Pilot, Anwalt, Bankmanager

 
Bruce möchte später Bankmanager werden. Und ein Haus für seine Eltern bauen. Tom will mal Pilot werden. Und seinem Vater helfen.

Edwin will Rechtsanwalt werden  und seine Eltern unterstützen. Auch Willis möchte Rechtsanwalt werden und seiner Familie helfen, und er möchte ein Kind unterstützen, so wie er selbst zur Zeit unterstützt wird.

Bruce, Tom, Edwin und Willis besuchen seit letztem Jahr die Hermann-Gmeiner-Schule in Mombasa. Wenn sie in ihren Schuluniformen am Nachmittag zurück in ihren Slum Kisumu Ndogo kommen, schauen die Menschen auf. Die vier Jungs sind fast so etwas wie Stars in ihrem Viertel.

Die Hermann-Gmeiner-Schule gehört zum SOS-Kinderdorf Mombasa. Es ist eine Grundschule für die Jungen und Mädchen, die im Kinderdorf ein neues Zuhause gefunden haben. Und wie alle 186 Hermann-Gmeiner-Schulen auf der ganzen Welt, steht auch diese den Kindern der Nachbarschaft offen. Jedes Jahr schaut sich ein Komitee, bestehend aus der Schulleiterin und Lehrern, eine Auswahl von Kindern an, befragt sie, spricht mit den Eltern und entscheidet dann, welche Kinder aufgenommen werden. Das ganze Verfahren ist für alle transparent und möglichst objektiv. Die Plätze sind leider begrenzt und so bekommen nur die besten Schüler einen Platz. Geregelt ist auch, dass pro Familie höchstens ein Kind aufgenommen werden kann, was Edwins Eltern im letzten Jahr vor die schwierige Entscheidung stellte, einen ihrer beiden Söhne auszuwählen. Denn beide sind wirklich begabt und erfüllten alle Voraussetzungen. Aber die Hilfe soll möglichst vielen Familien zu Gute kommen und so wäre es einfach nicht fair gewesen, beide Jungen aufzunehmen, so hart die Entscheidung war. Ich hoffe, dass sich Edwins Bruder mittlerweile damit arrangiert hat.

Kindern und Eltern ist sehr bewusst, welche Chance sie haben, wenn sie einen Platz auf der Hermann-Gmeiner-Schule bekommen. Zwar gibt es auch in den Slums Schulen, aber diese sind oft in schlechtem Zustand, überfüllt und schlecht ausgerüstet und die Lehrer haben keine Ausbildung.

Tom war an seinem ersten Schultag in der Hermann-Gmeiner-Schule so aufgeregt, dass er bereits mitten in der Nacht aufwachte und es kaum aushalten konnte, bis er endlich in die Schule gehen durfte. Willis war ebenfalls aufgeregt, so sehr, dass er erst gar nicht einschlafen konnte und schließlich viel zu spät wach wurde und seinen Traumtag fast verschlafen hätte.

Sie alle machen sich gut, lernen eifrig, ihre Lehrer sind sehr zufrieden. Wenn sie so weitermachen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die vier Schüler später von einer anderen Organisation ein Stipendium für eine weiterführende Schule  bekommen – und ihre Träume wieder ein Stück greifbarer werden.

Ob sie dann wirklich einmal Bankmanager, Piloten und Anwälte werden? Oder vorher aufhören? Oder etwas ganz anderes machen? Wer weiß das schon. Aber ein Anfang ist gemacht, ein Tor hat sich geöffnet. Jeder dieser Vier kann es schaffen!

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