„Schon das Wort ‚Familie‘ kann schmerzhaft sein!“

Um Lehrer im Umgang mit Pflegekindern zu unterstützen, bieten wir im SOS-Kinderdorf Kandalaksha seit einigen Jahren Kurse an – mit großem Erfolg.

Rollenspiel

Im Rollenspiel lernen die Lehrer, das Verhalten der Kinder besser zu verstehen.

Als Vater eines Vorschulkindes wünsche ich mir für meinen Sohn, dassAnton_MiniPic die Schule ein sicherer und freundlicher Ort ist. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass er dort gut behandelt und unterstützt wird. Welche Eltern wollen das nicht für ihre Kinder?

Im SOS-Kinderdorf sind wir es gewohnt, mit Jungen und Mädchen zusammenzuleben, die die unterschiedlichsten Herausforderungen zu bewältigen haben. Kein Wunder, sie alle sind durch schlimme Zeiten gegangen. Vernachlässigung, Missbrauch und Trennung von den Eltern kann langfristige Auswirkungen auf das Verhalten, die emotionale Stabilität und letztendlich auf die Zukunft der Kinder haben. Wir betreiben viel Aufwand, um die Jungen und Mädchen im Kinderdorf und in den Pflegefamilien, die wir betreuen, dabei zu unterstützen, ihr Trauma zu überwinden. Aber was ist mit den Lehrern in der Schule? Haben sie das nötige Wissen, um richtig mit den Kindern umzugehen? Weiterlesen

Leben mit den Toten

Mateo ist eines von 848000 Kindern in Bolivien, die zum Überleben Geld verdienen müssen.Autorenbild_Libertad_deutsch Sein Arbeitsplatz: der Zentralfriedhof von La Paz.

Friedhof La Paz

Mateo verbringt seine Tage auf dem Zentralfriedhof von La Paz. Er verdient sein Geld damit, die Gräber zu pflegen.

Wenn jemand über den Tod spricht, macht das Mateo keine Angst. „Ich lebe mit dem Tod“, sagt er zu mir und schaut kurz auf, während er das Wasser in einer Vase wechselt. Dann platziert er die Blumen behutsam auf dem Grab eines Menschen, den er nie gekannt hat.

Mateo verdient sein Geld – meist nicht mehr als ein paar Münzen am Tag – als „Wasserträger“ auf dem riesigen Zentralfriedhof von La Paz City, wo ich ihm begegne. Zu den Aufgaben des acht Jahre alten Jungen gehört es, sich um die Blumen zu kümmern und die Gräber in Ordnung zu halten. Zeit, mit Freunden zu spielen, zur Schule zu gehen und seine Kindheit zu genießen, hat er nicht. Weiterlesen

Auf der Suche nach meinem Weg – Erfahrungen in Berlin-Moabit

Du kannst viele Orte dein Zuhause nennen und doch ist da dieser eine Flutura_MiniPic_dtOrt, an dem du dich wirklich vollständig fühlst. Für mich ist dies das SOS-Kinderdorf Tirana in Albanien, in dem ich aufgewachsen bin. Das kleine Dorf war immer mein perfektes Zuhause.

Als ich jetzt für einen Monat nach Berlin ging, war ich neugierig, was SOS dort für die Menschen bedeutet. Mein Aufenthalt war bestens von SOS-Kinderdorf Deutschland organisiert, so dass meine drei Wünsche erfüllt wurden:

Kindergruppe

Die Mutter-Baby-Gruppe ist eines der vielen Angebote des SOS-Kinderdorfs in Berlin-Moabit. So lebendig und vielfältig wie die ganze Stadt habe ich auch die SOS-Programme erlebt.

Erstens wollte ich die Strukturen und Programme der SOS-Kinderdörfer in Berlin kennenlernen. Es interessant mich brennend zu erfahren wie SOS in den unterschiedlichen Ländern und Kulturen arbeitet.

In Berlin erlebte ich ein SOS-Kinderdorf mitten in einer pulsierenden Metropole – der toleranten Multikulti-Hauptstadt, glamourös mit ihren Geschäften, Straßen, Gebäuden und Touristenattraktionen, eine Stadt mit freiem Geist, Kunst, Geschichte, Sprachen, Kulturen. All dies spiegelte sich in den Programmen des SOS-Kinderdorfs in Moabit wieder. Beide, die Stadt sowie SOS, machten es mir leicht einzutauchen. Weiterlesen

Tiere können Kriege nicht beenden – Menschen hätten die Macht dazu

Kätzchen

Browny war von allen Katzen die schlauste. Ich hoffe, er hat einen guten Platz gefunden.

