Milan – wie ich mein Land verändern möchte

In der letzten Woche erzählte Milan von seiner Kindheit im SOS-Kinderdorf Katerina aus MazedonienSarajevo (Wie ich wurde, wer ich bin) und wie es dazu kam, dass er die Jugendorganisation Nautilus gründete. Hier erzählt er, was er mit Nautilus bewegen möchte…

Schnell fand ich Mitstreiter, mit denen ich gemeinsam einen Aktionsplan entwarf. Als Bosnier kamen wir aus einem Land mit einer aufgewühlten Vergangenheit und so wollten wir als erstes herausfinden, wer wir eigentlich waren.

Milan

Milan hat ambitionierte Ziele. Mit Nautilus möchte er den Jugendlichen eine Stimme geben.

Wir  begannen damit, uns für die aktive Teilhabe an den demokratischen Prozessen und Werten einzusetzen: Gleichheit, Gedankenfreiheit, freier Fluss an Informationen. Wir machten Werbung für demokratische Entwicklung, Zusammenarbeit und Innovation. All dies, um ein großes Ziel zu verfolgen: unsere Gesellschaft mitzutragen und weiterzuentwickeln.

Bis jetzt haben wir fünf Projekte umgesetzt:

Freunde ohne Grenzen – Bosnien & Herzegowina und Serbien: Wir haben gemeinsame Aktivitäten zwischen Jugendlichen der verschiedenen Ethnien ins Leben gerufen und möchten zur Versöhnung beitragen. Es geht darum, die historischen und kulturellen Gemeinsamkeiten zu entdecken und trotzdem die Unterschiede zu respektieren.

Lerne, denke, handle: Wir möchten junge Menschen dabei unterstützen, aktiv zu werden, soziale Verantwortung zu übernehmen, Vorurteile zu überwinden, sich gegenseitig zu stärken, ihr eigenes Selbstbewusstsein auszubauen.

Demokratie leben: Junge Menschen sind die Zukunft und die Zukunft ist ohne unsere Stimme verloren. Wir möchten Jugendlichen einen Zugang zur Politik vermitteln. Wir informieren zum Beispiel über Wahlen und die Jugendprogramme der Parteien und gehen in den Dialog mit politisch interessierten Jugendlichen. Wir haben auch schon Treffen mit Politikern organisiert.

Milan

Milan unterzeichnet eine Vereinbarung mit einer regionalen Hilfsorganisation.

Gegen Diskriminierung:  Dieses Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche, die in Pflege aufgewachsen sind. Oft haben sie im Alltag mit Diskriminierung zu tun. Hier betreiben wir Aufklärung: Welche Rechte habe ich? Was kann ich tun bei Diskriminierung? Wir finden es sehr wichtig, den Menschen hier Informationen zu geben und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn Diskriminierung kann das ganze Leben beeinflussen.

Der 25. Tag des Monats:  An jedem 25. Tag des Monats setzen wir uns mit öffentlichen Aktionen für den Schutz von Frauen ein, die vergewaltigt wurden oder Gewalt erfahren haben.

Ganz klar: Nautilus hat ambitionierte Ziele. Als erste Organisation in der Region, die sich für diese Inhalte einsetzt, tragen wir eine große Verantwortung, aber ich bin zuversichtlich: Mit der Begeisterung und der Energie, die wir mitbringen, können wir zu einer wichtigen Stimme für die jungen Menschen in Bosnien und Herzegowina  werden. Damit unsere Generation bereit ist, einmal das Land zu übernehmen und die Voraussetzung dafür schafft, dass die kommende Generation stärker sein wird als wir es sind.

Milan – wie ich wurde, wer ich bin

Als ich Milan fragte, ob ich einen Text über ihn schreiben dürfe,Katerina aus Mazedonien wunderte mich die Antwort nicht: Gerne, aber noch lieber wolle er selbst von sich erzählen. Das ist so typisch für ihn – ich willigte mit Freude ein. Milan hat einfach viel zu sagen. Hier seine Geschichte:

„Ich heiße Milan Todorovic, bin 21 Jahre alt, studiere Wirtschaft und bin Gründer und Präsident von Nautilus, einer Bosnischen Jugendorganisation. Nautilus unterstützt junge Menschen. Wir möchten ihnen dabei helfen, ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und ihre Rechte auszubauen. Das gilt vor allem auch für diejenigen, die in Pflegefamilien oder Heimen aufgewachsen sind. Wir möchten sie ermutigen: Engagement lohnt sich!

