Alle meine Vorbilder

SOS – das ist für mich ein großer Roman mit vielen Kapiteln, CharakterenFlutura_MiniPic_dt und Geschichten. Oder: SOS ist ein Wolkenkratzer. Als Kind gehst Du die Stufen hoch, von Etage zu Etage, bis du endlich auf dem Dach ankommst. Dort oben stehe ich – und bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich gemacht habe, für alles, was ich erlebt habe.

Und auch, wenn ihr alle wisst, was die SOS-Kinderdörfer sind, ist euch vielleicht nicht bewusst, was für wunderbare Menschen hier arbeiten, die alles geben, um uns Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen zu Persönlichkeiten zu werden. Tag für Tag, Jahr für Jahr halten sie diesen besonderen Geist aufrecht.

Jugendliche

Meine Vorbilder, meine Freunde und ich – ein Team!

Wenn ich mich heute selbst betrachte, bin ich vor allem stolz auf diese Mitarbeiter, die so viel dazu beigetragen haben, dass ich werden durfte, wer ich bin. Am liebsten würde ich sie hier alle aufzählen, aber ich beschränke mich auf die, die mir besonders am Herzen liegen – die Leiter des Jugendhauses Nr.1 in Tirana, Albanien.

Da ist Nik: Danke, Nik, dass du mein Held warst. Ich hab dich immer meinen zweiten Vater genannt, aber in Zukunft werde ich das nicht mehr tun, denn eigentlich warst du immer schon mein Vater Nummer eins. Weiterlesen

Nur das Beste für die Kinder

Alle Eltern wollen ihren Kindern nur Gutes und nehmen sich vor, sie mit RespektMiniPic_Helena und einer zugewandten Haltung zu behandeln. Aber im Alltag sah das früher oft ganz anders aus: Da vergaßen viele ihre Vorsätze und glaubten, ihre Kinder schlagen zu müssen, damit diese sie respektieren und ihnen folgen. Genauso war das bei mir. Meine Eltern haben mich immer wieder geschlagen, wenn sie der Meinung waren, dass ich etwas angestellt hatte. Dazu muss ich sagen, dass sie keine gebildeten Leute waren und so etwas wie Erziehungsratgeber nicht kannten.

Die Familienhilfe in Namibia unterstützt die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder.

Die Familienhilfe in Namibia unterstützt die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder.

Trotzdem: Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, ist der Preis für beide Seiten hoch. Ich kenne einige Kinder, die  von Zuhause weggelaufen sind, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Oft genug ist ihre Zukunft dadurch zerstört worden.

Heute sind die Kinder besser geschützt und Eltern haben die Gelegenheit, an Workshops teilzunehmen, in denen es um die Sicherheit und die Rechte ihrer Kinder geht und in denen sie lernen, wie sie ihre Kinder großziehen, ohne sie zu verletzen. Der Satz, der lange Zeit in unserer Kultur verankert war, „Beating is teaching“, also „Schlagen lehrt ein Kind“, hat ausgedient! Weiterlesen

Überraschungsgast in der Sommerhitze

Es ist einer der heißesten Monate des Jahres: Die Temperatur ist auf über 40 Tsering_MiniPic2Grad gestiegen, jeder spricht über das Wetter; ich schaue nach draußen und sehe betrübt, dass manche der Pflanzen ziemlich mitgenommen aussehen. Auch die Tiere leiden, viele Menschen stellen Wasser für die freilaufenden Hunde oder die Vögel bereit.

Pfau in Indien

Jeden Morgen füttert mein Mann die Vögel auf unserer Terrasse. Der Pfau ist heute zum ersten Mal da.

Dann bekomme ich eine Email meiner Kollegin Simone aus Deutschland, die mich um meinen nächsten Text bittet. Sie schreibt, dass auch in Deutschland der Sommer kommt mit vielen Blumen, viel Grün. Sofort fällt mir die Holland-Reise ein, die ich einmal mit meinem Mann unternommen habe; die Gewächshäuser, unzähligen Blumenarten, unser Besuch auf dem Keukenhof. Eine schöne Reise war das und jetzt eine schöne Erinnerung – und mir kommt der Gedanke, dass dies doch ein Thema ist: die Natur und die beeindruckenden Momente, die sie uns beschert – bei mir sind das oft ganz alltägliche Ereignisse… Weiterlesen

Unterstütze keine Kinderarbeit – investiere in die Zukunft

120 000 Menschen sind an Brasiliens größtem und vollstem Flughafen „São PauloRodrigo_MiniPic International Airport“ in Guarulhos täglich unterwegs. Dieser Sammelplatz der unterschiedlichsten Nationalitäten und Währungen ist längst zum lukrativen Geschäft für Bettler geworden – besonders häufig werden Kinder losgeschickt. Sie fragen die Reisenden nach Geld, verkaufen Süßigkeiten oder putzen Schuhe. Ihren Verdienst müssen sie anschießend zuhause abgeben.

