Ein Freund ist tot. Alfred Munyentwari war Leiter der SOS-Kinderdörfer in Ruanda.

Alfred1

Alfred Munyentwari war 21 Jahre lang Nationaler Leiter der SOS-Kinderdörfer in Ruanda.

Ein Telefonanruf am Montagabend, die Sätze, die am anderen  Ende der Franklin-Autor_MiniPic-dtLeitung gesprochen werden, sind knapp, sie klingen fast schroff: „Bitte, stell mir keine Fragen, ich wollte dich nur wissen lassen, dass es vorbei ist. Er ist gestorben.“ Der Anrufer versucht, irgendwie die Kontrolle zu behalten, sein Schluchzen zu unterdrücken, dann ist er schon wieder weg. Weiterlesen

Leben ist Veränderung

Alles, was endet, hat einen Anfang, und alles, was anfängt, hat ein Ende. Tsering Dolkar aus IndienAls Buddhistin ist für mich die Philosophie der Unbeständigkeit wesentlich: Leben IST Veränderung.

Und dann kam dieser Tag, der so extreme Veränderungen auf einmal mitbrachte: Es war früh am Morgen und ich wollte mich gerade auf den Weg zum Büro machen, als ich die Nachricht bekam: Tanu, eine meiner Kolleginnen und eine gute Freundin, war Mutter geworden! Erst einen Tag zuvor hatte sie zu arbeiten aufgehört und nun hatte sie einem wunderschönen, gesunden Jungen auf die Welt gebracht. Die Geburt war unkompliziert verlaufen und Mutter und Kind waren wohlauf. Wir freuten uns alle sehr und planten unseren Antrittsbesuch, als uns eine weitere Nachricht erreichte: Satish Kumar, einer meiner ältesten Kollegen und ebenfalls ein enger Freund, war an diesem Morgen überraschend gestorben. Weiterlesen

Die Kinder dürfen nicht den Preis zahlen!

Zu den größten Herausforderungen unserer Arbeit gehört es, das DenkenAutorenbild_Libertad_deutsch der Menschen zu verändern, das stelle ich immer wieder fest. “Sicher”, sagen die Leute, “man müsste viel mehr tun für Kinder, die vernachlässigt werden oder in Not geraten.” Aber oft bleibt es dann bei dem guten Vorsatz.

In den letzten Monaten habe ich anderes erlebt: Menschen, die auf die Straße gingen und sich aktiv für gefährdete Kinder einsetzten. Ich glaube, dass sie gespürt haben, dass es hier nicht nur um die Rechte der Kinder, sondern um die Menschheit an sich geht. Denn es sagt eine Menge über unseren Entwicklungsstand aus, wie wir mit den Schwächsten in unserer Gesellschaft umgehen. Weiterlesen

Hommage an die alleinerziehenden Väter

Wenn von Alleinerziehenden die Rede ist, dann sind meist Mütter gemeint. Autorenbild_Libertad_deutschVäter, die ihre Kinder alleine groß ziehen, sind in Bolivien und in den allermeisten Ländern und Kulturen viel seltener, gesellschaftlich noch nicht so akzeptiert und oft haben sie es deshalb noch einmal schwerer.  In meiner Arbeit für die SOS-Kinderdörfer begegne ich diesen Vätern immer wieder, manche von ihnen unterstützen wir, und so oft bin ich gerührt von ihrem Herz, ihrer Souveränität, ihrem praktischen Geschick. Es sind phantastische Väter dabei.

Zum Beispiel Ramiro:

Vater, Kinder

Haben es gut miteinander: Ramiro, Sofía und Álvaro.

Ramiros Frau ist nach Spanien gereist, um dort nach einem Job zu suchen. Ramiro, 38 Jahre alt, ist seitdem alleine mit seinen beiden Kindern Sofía und Álvaro.  Es gibt nichts Spektakuläres über ihn zu erzählen, aber genau das ist das Schöne: Ramiro und seine Kinder haben es einfach gut miteinander. Sie sind ein eingespieltes Team und Ramiro gibt ihnen, was sie brauchen: Er kocht für sie, bringt sie pünktlich zur Schule, kämt ihnen die Haare, spielt Fangen mit ihnen, hört ihnen zu, kuschelt mit ihnen vor dem Einschlafen. So oft es geht, sprechen sie mit Ramiros Frau in Spanien. Auch in der Sehnsucht unterstützen sich die Drei. Weiterlesen

Saturday Night Fever zum tibetischen Neuen Jahr “Losar”

Im Gegensatz zu den Indern feiern wir Tibeter nur wenige traditionelle Feste.Tsering Dolkar aus Indien Unsere drei wichtigsten sind  der Geburtstag seiner Heiligkeit, des Dalai Lama, das Fest „Buddha Purnima“ zum Gedenken an die Geburt und die Erleuchtung Buddhas und das dritte große Fest schließlich ist das tibetische Neue Jahr, „ Losar“, das wir in diesem Monat rund um den 8.Februr gefeiert haben.

