Tag der Bildung: was Ehemalige des Kinderdorfs Tirana heute machen

Wir haben miteinander gespielt, gelacht, gestritten, Geheimnisse Flutura_MiniPic_dtausgetauscht – und plötzlich waren wir erwachsen. Meine Freunde aus dem SOS-Kinderdorf Tirana begleiten mich auch heute noch, einige studieren, so wie ich, oder haben die Uni bereits hinter sich. Zum Tag der Bildung am 08.Dezember möchte ich Euch einige von ihnen vorstellen.

Ein starker Wille – Alfred Muharremi, 26 Jahre alt

Alfred Muharremi ist Kreditberater

Alfred träumt davon, für SOS zu arbeiten

Alfred ist für mich das beste Beispiel für den Erfolg der SOS-Kinderdorf-Arbeit in Albanien. Er war noch ein kleines Kind, als er ins Kinderdorf Tirana kam. Was ihn auszeichnet, ist ein starker Wille und eine Hartnäckigkeit, seine Träume umzusetzen – und damit ist er schon weit gekommen: Sein Studium der Bankbetriebslehre hat er mit besten Noten abgeschlossen und er arbeitet jetzt als Kreditberater bei der „Kredins Bank“, ist seit diesem Jahr glücklich verheiratet und leitet ehrenamtlich das Programm einer Hilfsorganisation. Ähnlich wie SOS unterstützt sie notleidende Kinder. Alfreds Vision für die Zukunft: „Ich möchte für die SOS-Kinderdörfer arbeiten. Da bin ich aufgewachsen und immer geliebt worden.“

 

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Gut vorbereitet fürs Leben

Eröffnung des Neuen Zentrums...

Feierlich wurde in Tirana das MAP-Zentrum eröffnet. Familien und Jugendliche werden hier unterstützt, um in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Jeder, egal ob reich oder arm, zieht seinen Nutzen aus der Gesellschaft. Projekte, Flutura_MiniPic_dtdie gestartet werden, um notleidende Menschen wieder in ihre Kraft zu bringen, sind damit immer auch eine Unterstützung für uns alle: Indem sie den Teilnehmern helfen, ihr Potential auszuschöpfen, leisten sie auch einen Beitrag für eine bessere Gesellschaft.

Ich bin sehr froh darüber, dass die SOS-Kinderdörfer immer wieder Initiatoren solcher Projekte sind. Eben ist ein solches in Tirana eröffnet worden: das MAP-Center.  MAP steht für „mbështetje“ – Unterstützung, „angazhim“ – Engagement – , „punësim“ – Beschäftigung . Das Zentrum unterstützt in den nächsten drei Jahren hilfsbedürftige Familien, wieder Fuß zu fassen und wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen, auch Jugendliche werden unterstützt. Finanziert wird es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Weiterlesen

Luftverschmutzung in Delhi: Kinder können nicht zur Schule gehen

Smog

Delhi im Smog: Einen Tag draußen zu verbringen, ist bei der aktuellen Wetterlage wie eine Schachtel Zigaretten zu rauchen.

Luftverschmutzung ist in Delhi ein Riesenthema, besonders im Winter, aber so Tsering_MiniPic2schlimm wie in diesen Tagen war die Situation schon lange nicht mehr. Die Abgase von Autos und Fabriken, der Rauch all der Feuer, mit denen die Menschen rund um Delhi das Stroh auf ihren Feldern verbrennen, egal ob in Haryana im Süden oder in Punjab oben im Norden – alles sammelt sich wie unter einer Glocke über der Stadt. Der Smog brennt in den Augen und lässt ganz Delhi husten. Weiterlesen

Arbeitsplätze für Eltern, Unterstützung für Kinder

Gärtnern

Gärtnern, um die Familie zu ernähren. Die SOS-Familienstärkung unterstützt Eltern und Kinder dabei, die Armut hinter sich zu lassen.

Nichts ist schmerzvoller als arm zu sein und keinen Ausweg zu finden. Du MiniPic_Helenahast nicht die Mittel, weißt nicht, wo du anfangen sollst. Ich kenne viele Eltern, die nachts weinen und deren Gedanken darum kreisen, wie sie ihre Kinder satt kriegen sollen und wie sie es ihnen ermöglichen sollen, weiter zur Schule zu gehen. Am schlimmsten ist es, wenn sie die Kinder statt in die Schule auf die Straße schicken müssen, zum Betteln oder Verkaufen, weil sonst das Geld nicht reicht. Und die meisten Mütter und Väter wissen genau, was das für ihre Kinder bedeutet, dass sie ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Chancen nehmen. Weiterlesen

Auf eigenen Füßen stehen

Agim ist wie ich im SOS-Kinderdorf aufgewachsen. Agim im Kosovo, ich in Albanien. Oft tauschen wir Flutura_MiniPic_dtuns leidenschaftlich über unsere Kindheit und unser Leben aus. Ich finde spannend, was er zu sagen hat…

Von Agim Kurti 

Es ist eine Herausforderung für ein Kind, in einer Pflegeeinrichtung aufzuwachsen – allein die Tatsache, dass du dir die Menschen, mit denen du zusammenlebst und die sich um dich kümmern, nicht selber aussuchen kannst.