 

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Mein Weg ins Leben

Gastautorin Dounia aus Marokko

Gastautorin Dounia (links), hat mit Hilfe von Khadija Timoule, Leiterin der Familienstärkung in Sidi Moumen, Marokko, ihr Leben in die Hand genommen.

Ich heiße Dounia und bin 24 Jahre alt. Ich gehöre zum Team der Familienstärkung der SOS-Kinderdörfer in Marokko und arbeite für DHL Express.

Als ich 18 war, war ich sehr unglücklich. Ich war furchtbar schüchtern und das Leben war für mich eine einzige Qual: Ich hatte kein Ziel, keine Vision, nichts aus Angst, Traurigkeit, Schwäche. Die 18 Jahre meines Lebens – vergeudete Zeit. Meiner Meinung nach hielt das Leben für uns stets zwei Wege bereit: der eine geht nach oben, der andere steil nach unten. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich garantiert den zweiten Weg nahm. Auch meine Mutter, eine mutige, starke Frau, konnte mich da nicht rausholen.

Dann traf ich Khadija Timoule, Leiterin des Familienstärkungsprogramms (FSP) in Sidi Moumen.  Ich war gerade dabei, meinen höheren Schulabschluss zu machen, aber wusste eigentlich gar nicht wofür und war mir nicht sicher, ob ich weiter machen sollte. Weiterlesen

Anton Bakanin und das nördlichste aller Kinderdörfer

Verschneite Bäume

So sieht es bei uns im Winter aus. Foto: Igor Prozorov

Wenn du eine Karte von Russland in die Hand nimmst und dir den NordwestenAnton_MiniPic anschaust, wirst du eine Insel entdecken, die aussieht wie ein Ohr oder ein Schwanz, der an Skandinavien hängt: die Kola-Halbinsel. Wenn du Glück hast, ist ganz im Süden, direkt am Meer, der Ort Kandalakscha markiert. Dort sitze ich gerade an meinem Schreibtisch.

Umringt von verschneiten Bergen und endlosen Pinienwäldern ist Kandalakscha die Heimat von 40 000 Menschen. Meine Eltern sind Anfang der 80er-Jahre aus der Mitte des Landes hierher gezogen. Als ich klein war, war das Leben hier alles, was ich kannte und von daher ganz normal für mich. Inzwischen nehme ich meine Heimat ganz bewusst wahr und schätze sie sehr. Auch, wenn das Leben hier langsamer ist als in den großen Städten, habe ich alles, was ich brauche: Meine Familie, eine zusammengewachsene Gemeinschaft mit liebenswürdigen Menschen, den Charme einer Kleinstadt, nicht zu sprechen von der überwältigenden Natur. Weiterlesen

Meine Familie in Distrikt 12

Familie, das ist für mich nicht nur die Einheit Vater-Mutter-Kind. Familie, dasAutorenbild_Libertad_deutsch sind wir alle: Es ist unser aller Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder liebevoll und gewaltfrei aufwachsen können. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Herausforderungen dieser Welt nur meistern können, wenn wir Menschen uns als miteinander verbunden und zusammengehörig begreifen.

Dies ist für mich auch die Grundidee der SOS-Familienhilfe: Alle Kinder gehen uns an. Vielleicht habt ihr Lust, mich in La Paz‘ Distrikt 12 zu begleiten und einige der Familien kennenzulernen, die wir unterstützen. Reiseleiter machen definitiv einen Bogen um diese Gegend: 180 000 Menschen leben hier in einfachen Behausungen, die Straßen sind dreckig, die Kriminalität hoch. Über die Hälfte der Einwohner ist jünger als 18 Jahre. Acht von zehn Kindern sind in Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren. Ich finde die Zahl erschreckend hoch.

Mutter Bolivien

Ana Maria Salguiro und ihre Kinder kommen über die Runden. Mit einem von SOS finanzierten Handwagen verkauft die alleinerziehende Mutter Unterwäsche.

Da ist beispielsweise Claudine, deren Mann, ein Schreiner, eines Tages nicht mehr von der Arbeit nach Hause kam. Claudine glaubt, dass er ermordet wurde. Sie war alleine mit ihren vier Kindern, fand einen neuen Partner, mit dem alles aber nur noch schlimmer wurde. Er begann sie zu schlagen und es dauerte Jahre, bis es Claudine gelang, ihn zu verlassen. Claudine wurde in unser Programm aufgenommen und gemeinsam mit ihr überlegten unsere Mitarbeiter, wie man die Familie am besten unterstützen könnte. Wir schauen immer nach individuellen Lösungen. Für Claudine war es ein Kühlschrank, der ihr Leben veränderte. Auf den Straßen von La Paz verkauft sie nun eine Limonade, die sie täglich frisch herstellt und kühl halten kann. Sie kommt damit über die Runden, ihre Kinder gehen wieder in die Schule. Weiterlesen

Eine Frau, die die Welt verändert hat

Vor ein paar Wochen, am 8. März, war Weltfrauentag und gleichzeitig Tsering Dolkar aus Indienhaben mein Mann und ich unseren 27. Hochzeitstag gefeiert.  Wir feierten mit Kollegen und abends mit Freunden, und immer wieder kam das Gespräch auf die Frauen – dass sie wunderbare Wesen sind, ihre Schönheit in ihrer Verletzlichkeit liegt und zugleich in ihrer Stärke. Frauen haben die Kraft, Dinge zu verändern.