Altar

Zum Neujahrsfest wird der Altar geschmückt und es werden kleine Gaben dargereicht.

Als Kinder konnten wir es kaum erwarten, bis endlich wieder Losar gefeiert wurde. Im SOS-Kinderdorf Greenfields,  wo ich groß geworden bin, lebten Kinder und Mütter verschiedener Religionen zusammen und die unterschiedlichen Traditionen hatten alle ihren Platz, für uns Kinder war das toll: umso mehr gab es zu feiern. 
Die Vorbereitungen für Losar fingen immer schon Monate vorher an: Man überlegte sich, was man anziehen würde, bereitete Grußkarten vor, in den Wochen vor dem Fest wurde das Haus geputzt und eingekauft.

Am vorletzten Tag des zwölften Monats wurde das alte Jahr mit „Guthuk“ verabschiedet: Am Abend aßen wir zusammen eine Suppe mit Knödeln. In jedem Knödel steckte ein kleiner Zettel mit einem kurzen Kommentar, der etwas über den Charakter der jeweiligen Person aussagen sollte. Weiterlesen

Ein Mensch, nicht nur eine Geschichte

Ich glaube, wir sind blind, Blinde, die sehen, Blinde, die sehend nicht sehen.Autorenbild_Libertad_deutsch

(Stadt der Blinden, Jose Saramago)

Wenn die Menschen hören, dass ein Kind keine Eltern mehr hat, verlassen oder vernachlässigt wurde, fällen sie ihr Urteil oft schnell: „Das arme Kind, Leben verpfuscht, aus dem kann ja nichts mehr werden!“ Und wenn man so auf die Menschen schaut, findet man leicht die Bestätigung – bei einem Kind wie Marco zum Beispiel. Immer wieder wurde er wütend, gestohlen hat er und nimmt nicht einmal die Hand, die man ihm reicht. Ist doch so, oder?

Junge beim Spielen

Seht ihr mich oder nur meine Geschichte? Marco beim Spielen im Kinderdorf

“Mama” sagte er nie!

Als Marco zu uns ins SOS-Kinderdorf kam, war er acht Jahre alt und hatte die Zeit zuvor in einem Waisenhaus der bolivianischen Regierung verbracht. Man hatte den Jungen auf der Straße gefunden, wo er alleine herumlief, ängstlich und verschüchtert, verlassen von seiner Mutter, warum, wusste er nicht, auch nicht, wo sie war. Manchmal war er zornig, dann hasste er alle und alles, wollte nur noch um sich schlagen, fing an zu klauen, um seinen Ärger zu stoppen. Weiterlesen

Großer Torwart, großes Herz

Es ist 13 Jahre her, dass ich Govinda Boro zum ersten Mal traf. Da war er bereits Tsering Dolkar aus Indienein junger Mann und auf dem Weg in die Selbständigkeit. Er war voller Optimismus und Tatendrang.

Govinda

Meine erste Begegnung mit Govinda vor 13 Jahren

Beides strahlte er auch jetzt noch aus, als ich ihn bei der Preisverleihung des  Nationalen Kunst- und Sportwettbewerbs der SOS-Kinderdörfer wiedersah! Jungen und Mädchen aus SOS-Kinderdörfern ganz Indiens wurden für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Govinda überreichte unter anderem die Preise für die besten Fußballspieler. Es war nicht zu übersehen, dass dies für die jungen Sportler ein besonderer Moment war.

Govinda selbst war im SOS-Kinderdorf Guwahati im Bundesstaat Assam im Nordosten Indiens aufgewachsen. Zurückblickend erzählte er mir: „ Ich war eher ein durchschnittlicher Schüler, aber ich liebte den Sport und vor allem den Fußball.“ Bald wurde er Mitglied der Schulmannschaft und nahm als Torwart an Turnieren und Wettbewerben teil. Sein Talent war offensichtlich! Weiterlesen

Bildung bringt Freiheit

Die Hände des Mädchens haben Schwielen und kleine Risse. Sie mag vielleichtAutorenbild_Libertad_deutsch acht Jahre alt sein, ihre Hände sehen viel älter aus. Seit sie denken kann, hilft sie ihrer Mutter im Haushalt, sie kocht, wäscht Kleidung, sorgt für ihre jüngeren Geschwister. In der Schule ist sie auch angemeldet, aber nur selten darf sie dorthin gehen. So vielen Mädchen geht es wie ihr.

