziehen: Immer wieder eskalierte der Bürgerkrieg, so dass das Leben vor allem in der Hauptstadt Mogadischu hochriskant wurde. Mehrmals mussten Kinder und Mütter das SOS-Kinderdorf verlassen, weil die Lage zu gefährlich geworden war. Auch unsere Schule und die Mutter-Kind-Klinik mussten zeitweise schließen. Mehrere SOS-Mitarbeiter wurden verletzt oder getötet, wie 2006 die Ordensschwester Leonella, die in der SOS-Klinik arbeitete.

Meine Kollegen sind dennoch geblieben – seit nunmehr 26 Jahren! Das hat nichts mit Leichtsinn zu tun, sondern mit der klaren Haltung, die einmal übernommene Verantwortung absolut ernst zu nehmen und langfristige Hilfe zu leisten, die den Menschen Perspektiven bietet.

Ich finde, es ist wichtig, dies mal zu erzählen, zumal in der jetzigen Situation, da die ganze Welt sorgenvoll nach Ostafrika guckt, wo die Dürrekatastrohe das Leben so vieler Menschen bedroht.

Die langjährige Präsenz der SOS-Kinderdörfer in Somalia führt jetzt in der Notlage dazu, dass SOS unglaublich schnell und effektiv helfen kann! Charles Bury, Projekt-Koordinator aus dem Regionalbüro Ostafrika, erzählt zum Beispiel, dass SOS in kurzer Zeit eine Nothilfeklinik im Flüchtlingslager bei Mogadischu etabliert hat, so dass dort bereits in der ersten Woche über 1000 Menschen behandelt werden konnten. Es sind die guten Verbindungen zu den Gemeinden, über lange Zeit aufgebauten Kontakte zur Regierung, die große Erfahrung und die vorhandene Infrastruktur, die dies ermöglichen.

Währenddessen strömen immer mehr Menschen in die völlig überfüllten Flüchtlingslager. Ahmed Mohamed Ibrahim, nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer in Somalia, war mit einem SOS-Team im Flüchtlingslager Darkenley-Camp nahe Mogadischu. Er sagt: „Die Not der hungernden Menschen ist tatsächlich grenzenlos. Was umgehend gebraucht wird, sind Nahrung, sauberes Wasser, Unterkünfte und Medikamente.“ Er betont, dass SOS sein Ernährungsprogramm für Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, ausbauen wird. Außerdem sollen bedürftige Familien mit Essen versorgt werden. Ahmed Mohamed Ibrahim erinnert auch an das Jahr 1991, als der Bürgerkrieg ausbrach und SOS in Somalia schon einmal ein großes Nothilfeprogramm gestartet habe und Tausende von Bedürftigen mit Essen und Medikamenten versorgen konnte. Seit 20 Jahren arbeitet SOS bei seinen Gesundheits-  und Ernährungsprogrammen mit UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Ahmed Mohamed Ibrahim: „Wir beraten auch jetzt gemeinsam, wie wir den notleidenden Kindern und Frauen am besten helfen können.“

Von Mombasa, der Stadt, in der ich lebe, sind die Dürregebiete Somalia, Äthiopien und Nord-Kenia weit entfernt. Aber dennoch fühle ich mich mit den Menschen dort verbunden. Und mit meinen Kollegen – sie machen eine so wichtige Arbeit.

Mein Kollege Ahmed Imbrahim Mohamed berichtet hier über die SOS-Nothilfe aus den Flüchtlingslagern.

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