Ecuador: Magische Verwandlung im SOS-Kinderdorf Quito

Als ich fünf Jahre alt war, ging ich mit meinem Vater in einem Park unserer Stadt spazieren. Plötzlich standen wir vor einem großen, bunten Zelt, aus dem laute Geräusche zu hören waren. Ich wollte unbedingt herausfinden, was dort los war und zu meinem Glück organisierte mein Vater für den nächsten Tag einen Besuch dieses geheimnisvollen Ortes. So gingen meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und ich am nächsten Tag quer durch den Park und gleich in das Zelt hinein. Wir Kinder bekamen Zuckerwatte und hatten die Anweisung, in der Nähe unserer Eltern zu bleiben. Außer uns waren bereits jede Menge anderer Leute hier, alle schienen aufgeregt zu sein und auf etwas zu warten.

Ein Künstler des "Sozialen Zirkus"

Ein Künstler des „Sozialen Zirkus“

Dann ging das große Licht aus. Nur in der Mitte des Zeltes war ein schwaches Leuchten zu sehen, in dem sich jemand bewegte. Als das Licht stärker wurde, sah ich, dass es eine wunderschöne Frau war, die auf einem großen Ball tanzte. Dies war einer der unglaublichsten Momente meines Lebens! Es war magisch, alles war magisch  – auch die Clowns (vor denen mein Bruder sich fürchtete), die Jongleure und all die anderen Artisten. Der Tag ist mir bis heute gut in Erinnerung geblieben, weil ich damals den Zirkus kennengelernt habe und das berauschende Gefühl hatte, dass Magie ganz real und möglich war.

Vor ein paar Monaten nun bekamen mein Team und ich Besuch von Zirkusleuten. Ich war sehr gespannt, weil ich bisher noch nie hinter die Kulissen eines Zirkus geschaut hatte. Als die Gruppe bei uns im SOS-Kinderdorf Quito ankam, war ich überrascht, wie jung die meisten waren. Sie erzählten uns von ihrem Projekt, dem „sozialen Zirkus“.

Noch sind die Kinder die Zuschauer...

Noch sind die Kinder die Zuschauer…

Vor ein paar Jahren hatten sie mit Unterstützung der Stadt damit begonnen, mit Kindern in schwierigen Lebenssituationen ein Showprogramm aufzustellen. Ziel ist es, die Integration der Kinder in ihren Gemeinden zu stärken und Werte wie Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Selbständigkeit, Solidarität und Verantwortung zu fördern. Als die Artisten uns ihr Können vorführten, kam fast das ganze Kinderdorf zusammen, die Begeisterung war groß, und bald schon begann das erste Training.

... bald schon selbst die Zirkusstars!

… bald schon selbst die Zirkusstars!

Drei Monate später: Für viele Kinder ist das Zirkustraining eine weitere Anstrengung neben Schule, Hausaufgaben und anderen Aufgaben – aber sie lieben es. Von Anfang an hatten wir das Gefühl, dass der „Soziale Zirkus“ den Kindern gut tun würde, aber wie sehr das stimmte, wurde mir erst bewusst, als ich an einem dieser Tage der kleinen Elisa dabei zusah, wie sie Balancieren lernte. In ihrem Gesicht sah ich hohe Konzentration und doch auch ein Lächeln, während ihr Körper behutsam versuchte, das Gleichgewicht zu finden. Unwillkürlich kam mir der Zirkus meiner Kindheit in Erinnerung. Als Kind fand ich diese Welt einfach atemberaubend, aber was Elisa in diesem Moment erlebte, ging noch einen Schritt weiter: Sie war auf dem Weg, selbst zu einer magischen Person zu werden. Was könnte das Selbstwertgefühl eines Kindes mehr stärken?

Mehr über die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in Ecuador erfahren Sie hier.

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