Oder nehmen wir ein  anderes Mädchen. Unbedingt wollte sie die Universität besuchen, Karriere machen, aber eigentlich interessierte das niemanden, sowie sich ihre Familie generell kaum um sie kümmerte. Noch jugendlich wurde sie schwanger, ihren Schulabschluss hat sie nie gemacht. Für ihr Kind nimmt sie Gelegenheitsjobs an, irgendwie halten sich die Beiden über Wasser.

Koch

Schon als kleiner Junge träumte Marco davon, Koch zu werden. Heute hat er sein eigenes Restaurant.

Vielen Eltern ist auch heute noch nicht klar, wie sehr die Bildung über das Leben ihres Kindes entscheidet. Als Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer informieren wir, klären auf, und ich bin froh um jede Familie, die wir erreichen, jedes Kind, das doch noch in die Schule geht.

Wie sehr die Bildung den Weg eines Menschen formt, sehen wir immer wieder bei uns im Kinderdorf. Marco zum Beispiel kam mit vier Jahren zu uns, nachdem seine Mutter gestorben war. Er bekam eine neue Familie, wurde liebevoll aufgenommen, er ging in die Schule und wurde bei seinen Plänen unterstützt. Marcos stärkste Erinnerung an seine leibliche Mutter war, dass sie eine exzellente Köchin war. Er liebte ihr Essen – so wollte er auch kochen können. Weiterlesen

Warum wir anderen helfen

Franklin-Autor_MiniPic-dt

Helfen Ruanda

Fröhliche Gesichter im SOS-Kinderdorf: Dass es den Kindern gut geht, hat damit zu tun, dass viele andere helfen.

Warum helfen Menschen anderen?

Wer wie ich für die SOS-Kinderdörfer arbeitet, stellt sich diese Frage zwangsläufig. Immer wieder bekommen wir großzügige Spenden, manchmal sogar von Leuten, die selbst kaum etwas haben. Ihre Unterstützung ist so wichtig! Sie macht es möglich, dass Kinder Liebe sowie den Zugang zu Bildung, Gesundheitsfürsorge, Kleidung und Nahrung bekommen. Die meisten dieser Kinder würden ohne diese Hilfe auf der Straße landen und es wäre sehr unwahrscheinlich, dass sie später einmal ein selbstbestimmtes Leben führen können. Weiterlesen

Auf einem guten Weg

Sie hat nie zu träumen aufgehört. Nicht während der Nächte, in denen ihre ElternAutorenbild_Libertad_deutsch sie beschimpften und schlugen, nicht an dem Tag, an dem sie die Schule abbrach, um zu arbeiten, und auch nicht, als sie die falsche Entscheidung mit dem falschen Partner traf. Sie träumte weiter während ihrer unglücklichen Ehejahre und als sie überfordert war mit den Kindern.

Und dann begann sie zu handeln.

Felipa lebte zu diesem Zeitpunkt in einem Stadtteil von  La Paz City. Sie war 36 Jahre alt, hatte vier Kinder und ein Adoptivkind, ihre 28 Jahre alte Nichte. Ihre 20-jährige Tochter war selbst bereits Mutter geworden. Ihr Ehemann trank, nur mühsam konnte sie ihre Kinder ernähren, und das Schlimmste war, dass sich die Geschichte wiederholte. Auch Felipa schrie ihre Kinder an und manchmal schlug sie sie.

Felipa

Felipa hat nie zu träumen aufgehört. Seit sie Unterstützung von den SOS-Kinderdörfern bekommt, hat sich ihr Leben stark verändert. Sie hat Arbeit in der Kindertagesstätte gefunden, ihren Sohn nimmt sie mit.

Als Felipa die SOS-Kinderdörfer um Hilfe bat, wurde sie in das Programm der Familienstärkung aufgenommen. Während ihre Kinder versorgt waren, erhielt Felipa Training und Therapie. Andere Frauen waren auch da, die Ähnliches erlebt hatten und nun versuchten, ihre Leben neu aufzubauen.

Felipa wurde in ihrer Therapiestunde darum gebeten, etwas Schönes zu malen. Sie malte einen Baum. Anschließend sollte sie das Bild in kleine Stücke zerreißen. Der Psychologe verglich das zerrissene Bild mit Felipa: Auch ihr schöner Kern war zerrissen. Felipa verstand, was er ihr sagen wollte: „Es war nicht mehr viel Gutes übrig von mir. Ich dachte daran, wie ich mit meinen Kindern umging. Ich sprach kaum mit ihnen, ich schrie sie an und schlug sie. Mein Partner war nicht besser.“ Weiterlesen