SOS-Jugendlicher

Agim Kurti ist im SOS-Kinderdorf im Kosovo aufgewachsen. Das Kinderdorf ist für ihn eine große Familie.

Teil eines SOS-Kinderdorfes zu sein, liegt ebenfalls nicht in der Entscheidung der Kinder. Selbst, wenn ihnen die Gründe erklärt werden, ist das für viele Jungen und Mädchen am Anfang nicht einfach. Sie möchten mit ihren leiblichen Eltern zusammen sein, egal wie schlecht sie behandelt wurden. Dennoch fühlen sich die meisten nach einiger Zeit zuhause im Kinderdorf. Für meine Freunde und mich ist SOS heute eine große Familie. Dabei ist das harmonische Verhältnis zwischen den Kinderdorf-Müttern, Pädagogen und den Kindern der Schlüssel zum Erfolg. Es ist die Basis, die uns mit Würde und Selbstbewusstsein aufwachsen lässt.

Aber die große Frage ist: Wie kommen die Jugendlichen klar, wenn sie die SOS-Einrichtungen verlassen? Wie ergeht es ihnen im Leben und welche Perspektiven haben sie?

Oft habe ich festgestellt, dass sich die Jugendlichen im Kinderdorf und den SOS-Jugendhäusern zu reiferen Menschen entwickeln und eine größerer Bereitschaft haben, auf eigenen Füße zu stehen als ihre Altersgenossen. Meistens wissen sie besser über ihre Rechte Bescheid, haben an verschiedenen Trainings und Programmen teilgenommen, sind vielleicht Karriere-orientierter und gut fürs Leben gewappnet. Weiterlesen

„Schon das Wort ‚Familie‘ kann schmerzhaft sein!“

Um Lehrer im Umgang mit Pflegekindern zu unterstützen, bieten wir im SOS-Kinderdorf Kandalaksha seit einigen Jahren Kurse an – mit großem Erfolg.

Rollenspiel

Im Rollenspiel lernen die Lehrer, das Verhalten der Kinder besser zu verstehen.

Als Vater eines Vorschulkindes wünsche ich mir für meinen Sohn, dassAnton_MiniPic die Schule ein sicherer und freundlicher Ort ist. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass er dort gut behandelt und unterstützt wird. Welche Eltern wollen das nicht für ihre Kinder?

Im SOS-Kinderdorf sind wir es gewohnt, mit Jungen und Mädchen zusammenzuleben, die die unterschiedlichsten Herausforderungen zu bewältigen haben. Kein Wunder, sie alle sind durch schlimme Zeiten gegangen. Vernachlässigung, Missbrauch und Trennung von den Eltern kann langfristige Auswirkungen auf das Verhalten, die emotionale Stabilität und letztendlich auf die Zukunft der Kinder haben. Wir betreiben viel Aufwand, um die Jungen und Mädchen im Kinderdorf und in den Pflegefamilien, die wir betreuen, dabei zu unterstützen, ihr Trauma zu überwinden. Aber was ist mit den Lehrern in der Schule? Haben sie das nötige Wissen, um richtig mit den Kindern umzugehen? Weiterlesen

Leben mit den Toten

Mateo ist eines von 848000 Kindern in Bolivien, die zum Überleben Geld verdienen müssen.Autorenbild_Libertad_deutsch Sein Arbeitsplatz: der Zentralfriedhof von La Paz.

Friedhof La Paz

Mateo verbringt seine Tage auf dem Zentralfriedhof von La Paz. Er verdient sein Geld damit, die Gräber zu pflegen.

Wenn jemand über den Tod spricht, macht das Mateo keine Angst. „Ich lebe mit dem Tod“, sagt er zu mir und schaut kurz auf, während er das Wasser in einer Vase wechselt. Dann platziert er die Blumen behutsam auf dem Grab eines Menschen, den er nie gekannt hat.

