Zu hungrig für die Schule

Ab morgen wird in Mombasa der Strom rationiert. Konkret bedeutet das:  Jeden Abend zwischen 18.30 Uhr und 21.30 Uhr wird abgeschaltet.
Schulkinder müssen zusehen, wie sie ihre Hausaufgaben ohne elektrisches Licht machen, Kühlschränke kühlen nicht mehr, und die Menschen können sich nicht im Internet oder im Fernsehen darüber informieren, welche Auswirkungen die Dürre sonst noch hat.  

Mombasa liegt ganz im Süden Kenias und ist lange nicht so schlimm von der Dürre betroffen wie der Norden des Landes.  Aber was heißt schon „nicht so schlimm“, wenn man ohnehin am Rande  des Abgrunds lebt? Die Lebensmittelpreise sind im ganzen Land in die Höhe geschossen. Das Mehl für ein einfaches Ugali-Gericht kostet mehr als das Doppelte, gleiches gilt für Mais, oder auch Kerosin, das vor allem die armen Menschen zum Kochen verwenden.

Gestern war ich zu Besuch bei Jane, der Großmutter, die alleine für viele Kinder sorgt. Ich habe vor einiger Zeit von ihr erzählt.  Ihre Enkel waren eben von der Schule gekommen und hatten zu Mittag gegessen, aber das Essen war viel zu wenig. Als die Familie vom Tisch aufstand, hatten alle noch Hunger!
Dabei war Jane  auf so einem guten Weg gewesen: Seit einiger Zeit verkaufte sie erfolgreich gekochten Mais. Nun wollte sie ihr kleines Geschäft erweitern, auch Fisch und Gemüse anbieten. Sie hatte schon einen geeigneten Platz gefunden und einen Businessplan ausgearbeitet. Jetzt klagt sie, dass sie aufgrund ihrer eigenen gestiegenen Kosten die Preise erhöhen musste und die Kunden viel weniger kauften.

Viele der Familien, die wir unterstützen, haben in den letzten Jahren ein ähnliches Geschäft aufgebaut, sie haben alle die gleichen Probleme: Am Ende des Tages stecken sie ihre gesamten Einnahmen in Lebensmittel für die Familie und es reicht einfach nicht mehr! In den Schulen klagen die Lehrer, dass immer mehr Kinder wegbleiben. Sie sind einfach zu hungrig, zu erschöpft.

Was sollen wir als Hilfsorganisation tun? An sich ist es das oberste Ziel der SOS-Familienhilfe, die Menschen zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Aber wenn jemand hungert? In Not ist?
Wir haben uns entschlossen, Familien wie die von Jane, die es am härtesten trifft, während der schlimmsten Zeit mit Lebensmitteln zu versorgen. Aber klar ist auch, dass wir auf diese Weise nicht allen helfen können, sonst wäre nach drei Monaten unser gesamtes Budget aufgebraucht! Zum Glück haben die Meisten dafür großes Verständnis! Immer wieder kommen sie auf mich zu, bedanken sich für unsere Hilfe und sind glücklich, dass sie – trotz allem – schon so weit gekommen sind. Wie froh bin ich über solche Sätze!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.