Kinderdorfmutter

In 30 Jahren war Tulsi Parihar Mutter für 33 Kinder im SOS-Kinderdorf Bhimtal.

Als ich mich heute hinsetzte, um diesen Text zu schreiben, kamen mir viele meiner Freundinnen in den Sinn. Sie haben alle einen unterschiedlichen Lebensstandard, einige sind hocherfolgreich in der Wirtschaft und gut situiert, manche sind der gehobenen Mittelklasse zuzuordnen, andere leben in bescheideneren Verhältnissen. Jede von ihnen hatte in ihrem Leben das eine oder andere Problem zu bewältigen. Die meisten sind verheiratet, haben ein oder zwei Kinder. Über ein drittes Kind wagt heutzutage kaum noch jemand nachzudenken.

Unwillkürlich fielen mir unsere SOS-Mütter ein. Frauen wie Tulsi Parihar, die nun schon seit über 30 Jahren Mutter im SOS-Kinderdorf Bhimtal im Norden Indiens ist. Es mag sein, dass viele von euch eher an Aktivistinnen und Managerinnen denken, wenn von der Kraft der Frauen die Rede ist, und da gibt es eine Menge großartiger Frauen! Aber Mütter wie Tulsi gehören für mich auch dazu. Ich erzähle euch, warum: Weiterlesen

Daumen drücken! Juan Carlos ist im Finale der Talentshow „The Voice Kids“ in Brasilien

Wer dieser Tage miterlebt, wie der 14-jährige Juan Carlos Poca ganz Brasilien Rodrigo_MiniPicmit seinen Auftritten in der Sendung „The Voice Kids Brazil“ verzaubert, käme kaum auf die Idee, dass der Junge noch vor wenigen Jahren auf der Straße gearbeitet hat. Seine Mutter hatte ihn und zwei seiner Brüder gezwungen, abends in den Straßen der Stadt Foz do Iguaçu im Süden Brasiliens Süßigkeiten zu verkaufen. Als die zuständige Behörde von dem Fall erfuhr, wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und die drei Brüder bekamen ein neues Zuhause im SOS-Kinderdorf Foz do Iguaçu.

Junge Brasilien

Juan Carlos im SOS-Kinderdorf Foz do Iguaçu. Als er singen und Gitarre spielen lernen wollte, wurde er unterstützt.

Es war nicht leicht für sie, denn alles war ungewohnt und fremd und sie waren nun auch von ihrer älteren Schwester getrennt, die sie sehr vermissten. Unterstützt vom Kinderdorf, blieb die Schwester in engem Kontakt mit ihren Brüdern.

Aber die Jungen spürten auch, dass all die Menschen im Kinderdorf auf ihrer Seite waren, ihnen Gutes wollten. Zum Beispiel wurde Juan Carlos Liebe zur Musik entdeckt und gefördert. Cristhiany Andrade, der pädagogische Leiter des Kinderdorfs, erinnert sich: „Seit er zu uns kam, liebte er es zu singen, und er wollte unbedingt Gitarre spielen lernen.“ Bald bekam er Unterricht und schnell war klar, dass er Talent hat. Wenn sich eine Gelegenheit bot, trat er im Kinderdorf auf – und begeisterte seine Zuschauer. Weiterlesen

Ich schäme mich nicht für meinen HIV-Status!

AIDS hat in den letzten Jahrzehnten viele der Menschen getötet, die wir lieben,MiniPic_Helena darunter auch meine Eltern. Und so wie ich wurden viele Kinder schon früh zu Waisen. AIDS/HIV ist zu einem Lebensthema für mich geworden. Es ist mir ein Anliegen, die Menschen aufzuklären, Vorurteile abzubauen und die Betroffenen in meiner Arbeit so gut wie möglich zu unterstützen. Dabei bringe ich meine persönliche Geschichte bewusst mit ein: Ich bin 31 Jahre alt, Mutter, HIV positiv, und mein Leben ist lebenswert! Allein letzteres ist für viele Menschen überraschend.

Dass es mir gut geht, hat vor allem mit den antiretroviralen Medikamenten zu tun, die ich seit meiner Schwangerschaft einnehme. Sie bewirken, dass sich das Virus sehr viel langsamer im Körper ausbreitet. Bei regelmäßiger Einnahme kann man über lange Zeit ein normales Leben führen. Mein größtes Glück ist, dass mein Sohn, heute 12 Jahre alt, kerngesund ist. Was könnte ich mir als Mutter mehr wünschen? Weiterlesen