Alberta lebt wieder

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Alberta und Kinder

In ihren düstersten Momenten dachte Alberta sogar daran, ihre Kinder wegzugeben, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Glücklicherweise Vergangenheit!

Als Alberta von ihrem Ehemann verlassen wurde, war dies ein Schock für sie: Wie sollte es weitergehen? Ihre drei Kinder waren klein, zwei von ihnen zudem blind. Sie brauchten Albertas Unterstützung rund um die Uhr. Aber wie sollten sie überleben? Wie die Miete zahlen?

Alberta hatte keine Familie, kein Netzwerk in ihrer Umgebung, das sie hätte unterstützen können. Nachdem sie mehrere Monate lang keine Miete zahlen konnte, wurde sie von ihrer Vermieterin aufgefordert, ihr Zimmer zu verlassen, in dem sie mit den drei Kindern lebte.

Düstere Gedanken kamen auf: Vielleicht wäre es besser, ihre Kinder abzugeben in ein Heim. Da würden sie zumindest regelmäßige Mahlzeiten bekommen, sie hätten ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Und doch zog sich in ihr alles zusammen, wenn sie daran dachte. Weiterlesen

Wie kann eine junge Frau das Leben lieben, wenn sie dem Leben ausgeliefert ist?

Jedes Kind wächst mit Träumen auf, hat Vorstellungen davon, was es einmal MiniPic_Helenawerden, wie es einmal leben möchte. So sind wir Menschen, das ist so natürlich, so schön. In meinem Land Namibia muss ich immer wieder miterleben, wie die Träume junger Menschen in Stücke zerbrechen oder besser: zerbrochen werden – von denen, die eigentlich die Aufgabe hätten, die Kinder zu beschützen und alles dafür zu tun, dass sie ihre Talente entfalten und glücklich werden können.

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Wer nicht träumen kann, hat keine Antworten – Teil 2

Ich hatte immer Angst. Jeder hatte Angst.

Zafar, 14 Jahre alt, hatte seine Heimat Afghanistan mit einer unbekannten Katerina aus MazedonienReisegruppe verlassen. Er erzählte mir nicht, wie er sie gefunden hatte, und ich fragte nicht.

Slavko

SOS-Mitarbeiter Slavko Bosnjak unterstützt die Jugendlichen. Oft hilft es schon, da zu sein und zuzuhören.

„Die meiste Zeit waren wir zu Fuß unterwegs“, sagte er. Nachdem Zafar Afghanistan, Iran und die Türkei durchquert hatte, versucht er dreimal, nach Bulgarien einzureisen. Dreimal wurde er geschnappt und zurück in die Türkei gebracht. „Die Polizei hat Hunde auf uns gehetzt. Beim letzten Mal haben sie mein Gesicht gegen einen Baum gepresst und mir den Arm auf dem Rücken verdreht. Sie haben mich mehrmals geschlagen. Ich war blutüberströmt, als sie mich zurück über die Grenze schickten.” Weiterlesen

Wer nicht träumen kann, hat keine Antworten – Teil 1

“Was willst du einmal werden?” – “Ungarn!”

Vor einer Woche fragte ich einen sieben Jahre alten Jungen, der mit seinen Katerina aus MazedonienEltern auf der Flucht aus Afghanistan war, was er denn später einmal werden wolle. Er antwortete: „Ungarn!“ Einige Wochen zuvor hatte mir ein anderer Junge, ebenfalls aus Afghanistan, auf die Frage geantwortet „Morgen!“ Und ein dritter hatte gesagt: „Sehr gut!“

Es ist schwierig, auf der Flüchtlingsroute persische Übersetzer zu finden, weshalb ich davon ausging, dass meine Frage in sprachlichen Verwirrungen gestrandet war.

Es brauchte zwei Begegnungen, bis ich die Wirklichkeit afghanischer Kinder verstand – und ihre Antworten. Weiterlesen

Die Menschen meiner Stadt

Wenn ich durch die Straßen meiner Heimatstadt La Paz gehe, dann stelle ich Autorenbild_Libertad_deutschmir manchmal vor, wie all die Menschen wohl leben, denen ich unterwegs begegne. Wie sieht ihr Zuhause aus oder haben sie vielleicht gar keins? Welches Schicksal haben sie? Welche Sorgen, welche Freuden?

Der Mundharmonikaspieler zum Beispiel, den ich schon so oft gehört habe. Er hat keine Hände mehr und hält sein Instrument mit den Armen. Für ein paar Münzen spielt er fröhliche Lieder.