Mateo verdient sein Geld – meist nicht mehr als ein paar Münzen am Tag – als „Wasserträger“ auf dem riesigen Zentralfriedhof von La Paz City, wo ich ihm begegne. Zu den Aufgaben des acht Jahre alten Jungen gehört es, sich um die Blumen zu kümmern und die Gräber in Ordnung zu halten. Zeit, mit Freunden zu spielen, zur Schule zu gehen und seine Kindheit zu genießen, hat er nicht. Weiterlesen

Auf der Suche nach meinem Weg – Erfahrungen in Berlin-Moabit

Du kannst viele Orte dein Zuhause nennen und doch ist da dieser eine Flutura_MiniPic_dtOrt, an dem du dich wirklich vollständig fühlst. Für mich ist dies das SOS-Kinderdorf Tirana in Albanien, in dem ich aufgewachsen bin. Das kleine Dorf war immer mein perfektes Zuhause.

Als ich jetzt für einen Monat nach Berlin ging, war ich neugierig, was SOS dort für die Menschen bedeutet. Mein Aufenthalt war bestens von SOS-Kinderdorf Deutschland organisiert, so dass meine drei Wünsche erfüllt wurden:

Kindergruppe

Die Mutter-Baby-Gruppe ist eines der vielen Angebote des SOS-Kinderdorfs in Berlin-Moabit. So lebendig und vielfältig wie die ganze Stadt habe ich auch die SOS-Programme erlebt.

Erstens wollte ich die Strukturen und Programme der SOS-Kinderdörfer in Berlin kennenlernen. Es interessant mich brennend zu erfahren wie SOS in den unterschiedlichen Ländern und Kulturen arbeitet.

In Berlin erlebte ich ein SOS-Kinderdorf mitten in einer pulsierenden Metropole – der toleranten Multikulti-Hauptstadt, glamourös mit ihren Geschäften, Straßen, Gebäuden und Touristenattraktionen, eine Stadt mit freiem Geist, Kunst, Geschichte, Sprachen, Kulturen. All dies spiegelte sich in den Programmen des SOS-Kinderdorfs in Moabit wieder. Beide, die Stadt sowie SOS, machten es mir leicht einzutauchen. Weiterlesen

Tiere können Kriege nicht beenden – Menschen hätten die Macht dazu

Kätzchen

Browny war von allen Katzen die schlauste. Ich hoffe, er hat einen guten Platz gefunden.

Seit Jahren leben in unseren Büro Katzen.Tsering_MiniPic2 In der Obhut unserer Sekretärin wuchs jetzt die vierte Generation heran: der schwarze Kaalu, der graue Kittu und Browny. Die vierte Katze verschwand noch bevor wir ihr einen Namen geben konnten.

Die Katzen waren unser Stress-Ventil. Wenn einem von uns die Arbeit über den Kopf wuchs, verbrachte er ein bisschen Zeit mit ihnen. Danach ging es wieder besser.

Weltweit toben jeden Tag und jeden Moment zahlreiche Konflikte und Kriege. Menschen kämpfen bis zum Tod um ein Stück Land, eine Grenze, für ihre Ideale oder ihr Recht menschlich behandelt zu werden. Wie furchtbar muss es sein, in diese Kämpfe verwickelt zu sein  – freiwillig oder unfreiwillig.

Natürlich ist das nicht das gleiche, aber auch unsere Kätzchen wurden Opfer von Revierkämpfen. Alle drei wurden mehrmals von einer wilden Katzen angegriffen.Ich konnte nicht anders, als dabei an all die furchtbaren menschlichen  Auseinandersetzungen zu denken. Weiterlesen

Mit der Energie einer Achterbahn

Kinder mit Masken

Dieses Foto habe ich letzten Monat in einem Sommercamp in Tirana aufgenommen. Es drückt für mich genau das aus, was ich meine.

Flutura_MiniPic_dtEs ist erstaunlich, wie wir im Laufe unseres Lebens in bestimmten Momenten die Kraft der Unabhängigkeit entdecken, einfach dadurch, dass wir Erwachsene uns wie Kinder fühlen – manchmal sogar wie Kleinkinder:

Euphorisch, mit einer Fröhlichkeit, die von tief innen kommt, mit der Energie einer Achterbahn.

Und es gelingt uns, andere zu lieben ohne jegliche Erwartungen. Einfach lieben.

 

Das ist mein kleiner Beitrag für Euch im August. Ich genieße gerade die Zeit in Berlin, wo ich die dortigen Einrichtungen der SOS-Kinderdörfer kennenlerne – beim nächsten Mal mehr davon!

Eure Flutura