Milan

Im SOS-Kinderdorf hat Milan gelernt, sich einzusetzen: für seine eigenen Interessen und die der Gemeinschaft.

Ich betrachte mich selbst als ambitionierten und begabten Menschen. Ich weiß, dass es an mir liegt, mein Leben zu gestalten. Gleichzeitig gibt es mir unglaublich viel Kraft, eine starke Gemeinschaft hinter mir zu wissen. Beides habe ich im SOS-Kinderdorf Sarajewo erlebt. Es sind die Grundpfeiler meines Lebens.

Als ich drei Jahre alt war, haben meine Eltern mich und meine kleine Schwester verlassen. Wir kamen zu unserer Großmutter, die aber zu alt und schwach war, um sich um uns zu kümmern. Schweren Herzens gab sie uns in ein Waisenhaus. Danach kam meine Schwester in ein Heim für Kinder mit Behinderung und ich kam ins SOS-Kinderdorf Sarajevo. Weiterlesen

Ich bin die Fahrerin meines Lebens

Als aufgeklärte Frau in Namibia erschüttert es mich immer wieder, dass MiniPic_Helenajunge Frauen in unserem Land auch heute noch zu Ehen gezwungen werden, die ihre Eltern für sie arrangieren. Ich weiß, dass dies seit langer Zeit so praktiziert wird, aber das heißt nicht, dass es richtig ist! Wenn wir darüber sprechen, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollen, dann müssen Mädchen das Recht haben, selbst zu entscheiden, ob und wen sie heiraten wollen.

Dass ich mich so vehement für das Thema einsetze und in meiner Arbeit für die SOS-Kinderdörfer immer wieder junge Mädchen ermutige, für sich einzustehen, hat auch damit zu tun, dass ich genau weiß, wie sich so was anfühlt. Ich weiß zu gut, was es bedeutet, wenn andere Menschen meinen, über dich und dein Schicksal entscheiden zu können. Ich weiß genau, was für ein Schock das ist, wenn deine Eltern dir erklären, dass sie jetzt einen Mann gefunden haben, den du heiraten MUSST.

Kinderehe

In unseren Programmen sensibilisieren wir die Mädchen für ihre Rechte. Für viele ist das neu.

Ich selbst war in dieser Situation – und es wurde von mir noch erwartet, dankbar zu sein: Unverschuldet war ich als junges Mädchen mit HIV infiziert worden und nun sollte ich doch glücklich sein, dass ein Ehemann für mich gefunden worden war. Ich habe damals klar gemacht: Menschen mit HIV haben die gleichen Rechte wie alle anderen! Eine erzwungene Ehe kommt für mich nicht in Frage! Weiterlesen

Bildungschancen gerecht verteilen! SOS-Petition

Unser Land ist jung. Nach aktuellen Statistiken sind 2 534 394 Menschen in Autorenbild_Libertad_deutschBolivien zwischen 16 und 28 Jahren alt. In vielen Ländern ist diese Altersgruppe besonders von Arbeitslosigkeit betroffen, so auch bei uns: Während die allgemeine Arbeitslosenquote bei 8,2 Prozent liegt, ist sie in Bezug auf die jungen Menschen fast doppelt so hoch (14,5 Prozent). Generell sind Frauen stärker betroffen als Männer. Und auch diejenigen, die einen Job bekommen, haben es nicht unbedingt leicht. Oft sind diese ersten Anstellungen gering bezahlt und bieten keine Sicherheit.

Gärtner

Im SOS-Ausbildungszentrum Cochabamba erwerben junge Menschen das Know-ow, um zum Beispiel als Gärtner arbeiten zu können…

Erst kürzlich war in der Zeitung wieder zu lesen, mit welchen Themen junge Leute zu tun haben. Viele erzählen, dass zum Beispiel akademisches Wissen kaum von Wert sei. Viel wichtiger sei den Firmenchefs, dass jemand Erfahrung mitbringe, zwei Jahre Minimum – nur, woher nehmen, wenn man gerade aus der Ausbildung kommt?  So sind es oft die persönlichen Beziehungen, die weiterhelfen. Wer keine hat, hat ein Problem!