Seit Jahren leben in unseren Büro Katzen.Tsering_MiniPic2 In der Obhut unserer Sekretärin wuchs jetzt die vierte Generation heran: der schwarze Kaalu, der graue Kittu und Browny. Die vierte Katze verschwand noch bevor wir ihr einen Namen geben konnten.

Die Katzen waren unser Stress-Ventil. Wenn einem von uns die Arbeit über den Kopf wuchs, verbrachte er ein bisschen Zeit mit ihnen. Danach ging es wieder besser.

Weltweit toben jeden Tag und jeden Moment zahlreiche Konflikte und Kriege. Menschen kämpfen bis zum Tod um ein Stück Land, eine Grenze, für ihre Ideale oder ihr Recht menschlich behandelt zu werden. Wie furchtbar muss es sein, in diese Kämpfe verwickelt zu sein  – freiwillig oder unfreiwillig.

Natürlich ist das nicht das gleiche, aber auch unsere Kätzchen wurden Opfer von Revierkämpfen. Alle drei wurden mehrmals von einer wilden Katzen angegriffen.Ich konnte nicht anders, als dabei an all die furchtbaren menschlichen  Auseinandersetzungen zu denken. Weiterlesen

Mit der Energie einer Achterbahn

Kinder mit Masken

Dieses Foto habe ich letzten Monat in einem Sommercamp in Tirana aufgenommen. Es drückt für mich genau das aus, was ich meine.

Flutura_MiniPic_dtEs ist erstaunlich, wie wir im Laufe unseres Lebens in bestimmten Momenten die Kraft der Unabhängigkeit entdecken, einfach dadurch, dass wir Erwachsene uns wie Kinder fühlen – manchmal sogar wie Kleinkinder:

Euphorisch, mit einer Fröhlichkeit, die von tief innen kommt, mit der Energie einer Achterbahn.

Und es gelingt uns, andere zu lieben ohne jegliche Erwartungen. Einfach lieben.

 

Das ist mein kleiner Beitrag für Euch im August. Ich genieße gerade die Zeit in Berlin, wo ich die dortigen Einrichtungen der SOS-Kinderdörfer kennenlerne – beim nächsten Mal mehr davon!

Eure Flutura 

Im Kids-Club lernen Kinder Verantwortung zu übernehmen

Wir Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer werden von den Menschen hier als MiniPic_HelenaAutoritäten wahrgenommen. Als solche sehen wir es als unsere Aufgabe an, vor allem den Kindern Orientierung zu bieten, Werte weiterzugeben und sie dabei zu unterstützen, verantwortungsvolle, zufriedene Menschen zu werden. Im SOS-Sozialzentrum Ondangwa haben wir deshalb vor einiger Zeit den „Kids-Club“ ins Leben gerufen. Jeden Freitag treffen wir uns mit den Jungen und Mädchen, deren Familien wir helfen, spielen, starten gemeinsame Unternehmungen und unterhalten uns über verschiedene Themen.

Kids Club

Jeden Freitag treffen sich die Teilnehmer des Kids-Club. Sie spielen, machen Ausflüge und sprechen mit den Betreuern über alle möglichen Themen.

Die Kinder kommen gerne und haben inzwischen eine enge Verbindung zu uns aufgebaut. Meine Kollegen und ich wechseln uns auf freiwilliger Basis mit den Treffen ab. Zwar bedeutet das Mehrarbeit für jeden von uns, aber es lohnt sich:  Es ist toll zu sehen, wie die Jungen und Mädchen uns vertrauen und wie sie sich entwickeln. Ich möchte das nicht missen! Weiterlesen

Zum Heiraten nach Hause

Hochzeit im Kinderdorf

Alfred und seine Braut Erjona, umringt von Jungen und Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf Tirana

Ich möchte euch von einem jungen Mann erzählen, der im Flutura_MiniPic_dtKinderdorf Tirana aufgewachsen ist und uns alle überrascht hat. Alfred Muharemi und seine Braut haben richtig romantisch geheiratet – und nicht nur das: Sie haben einen ganz speziellen Ort und sogar einen speziellen Tag dafür gewählt.

