Frauen in Indien – verletzlich und stark

Mitte der 80er Jahre, als ich zu arbeiten begann, traf ich mit vielen verschiedenen FrauenTsering Dolkar aus Indien           zusammen, als Kolleginnen, Freundinnen oder regelmäßige Reisebegleiterinnen. Damals begriff ich in aller Deutlichkeit, dass das Leben von Frauen – auch der Mittelklasse – in Indien alles andere als leicht ist. Einige können nicht heiraten, weil sie nicht genug Geld haben, die kulturell geforderten Bräuche zu zahlen. Viele finden keinen Job, weil sie schlecht ausgebildet sind. Junge unverheiratete Mädchen, die noch zu Hause wohnen, gelten als Bürde für ihre Eltern. Witwen und geschiedene Frauen wiederum haben keine Sicherheit in einer von Männern dominierten Welt.

Aber genau diese verletzlichen Frauen können in ihrem Leben auch Wunder bewirken, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen! Eine Kollegin und enge Freundin von mir zum Beispiel arbeitet nicht nur achteinhalb Stunden täglich im Büro, sondern kümmert sich außerdem um ihre Kinder und deren Ausbildung. Sie kocht für ihre sechsköpfige Familie, kümmert sich um ihre betagten Schwiegereltern, empfängt Gäste und vieles mehr. Das Schönste aber ist, dass sie all diese Aufgaben mit großer Freude erfüllt, auch, wenn wenig Zeit für sie selbst übrigbleibt. Frauen wie sie gibt es viele in Indien, auch unsere SOS-Kinderdorf-Mütter gehören dazu. Im letzten Jahr ist zum Muttertag ein Artikel über sie in der „Times of India“, einer der führenden englischsprachigen Zeitungen in Indien, erschienen.

Er berichtet vom Alltag der Kinderdorf-Mütter, ihren Haushaltspflichten, ihrer Verbundenheit mit den ihnen anvertrauten Kindern, ihrem eigenen Werdegang und dem der Jungen und Mädchen. Die Journalistin schreibt, dass man, wenn man die Mütter mit ihren Kindern sieht, kaum glauben könne, dass sie nicht die biologischen Mütter sind. Der Text endet mit einem Zitat: „Wenn du als Mutter alles richtig machst, werden die Kinder nicht bei dir bleiben. Mutter sein ist eine Aufgabe, die, umso besser du sie erfüllst, dazu führt, dass du langfristig immer weniger gebraucht wirst.“ Die SOS-Kinderdorf-Mütter könnten gut damit umgehen. Das einzige, was für sie zähle, sei das Glück ihrer Kinder.

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