Javier, ein junger Mann, der Rechnungsprüfung studiert hat, sagt, dass er an der Uni gerade mal die Grundlagen gelernt habe. „Wenn du wirklich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben willst, musst du privat Extra-Kurse besuchen.“ Raúl, ein anderer junger Mann, kritisiert, dass kaum noch jemand ein Studium anhand seiner Interessen und Begabungen wähle. Meist spielen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt die größte Rolle. Weiterlesen

Über 2 Millionen Bewerber für knapp 400 Jobs – SOS-Petition

Für die meisten Eltern oder Erziehungsberechtigten in Indien ist es das Tsering Dolkar aus IndienWichtigste, dass ihr Kinder gesund aufwachsen und irgendwann gut in ihr eigenes Leben starten. Sie sollen vor allem einen sicheren Job finden. Viele Eltern tun dafür alles: Mittelklasse-Familien geben oft 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens für die Bildung ihrer Kinder aus. An allem würden sie sparen, aber niemals daran! Die Anstrengungen und Aufwendungen sehen sie als notwendig an, damit ihre Kinder später überhaupt eine Chance haben.

Sie haben in der Tat keine leichte Aufgabe: Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Aktuelle Studien sprechen von 50 Prozent. Und die jahrzehntelange Annahme, dass eine akademische Bildung vor Arbeitslosigkeit bewahrt, ist längst ins Wanken geraten.

Bewerber

Kleiner Ausschnitt aus der riesengroßen Schlange: Über 2 Millionen Kandidaten bewarben sich um einige hundert Jobs.

Welch absurde Ausmaße die Situation inzwischen angenommen hat, zeigt der Bericht aus Uttar Pradesh, der landesweit durch die Medien ging und für Aufregung sorgte: In Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Landes, hatte die Regierung 368 unqualifizierte Jobs ausgeschrieben. Die Kandidaten sollten eine Schulausbildung mitbringen und Fahrrad fahren können, mehr nicht. Weiterlesen

Alberta lebt wieder

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Alberta und Kinder

In ihren düstersten Momenten dachte Alberta sogar daran, ihre Kinder wegzugeben, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Glücklicherweise Vergangenheit!

Als Alberta von ihrem Ehemann verlassen wurde, war dies ein Schock für sie: Wie sollte es weitergehen? Ihre drei Kinder waren klein, zwei von ihnen zudem blind. Sie brauchten Albertas Unterstützung rund um die Uhr. Aber wie sollten sie überleben? Wie die Miete zahlen?

Alberta hatte keine Familie, kein Netzwerk in ihrer Umgebung, das sie hätte unterstützen können. Nachdem sie mehrere Monate lang keine Miete zahlen konnte, wurde sie von ihrer Vermieterin aufgefordert, ihr Zimmer zu verlassen, in dem sie mit den drei Kindern lebte.

Düstere Gedanken kamen auf: Vielleicht wäre es besser, ihre Kinder abzugeben in ein Heim. Da würden sie zumindest regelmäßige Mahlzeiten bekommen, sie hätten ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Und doch zog sich in ihr alles zusammen, wenn sie daran dachte. Weiterlesen

Wie kann eine junge Frau das Leben lieben, wenn sie dem Leben ausgeliefert ist?

Jedes Kind wächst mit Träumen auf, hat Vorstellungen davon, was es einmal MiniPic_Helenawerden, wie es einmal leben möchte. So sind wir Menschen, das ist so natürlich, so schön. In meinem Land Namibia muss ich immer wieder miterleben, wie die Träume junger Menschen in Stücke zerbrechen oder besser: zerbrochen werden – von denen, die eigentlich die Aufgabe hätten, die Kinder zu beschützen und alles dafür zu tun, dass sie ihre Talente entfalten und glücklich werden können.

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Wer nicht träumen kann, hat keine Antworten – Teil 2

Ich hatte immer Angst. Jeder hatte Angst.

Zafar, 14 Jahre alt, hatte seine Heimat Afghanistan mit einer unbekannten Katerina aus MazedonienReisegruppe verlassen. Er erzählte mir nicht, wie er sie gefunden hatte, und ich fragte nicht.