Alfred erzählt es so:

Als ehemaliges Kind aus dem SOS-Kinderdorf Tirana wollte ich meine Hochzeit unbedingt an dem Ort feiern, an dem ich aufgewachsen bin. Weiterlesen

Familie statt Waisenhaus – inspiriert von SOS ändert sich die russische Politik

Vor einiger Zeit erzählte mein Kollege Victor, dass die Zahl der Kinder, die in der Anton_MiniPicMurmansk-Region in staatlichen Heimen leben, in den letzten Jahren um die Hälfte gesunken ist. Wow! Ich habe mich gefreut, das zu hören, zumal SOS nicht unbeteiligt daran ist.

Sieben von zwölf staatlichen Heimen geschlossen

Russlands Wohlfahrtssystem hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert – und eine Menge Gutes hervorgebracht. 2013 wurde der Umgang mit Waisenkindern durch den Staat völlig neu geregelt. Die neue Richtlinie legte unter anderem fest, dass die Betreuung in der Familie derjenigen in Institutionen vorzuziehen ist. Vereinfacht ausgedrückt wurden Jungen und Mädchen, die nicht bei ihren Eltern leben können, seit diesem Zeitpunkt wenn möglich in Familien untergebracht anstatt in Heimen.

Zahlreiche Menschen haben seitdem Kinder aufgenommen. Ich selbst habe einige Freunde und Kollegen, die Pflegeeltern geworden sind. Mehr und mehr Waisenhäuser wurden in der Folge geschlossen, weil sie nicht mehr gebraucht wurden. Ich möchte euch nicht mit Zahlen langweilen, aber vielleicht ein Beispiel: Allein in der Murmansk-Region wurden sieben von zwölf staatlichen Heimen geschlossen. Weiterlesen

Keinen Tag warten

Alexander

Acht Monate nach Alexanders Geburt war sein Leid vorbei – das war Autorenbild_Libertad_deutschder Tag, an dem er starb. Untersuchungen ergaben, dass der kleine Junge ausgesetzt worden war.

eldiario (1)Seine Eltern waren beide Alkoholiker, lebten in Armut und Verwahrlosung, waren unfähig, ihrem kleinen Baby Liebe zu geben. Alexander war deshalb in ein staatliches Kinderheim gekommen.

Was danach genau passiert ist, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Nach dem Tod des kleinen Jungen vor drei Jahren berichteten sämtliche Medien über Alexanders Schicksal. Menschen in ganz Bolivien waren entsetzt, nahmen Anteil. Es scheint, als hätte Alexander erst sterben müssen, um sichtbar zu werden. Weiterlesen

Alle meine Vorbilder

SOS – das ist für mich ein großer Roman mit vielen Kapiteln, CharakterenFlutura_MiniPic_dt und Geschichten. Oder: SOS ist ein Wolkenkratzer. Als Kind gehst Du die Stufen hoch, von Etage zu Etage, bis du endlich auf dem Dach ankommst. Dort oben stehe ich – und bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich gemacht habe, für alles, was ich erlebt habe.

Und auch, wenn ihr alle wisst, was die SOS-Kinderdörfer sind, ist euch vielleicht nicht bewusst, was für wunderbare Menschen hier arbeiten, die alles geben, um uns Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen zu Persönlichkeiten zu werden. Tag für Tag, Jahr für Jahr halten sie diesen besonderen Geist aufrecht.

Jugendliche

Meine Vorbilder, meine Freunde und ich – ein Team!

Wenn ich mich heute selbst betrachte, bin ich vor allem stolz auf diese Mitarbeiter, die so viel dazu beigetragen haben, dass ich werden durfte, wer ich bin. Am liebsten würde ich sie hier alle aufzählen, aber ich beschränke mich auf die, die mir besonders am Herzen liegen – die Leiter des Jugendhauses Nr.1 in Tirana, Albanien.

Da ist Nik: Danke, Nik, dass du mein Held warst. Ich hab dich immer meinen zweiten Vater genannt, aber in Zukunft werde ich das nicht mehr tun, denn eigentlich warst du immer schon mein Vater Nummer eins. Weiterlesen