Swasiland: Besuch bei fremden Verwandten

Luka ist 13 Jahre alt und lebt, seit er zwei ist, im SOS-Kinderdorf MbabaneAutor_MiniPic in Swasiland. Er ist ein guter Geschichtenerzähler, dem jeder gerne zuhört. Nach diesen Winterferien hatte er besonders viel zu erzählen.

Vorbereitung auf den Verwandtenbesuch

Der Besuch der Verwandten wird gut vorbereitet.

Hören wir ihm zu:                  „Wie so oft begannen die Ferien mit einem Vorbereitungstreffen für die Kinder, die ihre leibliche Familie besuchen würden. Für mich würde es das allererste Mal sein: Meine Eltern waren lange tot und erst im letzten Jahr war eine entfernte Tante in Lomahasha, einem kleinen Ort an der Ostgrenze Swasilands, gefunden worden. In all den Jahren war ich, während die meisten anderen losfuhren, zusammen mit einigen andern im Kinderdorf geblieben. Mir hatte das nichts ausgemacht, wir Übriggebliebenen genossen die Aufmerksamkeit und unternahmen viele Ausflüge.

Jetzt war ich nervös! Während des Treffens stellte ich viele Fragen. Am Ende begann ich aber doch, mich auf den Besuch bei meiner Tante zu freuen.

Am Abend gab mir meine Kinderdorf-Mutter noch gute Ratschläge mit auf den Weg: Ich sollte darauf vorbereitet sein, dass meine Tante sehr arm und das Leben, das sie führe, nicht mit unserem zu vergleichen sei. Und ich sollte auf jeden Fall daran denken, mich vor dem Schlafengehen mit Mückenschutzmittel einzureiben. Während ich mir ihre Warnungen anhörte, gingen mir ganz andere Dinge durch den Kopf: Mit wem würde ich spielen können? Würden die Kinder die gleichen Spiele haben wie wir? Ich beschloss, eine Kiste mit Lego und ein Kartenspiel einzupacken – für alle Fälle.

Die Busfahrt nach Lomahasha dauerte drei Stunden – mir kam sie ewig vor! Ich saß inmitten von Fremden und fuhr zu Menschen, die ich noch nie gesehen hatte. Die Mitreisenden waren alle freundlich, aber dennoch kam ich mir verloren vor. Schon nach den ersten Minuten vermisste ich meine Kinderdorf-Mutter und meine Freunde. Als wir nach unendlich langer Zeit endlich ankamen, stand meine Tante Minah schon an der Haltestelle und begrüßte mich. Sie erklärte, dass sie sich sehr über meinen Besuch freue und ihre drei Kinder schon ungeduldig darauf warteten mit mir zu spielen. Das klang gut, ich war erleichtert!

Als wir zu ihrem Haus gingen, kamen wir an einem großen Gebäude vorbei, vor dem viele Kinder und Jugendliche versammelt waren und offensichtlich viel Spaß mit unterschiedlichen Spielen hatten. Meine Tante erklärte, dass dort Ferienaktivitäten stattfänden und meine Cousins auch dabei seien. In dem Moment kamen sie auch schon angerannt und dies war der Beginn einer großen Freundschaft!

Ferienaktion

Ferienaktion auf dem Land. Lukas Cousins machen mit!

In meiner ersten Nacht lag ich lange wach. Wohl zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir bewusst, wer ich bin und wie gut es mir ging. In den nächsten Tagen wurde Tante Minah nicht müde festzustellen, welche gute Manieren ich hätte und wie dankbar sie meiner SOS-Mutter für alles sei, was sie für mich getan habe.

Jeder Tag meines Besuches war eine Freude und ich lernte viel. Zusammen mit meinen Cousins übernahm ich einige Arbeiten am Haus. Doch so gut ich mich aufgehoben fühlte, so sehr vermisste ich meine Kinderdorf-Familie – bis der Tag kam, an dem ich wieder in den Bus stieg.

Die Fahrt nach Hause verging wie im Flug. Und – wow: Als ich ausstieg, stand Mama schon da und wartete auf mich. Ich lief ihr entgegen – und ließ mich in eine lange Umarmung fallen.“

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