Slavko

SOS-Mitarbeiter Slavko Bosnjak unterstützt die Jugendlichen. Oft hilft es schon, da zu sein und zuzuhören.

„Die meiste Zeit waren wir zu Fuß unterwegs“, sagte er. Nachdem Zafar Afghanistan, Iran und die Türkei durchquert hatte, versucht er dreimal, nach Bulgarien einzureisen. Dreimal wurde er geschnappt und zurück in die Türkei gebracht. „Die Polizei hat Hunde auf uns gehetzt. Beim letzten Mal haben sie mein Gesicht gegen einen Baum gepresst und mir den Arm auf dem Rücken verdreht. Sie haben mich mehrmals geschlagen. Ich war blutüberströmt, als sie mich zurück über die Grenze schickten.“ Weiterlesen

Wer nicht träumen kann, hat keine Antworten – Teil 1

„Was willst du einmal werden?“ – „Ungarn!“

Vor einer Woche fragte ich einen sieben Jahre alten Jungen, der mit seinen Katerina aus MazedonienEltern auf der Flucht aus Afghanistan war, was er denn später einmal werden wolle. Er antwortete: „Ungarn!“ Einige Wochen zuvor hatte mir ein anderer Junge, ebenfalls aus Afghanistan, auf die Frage geantwortet „Morgen!“ Und ein dritter hatte gesagt: „Sehr gut!“

Es ist schwierig, auf der Flüchtlingsroute persische Übersetzer zu finden, weshalb ich davon ausging, dass meine Frage in sprachlichen Verwirrungen gestrandet war.

Es brauchte zwei Begegnungen, bis ich die Wirklichkeit afghanischer Kinder verstand – und ihre Antworten. Weiterlesen

Die Menschen meiner Stadt

Wenn ich durch die Straßen meiner Heimatstadt La Paz gehe, dann stelle ich Autorenbild_Libertad_deutschmir manchmal vor, wie all die Menschen wohl leben, denen ich unterwegs begegne. Wie sieht ihr Zuhause aus oder haben sie vielleicht gar keins? Welches Schicksal haben sie? Welche Sorgen, welche Freuden?

Der Mundharmonikaspieler zum Beispiel, den ich schon so oft gehört habe. Er hat keine Hände mehr und hält sein Instrument mit den Armen. Für ein paar Münzen spielt er fröhliche Lieder.

Einige Blöcke weiter betritt eine Frau die Kirche. Sie besucht die Messe jeden Tag und bittet um Absolution für ihre eigenen Sünden und die der anderen. Voller Glauben und Zuversicht betet sie jeden Abend und zündet Kerzen für die Heiligen an.

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In der Nähe einer renovierten katholischen Kirche lebt ein Straßenjunge. Seit vielen Jahren schon schafft er es, ohne wirkliches Zuhause, ohne Familie zu überleben. Wer weiß, wie lange noch. Die Straßen der Stadt sind gefährlich.

Auf der anderen Straßenseite steht ein Mann mit einer Flasche Alkohol  in der Hand. Was ist es, das er vergessen will? Wann hat sein Schmerz begonnen? Vielleicht schon, als er Kind war und vom Vater geschlagen wurde, von der Mutter missbraucht…

Eine junge Frau, Anita, verkauft Rosen in einem Café. Seit sie klein ist, arbeitet sie schon.

Wo mögen sie alle hingehen, wenn der Tag vorbei ist?

Der Mundharmonika-Spieler sucht Unterschlupf in seiner einfachen Hütte, wo er einigermaßen geschützt ist vor der Kälte der Nacht – aber nicht vor der Einsamkeit.

Die fromme Kirchgängerin wird nach einem letzten Abendgebet ins Bett gehen, im Frieden mit Gott und der Welt.

Der Straßenjunge wird sich ein weiteres Mal den Gefahren der Dunkelheit aussetzen.

Der betrunkene Mann wird nach Hause torkeln und seiner Frau all die Geschichten erzählen, die er ihr schon so oft erzählt hat.

Die junge Rosenverkäuferin wird sich in der Nacht verlieren.

Mich selbst erwartet mein wohliges Zuhause, in dem ich mich sicher und geborgen fühle. Ich wünschte, das all die Menschen meiner Stadt, an denen ich Tag für Tag vorbeigehe, dies auch sagen könnten.