Einige Blöcke weiter betritt eine Frau die Kirche. Sie besucht die Messe jeden Tag und bittet um Absolution für ihre eigenen Sünden und die der anderen. Voller Glauben und Zuversicht betet sie jeden Abend und zündet Kerzen für die Heiligen an.

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In der Nähe einer renovierten katholischen Kirche lebt ein Straßenjunge. Seit vielen Jahren schon schafft er es, ohne wirkliches Zuhause, ohne Familie zu überleben. Wer weiß, wie lange noch. Die Straßen der Stadt sind gefährlich.

Auf der anderen Straßenseite steht ein Mann mit einer Flasche Alkohol  in der Hand. Was ist es, das er vergessen will? Wann hat sein Schmerz begonnen? Vielleicht schon, als er Kind war und vom Vater geschlagen wurde, von der Mutter missbraucht…

Eine junge Frau, Anita, verkauft Rosen in einem Café. Seit sie klein ist, arbeitet sie schon.

Wo mögen sie alle hingehen, wenn der Tag vorbei ist?

Der Mundharmonika-Spieler sucht Unterschlupf in seiner einfachen Hütte, wo er einigermaßen geschützt ist vor der Kälte der Nacht – aber nicht vor der Einsamkeit.

Die fromme Kirchgängerin wird nach einem letzten Abendgebet ins Bett gehen, im Frieden mit Gott und der Welt.

Der Straßenjunge wird sich ein weiteres Mal den Gefahren der Dunkelheit aussetzen.

Der betrunkene Mann wird nach Hause torkeln und seiner Frau all die Geschichten erzählen, die er ihr schon so oft erzählt hat.

Die junge Rosenverkäuferin wird sich in der Nacht verlieren.

Mich selbst erwartet mein wohliges Zuhause, in dem ich mich sicher und geborgen fühle. Ich wünschte, das all die Menschen meiner Stadt, an denen ich Tag für Tag vorbeigehe, dies auch sagen könnten.

Nie möchte ich auf Vögel, Blumen und Bäume verzichten

Der achtsame Umgang mit der Natur ist etwas, mit dem alle Jungen Tsering Dolkar aus Indienund Mädchen in den SOS-Kinderdörfern aufwachsen. Die Dörfer haben ihre eigenen Gärten, und wir sprechen darüber, warum es zum Beispiel wichtig ist, sparsam mit Wasser oder Elektrizität umzugehen und was es für unsere Umwelt bedeutet, wenn wir dies nicht tun.

Blumen

Ein Blumenbusch mitten in der steinigen Landschaft – das ist für mich Schönheit.

Für mich persönlich ist die Natur eine große Kraftquelle. Ich liebe es, Vögel zu beobachten; es entspannt mich, durch die Landschaft zu schlendern und schöne Blumen zu betrachten, Keimlinge zu entdecken, die durchs Erdreich brechen und Bäume zu sehen, die Früchte tragen. So einfach und doch liegt eine tiefe Wahrheit darin.

Es macht mich traurig zu sehen, wie wir Menschen mit der Natur umgehen. Wir ignorieren nicht nur ihre Schönheit, sondern auch ihre Bedeutung für unser tägliches Leben. Wir suchen Komfort und Zufriedenheit in materiellen Dingen wie imposanten Häusern, elektrischen Geräten oder unseren neusten Einkaufs-Errungenschaften. Häuser, Fabriken, Geschäfte und Straßen haben den größten Teil des Landes eingenommen. Sie werden immer wichtiger für die Menschen, selbst für den Preis, dass wir bald keine frische Luft mehr zum Atmen haben, kein klares Wasser und keine noch so kleinen Spielorte für die Kinder. Wälder und Grünanlagen verschwinden. Weiterlesen

Wer ist SOS?

„SOS? Wer ist das?“ Diese Frage bekomme ich oft gestellt, wenn ich alsMiniPic_Helena Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer zu den Menschen in Namibia gehe. Anfangs wusste ich nicht, wie ich antworten soll, inzwischen lächle ich meistens und sage: „SOS ist wie eine gute Mutter oder ein guter Vater für viele Kinder, die sonst völlig alleine wären.“

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In dem gleichen SOS-Zentrum, in dem Helena Nangombe und ihren Geschwistern früher geholfen wurde, arbeitet sie nun selbst als Koordinatorin der SOS-Familienstärkung. Hier tanzt sie bei einem Fest mit Müttern und Unterstützern.

Natürlich weiß ich, dass es eine Gemeinschaft braucht, um ein Kind großzuziehen. Dieses tief in den afrikanischen Wurzeln verankerte Wissen gilt auch heute noch, aber nicht immer wird diese Aufgabe von den Gemeinschaften verantwortungsvoll wahrgenommen. Manchmal sehen die Menschen zu, wie Kinder leiden, oder sie sehen weg, in der Hoffnung, andere kümmern sich.

Ich war gerade 19 Jahre alt, als ich meine Eltern verlor. Ich musste mich zusammenreißen, denn plötzlich war ich nicht nur Mutter meines 6 Monate alten Sohnes, sondern auch meiner beiden jüngeren Geschwister.  Ich wuchs mit der Herausforderung, versuchte, alles richtig zu machen, und doch: Ich war ständig am Kämpfen, um unser Überleben zu sichern – bis plötzlich Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer vor unserer Tür standen. Sie hörten mich an, nahmen mich ernst und erklärten mir, was sie tun und dass sie Familien wie der unseren helfen. Mir liefen Tränen über die Wangen. Weiterlesen

Ich kann nicht aufhören, diese Musik zu hören

Abeer Pamuk

Gastautorin Abeer Pamuk

Das Opernhaus in Damaskus – es existiert noch und es finden noch Konzerte statt. Die Menschen gehen immer noch dorthin und hören sich so wunderbare Musik wie die von Iyad Rimawi an. Im sechsten Jahr des Bürgerkriegs ist ihre Sehnsucht nach Schönheit, Freude, Kunst größer denn je!

Ich kann nicht aufhören, diese Musik zu hören. Und ich wünschte, alle Syrer hielten nichts anderes als Gitarren und Geigen in ihren Händen…

Abeer Pamuk, Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer aus Syrien, lebt zur Zeit im Libanon. Zuvor hat sie in ihrem blog SOS aus Syrien eineinhalb Jahre lang über die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in ihrer Heimat berichtet.

Jedes Kind zählt

Im Oktober 2012 wollte ich für die Kampagne „Zurück zur Schule“ derKaterina aus Mazedonien SOS-Kinderdörfer ein siebenjähriges Roma-Mädchen, Ira, fotografieren. Es ging darum, die Menschen für Bildungschancen für Kinder aus benachteiligten Familien zu sensibilisieren.

Iras Eltern freuten sich, einen Beitrag leisten zu können und Ira war stolz, mir ihre Schule zu zeigen, in der ich sie fotografieren wollte. Sie ging gerne dorthin und schwärmte von ihrer Lehrerin.

Schülerin

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Die Realität vieler Roma-Kinder sieht anders aus.

Dann kam der Schock. Die Lehrerin kam auf mich zu und flüsterte: „Wenn Sie ein Kind fotografieren wollen, dass wirklich eine Chance im Leben hat, … gibt es bessere Kinder.“ Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Ganz offensichtlich sprach sie von Kindern, die keine Roma waren. Schließlich sagte ich so ruhig wie möglich: „Ich möchte Ira fotografieren!“ Die Lehrerin antwortete: „Ist ja Ihr Schaden.“ Ira hatte von all dem nichts mitbekommen und strahlte die Lehrerin weiter an. Weiterlesen

Flüchtiger Glanz

Als ich sie sah, konnte ich nicht verstehen, wie ihr Gesicht so leuchten konnte,Autorenbild_Libertad_deutsch trotz aller Umstände und trotz der stillen Dunkelheit in ihrem Inneren, die mindestens genauso spürbar war.  Ihre Augen schienen Glanzlichter entfernter Horizonte zu sein, zugleich nah und doch weit weg, als träumte sie davon, noch in dieser Nacht aufzubrechen und neue Wege zu entdecken.

PuppenObwohl sie noch so jung war, zeugten ihre ausgestreckten Hände von den Spuren der Zeit und von den Spuren des Missbrauchs. Die Dämmerung zog auf und langsam wurde es schon kälter. Auf ihrem Weg durch die Straßen, entlang der Bars und Restaurants bat sie die Passanten schweigend um ein paar Münzen. Sie sah so jung dabei aus und genauso unschuldig wie sie es war. Es hatte nicht in ihrer Macht gelegen, ihr Schicksal abzuwenden.

Und wieder dieses Strahlen, dieses Lächeln – als sei da eine Kraft in ihr, die stärker war, als alle Qualen, alle Ungerechtigkeiten. Und ihre ausgestreckte Hand. Wie in einem Kinderspiel bat sie die Welt um ihre kleine Gabe. Irgendwann fiel ihr Blick auf mich, wir schauten uns an, sie kam auf mich zu und nahm meine Hand und hielt sie lange fest, als gäbe ihr die Berührung Schutz inmitten all der Menschen, die sie ignorierten. Ich hatte das Gefühl, dass ihr Schweigen um mehr bat, als ich ihr geben konnte.  Also blieb ich einfach stehen, mit ihrer Hand in meiner. Weiterlesen